Studie Kaum ostdeutsche Spitzenbeamte in Bundesministerien

In den Kabinetten von Helmut Kohl gab es im Schnitt mehr Ostdeutsche in der »politischen Elite« als unter der derzeitigen Regierung. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.
Die in Dessau geborene Grünenpolitikerin Steffi Lemke gehört zu den wenigen Ostdeutschen mit einer Spitzenposition in den Bundesministerien

Die in Dessau geborene Grünenpolitikerin Steffi Lemke gehört zu den wenigen Ostdeutschen mit einer Spitzenposition in den Bundesministerien

Foto: Michael Huebner / Future Image / IMAGO

Ostdeutsche sind in Führungspositionen auch mehr als 30 Jahre nach der Wende deutlich unterrepräsentiert. Die Ampelparteien haben sich auf die Fahne geschrieben, das in dieser Legislaturperiode zu ändern.

Auch in den eigenen Bundesministerien hat die neue Regierung Arbeit vor sich. Laut einer neuen Studie ist der Anteil von Spitzenbeamten aus Ostdeutschland dort extrem gering. Am Kabinettstisch sitzen derzeit demnach sogar weniger Ostdeutsche als in früheren Bundesregierungen. Dies geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse der Universität Kassel hervor.

Diese hat nach eigenen Angaben fast 3600 Karriere-Biografien von der Kaiserzeit bis ins heutige Deutschland systematisch ausgewertet und dabei auch die Vertretung Ostdeutscher in Spitzenpositionen unter die Lupe genommen. Die Forscherinnen und Forscher unterscheiden zwischen Regierungsmitgliedern (politische Elite) und Spitzenbeamten in Ministerien (Verwaltungselite).

Unter Kohl mehr Ostdeutsche in der »politischen Elite«

In der »politischen Elite« liege der Anteil Ostdeutscher derzeit bei rund neun Prozent: die Ministerinnen Clara Geywitz und Steffi Lemke sowie die Staatsminister Reem Alabali-Radovan, Carsten Schneider und der Parlamentarische Staatssekretär Michael Kellner. Der Wert sei niedriger als in den meisten Vorgängerregierungen nach 1990. Wie Studienautorin Sylvia Veit auf Anfrage mitteilte, waren es in den Kabinetten Helmut Kohl zwischen 1990 und 1998 mehr als 15 Prozent. In der Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel bis 2017 schwankte die Zahl zwischen 8,5 und 13,2 Prozent.

Bei der »Verwaltungselite« von Spitzenbeamten wie Abteilungsleitern oder Staatssekretären habe der Anteil der Ostdeutschen bis zum Ende der dritten Amtszeit Merkel sogar meist bei nur rund einem Prozent gelegen. Auch unter der Ampelkoalition finde sich nur eine im Osten Deutschlands aufgewachsene Staatssekretärin: Antje Draheim im Bundesministerium für Gesundheit.

svs/dpa
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