Studie zum Auswärtigen Amt Deutsche Diplomaten waren am Holocaust beteiligt

"Das Auswärtige Amt war eine verbrecherische Organisation": Historiker kommen in einer neuen Studie zur Rolle der deutschen Diplomaten im "Dritten Reich" nach Informationen des SPIEGEL zu einem deutlichen Urteil. Die Untersuchung war von Joschka Fischer in Auftrag gegeben worden.

Auswärtige

Hamburg - Das Amt hat maßgeblich an der Ermordung der europäischen Juden während des Zweiten Weltkriegs mitgewirkt. Zu diesem Ergebnis kommt eine international besetzte Historikerkommission.

Joschka Fischer

Sie war im Jahr 2005 vom damaligen Außenminister (Grüne) nach einem Streit über die Nachrufpraxis im eigenen Haus beauftragt worden war, die Geschichte des Ministeriums während des "Dritten Reichs" und dessen Umgang mit der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik zu erforschen.

"Das Auswärtige Amt war eine verbrecherische Organisation", sagt der Kommissionsleiter, der Marburger Historiker Eckart Conze, 47, im SPIEGEL-Gespräch. "Es funktionierte als Institution des nationalsozialistischen Regimes vom ersten Tag an und hat die nationalsozialistische Gewaltpolitik zu jeder Zeit mitgetragen."

Nach 1945 habe das Amt eine "hohe personelle Kontinuität mit teils schwer belasteten Diplomaten" aufgewiesen. Die Studie soll kommende Woche in Berlin vorgestellt werden. "Das ist der Nachruf, den die Herren verdienen", sagt Fischer im Hinblick auf die seinerzeitige Auseinandersetzung mit ehemaligen Diplomaten. Sein Nachfolger, der derzeitige SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, findet es "unglaublich", dass bis zu einer systematischen Aufarbeitung fast 60 Jahre vergangen seien.

Amtsinhaber Guido Westerwelle hält die Studie für ein "gewichtiges Werk" und einen bedeutenden "Beitrag zur Selbstvergewisserung des Amts". Der Liberale will das Buch in die Attaché-Ausbildung einbeziehen und nun die Traditionspflege des Hauses überarbeiten.