Stuttgart 21 Gegner stürmen Bahnhofs-Baustelle

Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 haben eine Baustelle im Schlossgarten besetzt. Die Initiative "Parkschützer" nannte das ein wichtiges Signal: "Der Widerstand lebt." Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, mehrere Beamte wurden verletzt.
Stuttgart-21-Baustelle: Niedergerissene Zäune

Stuttgart-21-Baustelle: Niedergerissene Zäune

Foto: dapd

Stuttgart - Dieses Mal blieb es nicht bei einem reinen Protestzug gegen das Bahnprojekt. Nach der traditionellen "Montagsdemonstration" stürmten mehrere hundert Stuttgart-21-Gegner eine Baustelle. Sie rissen die Zäune zum geplanten Grundwassermanagement für den Tiefbahnhof nieder. Einige Aktivisten besetzten die Wassertanks auf dem Gelände im Schlosspark hinter dem Hauptbahnhof. In Sprechchören forderten die Gegner eines unterirdischen Bahnhofs den Rücktritt von Bahnchef Rüdiger Grube.

Bei der Demonstration wurden am Montagabend neun Polizisten verletzt. Acht Beamte hätten durch einen Sprengkörper ein Knalltrauma erlitten, sagte ein Polizeisprecher. Ein Zivilbeamter sei zusammengeschlagen worden, als er Personalien von Aktivisten feststellen wollte. Er habe schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen erlitten. Die Polizisten würden im Krankenhaus behandelt. Die Polizei war mit einem Großaufgebot angerückt, zunächst aber nicht eingeschritten.

In der Nacht nahm die Polizei knapp ein Dutzend Demonstranten in Gewahrsam. Die Aktivisten waren am Abend nach der Besetzung einer Baustelle am Grundwassermanagement auf das Dach des Betriebsgebäudes geklettert. Ob sie das Dach nach mehreren Stunden freiwillig wieder räumten oder von Einsatzkräften dazu gedrängt wurden, konnte ein Polizeisprecher nicht sagen. Auch die Gesamtzahl der Festgenommenen war unklar.

"Es ist ein Zeichen, dass der Widerstand lebt"

Zuvor hatten nach Angaben der Polizei rund 3000 Menschen gegen das 4,1 Milliarden Euro teure Bahnvorhaben demonstriert. Auf einer Kundgebung hatten die Projektgegner insbesondere kritisiert, dass für die geplante größere Entnahme von Grundwasser noch keine Genehmigung vorliege.

Die Initiative "Parkschützer" hat die Besetzung einer Baustelle des umstrittenen Bahnprojekts als wichtiges Signal gewertet. "Es ist ein Zeichen, dass der Widerstand lebt", sagte "Parkschützer"-Sprecher Matthias von Herrmann am Montagabend in Stuttgart.

Ein "Stuttgart 21"-Sprecher kritisierte die Besetzung der Baustelle scharf. "Es handelt sich ganz bestimmt nicht mehr um zivilen Ungehorsam. Aus meiner Sicht ist es nur noch kriminell", sagte er. Eine solche Besetzung lasse sich nicht mehr mit dem Demonstrationsrecht rechtfertigen.

Sitzstreik am Vormittag

Am Mittag hatte die Bahn begonnen, Stützen zu installieren, auf denen ein 17 Kilometer langes Rohrsystem von der Baugrube zu den sogenannten Versickerungsbrunnen montiert werden soll. Zuvor hatte die Polizei eine Sitzblockade aufgelöst. Bis zu 100 Menschen hatten nach Angaben der Polizei mehreren Baufahrzeugen die Einfahrt zur Baustelle am Hauptbahnhof verwehrt. Ein Großteil der S21-Gegner folgte dem Aufruf der Polizei, die Einfahrt am Südflügel zu räumen. Acht Demonstranten widersetzten sich, wurden weggeführt und angezeigt. Ein Polizeisprecher sagte, der Einsatz sei "insgesamt ruhig und besonnen" abgelaufen.

Die Bahn hatte die Bauarbeiten vor kurzem nach fast drei Monaten Pause wieder aufgenommen - ungeachtet von Forderungen, diese mindestens bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse des Stresstests zur Kapazität der geplanten unterirdischen Station Mitte Juli ruhen zu lassen.

ler/ulz/dpa/dapd
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