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Schuhwurf auf Kretschmann: Espadrillo im Gesicht

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Stuttgart-21-Konflikt Protestler bewerfen Kretschmann mit Schuhen

Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat den Zorn der Stuttgart-21-Gegner beinahe am eigenen Leib erfahren: Gegner des Bahnhofsprojekts bewarfen den Politiker aus Protest gegen den Weiterbau mit Schuhen. Getroffen wurde nur sein Bodyguard.

Stuttgart - "Der Islam gehört zu Deutschland" hatte Bundespräsident Christian Wulff in seiner Antrittsrede gesagt - und ausnahmsweise Weitsicht bewiesen. Er selbst musste am vergangenen Wochenende erdulden, dass durch und durch deutsche Bürger vor dem Schloss Bellevue gegen sein Verhalten in der Hauskredit-Affäre demonstrierten - und ihm dabei mit hoch in die Luft gehaltenen Schuhen wütend drohten, als wären sie ein aufgebrachter Mob in den Straßen Kairos oder Bagdads.

Denn der zum Protest erhobene Schuh ist eine bisher vor allem im arabischen Raum gängige Missfallensbekundung: Das Schuhwerk gilt Muslimen, ebenso wie Füße, als im Höchstmaße unrein, folglich kommt die Drohung mit der Sandale oder Schlappe einer Geste ärgster Verachtung und Beleidigung gleich. Und diese aus dem islamischen Raum importierte Kulturhandlung hält offenbar verstärkt Einzug in deutsche Demonstrationsgebräuche.

Das erfuhr der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Samstag beinahe am eigenen Leib. Vor Beginn des Neujahrsempfangs in der Landeshauptstadt Stuttgart schlug dem Politiker der Zorn einiger Hundert Stuttgart-21-Gegner entgegen. Die Demonstranten warfen mit Schuhen nach Kretschmann, als dieser in Begleitung von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) aus dem Neuen Schloss auf sie zu kam.

Kretschmann selbst wurde nicht getroffen, aber dafür landete eines der Wurfgeschosse, glücklicherweise nur ein vergleichsweise weicher Freizeitschuh, im Gesicht eines seiner Bodyguards. Mehrere Protestler hatten zuvor Schuhe in die Luft gehalten. Die Demonstranten, Gegner des umstrittenen Stuttgarter Bahnhofsneubaus, empfingen den Grünen-Politiker außerdem mit "Kretschmann weg"-Rufen.

Der 63-Jährige sprach trotz der unfeinen Attacke kurz mit den Projektgegnern, bevor er rund 800 Ehrenamtliche im Schloss empfing. Zu demonstrieren sei ihr gutes Recht, sagte er. In einer Demokratie seien nie alle einer Meinung. Die Bevölkerung habe aber bei der Volksabstimmung für den Weiterbau von Stuttgart 21 entschieden, die Landesregierung sei an Recht und Gesetz gebunden. Der Südflügel des Bahnhofes soll demnächst abgerissen werden.

Der Sprecher der Protestler-Organisation "Die Parkschützer", Matthias von Herrmann, sagte, die Demonstration sei eine Botschaft an Kretschmann, dass die Gegner des Projekts so lange auf die Straße gingen, bis er sein Wahlversprechen erfülle und alles zur Verhinderung von Stuttgart 21 unternehme.

Mit einem Großaufgebot hatte die Polizei in der Nacht zu Freitag Blockaden von Stuttgart-21-Gegnern vor dem Hauptbahnhof aufgelöst. Der Einsatz verlief völlig friedlich und ohne Schuhwürfe.

bor/dapd
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