Südostasien Deutsche Forscher sollen Tsunami-Frühwarnsystem entwickeln

Das Tsunami-Frühwarnsystem für Südasien soll nach einem Vorschlag von Bundesforschungsministerin Bulmahn nach deutschen Plänen aufgebaut werden. Fachleute eines Forschungszentrums in Potsdam haben ein Konzept entwickelt, wonach ein Warnsystem in ein bis drei Jahren einsatzfähig sein könnte. Kostenpunkt: 40 Millionen Euro.


Flutwelle in Thailand: Frühwarnsystem hätte Leben retten können
AFP

Flutwelle in Thailand: Frühwarnsystem hätte Leben retten können

Berlin - Die Ministerin will das am Potsdamer Geo-Forschungs-Zentrum (GFZ) entwickelte Konzept auf den internationalen Krisenkonferenzen vorstellen, sagte Edelgard Bulmahn der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das Projekt würde rund 40 Millionen Euro kosten. Das GFZ solle für die Koordination zuständig sein. Das GFZ-Konzept sehe vor, dass zunächst 30 bis 40 Beobachtungsstationen in Südostasien aufgebaut würden, die mit dem Internet verbunden seien. Derzeit erhält das GFZ Daten aus weltweit 50 solchen Stationen, davon allerdings wenige in der Region des Indischen Ozeans. Später sei ein Ausbau auf rund 250 Stationen angestrebt.

Bulmahn sagte, bei einem Beben werde automatisch eine Erdbebenmeldung im Internet veröffentlicht. Gleichzeitig würden automatisch E-Mails und Handy-Kurzmeldungen (SMS) an alle angeschlossenen Nutzer verschickt. Als Nutzer könnten sich nicht nur Verwaltungen oder Forschungseinrichtungen registrieren lassen, sondern auch Hotels oder Privatpersonen. "Das ist das weltweit schnellste System", sagte Bulmahn. Mittelfristig müsse das Frühwarnsystem auch auf den Mittelmeerraum und den Atlantik ausgedehnt werden. "Auch die griechische und die türkische Küste sind ein hochgefährdetes Erdbebengebiet", sagte sie.

Der internationale Fluthilfe-Gipfel im indonesischen Jakarta hatten sich die Vertreter von 26 Staaten und Organisationen am Donnerstag für den Aufbau eines Frühwarnsystems im Indischen Ozean ausgesprochen. Ein Tsunami-Warnsystem existiert bereits im Pazifischen Ozean, wo oft solche Flutwellen auftreten.

Seismologen hatten das schwere Beben im Indischen Ozean vor Indonesien am zweiten Weihnachtstag registriert und auch die Entstehung einer Flutwelle befürchtet. Bis zu deren Eintreffen an den Küsten vergingen teilweise mehr als zwei Stunden, so dass die Menschen an Küsten hätten informiert werden können. Durch die Flutwelle starben in Indien, Thailand, Sri Lanka, Indonesien und weiteren Anrainerstaaten des Indischen Ozeans über 150.000 Menschen, darunter viele ausländische Touristen.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.