Susanne Hennig-Wellsow Designierte Linkenchefin will Partei aufs Regieren im Bund vorbereiten

Susanne Hennig-Wellsow wird in wenigen Tagen wohl die Führung der Linken übernehmen. Die Jahrzehnte als reine Oppositionspartei sollen dann vorbei sein – die designierte Chefin hat schon ein bestimmtes Bündnis im Blick.
Susanne Hennig-Wellsow – noch Landesvorsitzende der Linken in Thüringen, bald Chefin auf Bundesebene

Susanne Hennig-Wellsow – noch Landesvorsitzende der Linken in Thüringen, bald Chefin auf Bundesebene

Foto: Michael Reichel/dpa

In wenigen Tagen wählt die Linkspartei auf ihrem mehrfach verschobenen Parteitag zwei neue Vorsitzende – dann wollen die Genossinnen und Genossen endlich in den Wahlkampf starten. Geht es nach einer der designierten Chefinnen, Susanne Hennig-Wellsow, soll das Ziel eine Regierungsbeteiligung im Herbst sein. »Wir müssen vorbereitet sein, sollte sich das Fenster zu einer Regierungsbeteiligung in diesem Jahr öffnen. Wir sollten vor einer solchen Möglichkeit nicht erschrecken«, sagte Hennig-Wellsow der Nachrichtenagentur dpa in Erfurt. »Mein Ziel ist eine Bundesregierung ohne CDU – am liebsten eine grün-rot-rote. Ich werbe dafür, uns regierungsbereit zu machen.«

Linke bereiten sich auf rein weibliche Doppelspitze vor

Die 43-jährige Hennig-Wellsow, die seit mehr als sechs Jahren die Linke in Thüringen als Regierungspartei managt, tritt am Samstag zusammen mit der hessischen Fraktionsvorsitzenden Janine Wissler für die Parteispitze auf einem Onlineparteitag an. Bei einem Erfolg würde eine weibliche Doppelspitze das bisherige Führungsduo Katja Kipping und Bernd Riexinger nach fast neun Jahren ablösen. Aussichtsreiche Gegenkandidaten gibt es nicht. Die Linke wäre dann die erste große Partei in Deutschland mit einer rein weiblichen Doppelspitze.

Im Gegensatz zu Wissler, die eine Regierung von Grünen, SPD und Linkspartei für eher unwahrscheinlich hält, sagte Hennig-Wellsow, ihr Ziel sei, die Linke auf eine Regierungsbeteiligung vorzubereiten. Gemeinsamkeiten gebe es mit Grünen und SPD beispielsweise in der Klimapolitik sowie bei sozialen Themen wie Grund- und Bürgerversicherung. Sie stehe für eine »radikale Realpolitik«.

Mehr Kontrolle über die Bundestagsfraktion

Ihr sei klar, dass eine Regierungsbeteiligung auf den ersten Blick unrealistisch klinge. Ihre Erfahrung in Thüringen, wo die Linke mit Bodo Ramelow seit 2014 den Ministerpräsidenten stellt, besage aber: »Wer nicht zeigt, dass er regieren will, der wird das auch nie schaffen.« Hennig-Wellsow verwies auf die Regierungserfahrung der Linken auch in anderen ostdeutschen Bundesländern. Zu Umfragen, wonach es für Grün-Rot-Rot keine Mehrheit gibt, sagte sie: »Das Parteiensystem ist sehr volatil. Es wird spannend zu sehen, was passiert, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bühne verlässt.«

Im Fall ihrer Wahl will Hennig-Wellsow ihre Ämter als Landes- und Fraktionsvorsitzende abgeben. Sie strebe eine Kandidatur für den Bundestag an, sagte sie. Als Konsequenz aus jahrelangen Grabenkämpfen wolle sie den Einfluss der Parteispitze auf die Bundestagsfraktion stärken. »Die Menschen wählen die Partei. Und die Partei steht bei den Menschen im Wort«, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Mittwoch). »Daher ist es auch die Partei, die die Richtung unserer Politik im Bundestag bestimmt.« In der Vergangenheit hatte es in Berlin häufig Reibereien zwischen Partei- und Fraktionsvorsitzenden der Linken gegeben.

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