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08. März 2017, 17:45 Uhr

Syrien

Hunderte Deutsche auf Fahndungsliste des Assad-Regimes

Syrische Geheimdienste haben nach einem Medienbericht mehr als 500 Deutsche im Visier. Besonderes Augenmerk scheint das Regime auf Journalisten zu legen.

Die syrische Regierung hat nach einem Bericht des NDR Hunderte Deutsche in einer geheimen Fahndungsdatei erfasst.

In der Datenbank, die der Sender gemeinsam mit der syrischen Oppositionsplattform "Zaman al-Wasl" ausgewertet hat, seien mehr als 500 Deutsche aufgelistet, darunter Politiker, Wissenschaftler und Journalisten. Die Behörden haben für sie demnach Beobachtungsvermerke angelegt sowie Einreisesperren oder gar Haftbefehle erlassen.

Insgesamt umfasst die Datenbank dem Bericht zufolge rund 1,6 Millionen Einträge mit Menschen aus 152 Nationen. Dem NDR liegen nach eigenen Angaben die Listen der deutschen, britischen und französischen Staatsangehörigen vor. Die syrische Regierung äußerte sich nicht zu der Datenbank. Sie ließ eine Bitte des Senders um eine Stellungnahme unbeantwortet.

Der überwiegende Teil der Einträge stamme von den diversen Geheimdiensten des Landes. Besonderes Augenmerk legen die syrischen Geheimdienste demnach auf Journalisten.

Der Filmemacher Marcel Mettelsiefen bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass sein Name auf der Schwarzen Liste steht. Einer der Hauptgründe seien vermutlich seine Kontakte zu einem syrischen Aktivisten, der 2012 in Aleppo von den Regierungstruppen gefangen genommen worden sei. Auf dessen beschlagnahmten Laptop habe sich Material befunden, auf dem auch Mettelsiefen zu sehen gewesen sei. Im syrischen Staatsfernsehen wurde Mettelsiefen nach eigenen Angaben später namentlich als "Spion Israels" erwähnt.

"Schon immer" habe man in Syrien das Gefühl gehabt, "beobachtet und verfolgt zu werden", sagte Mettelsiefen, der bei den diesjährigen Oscars mit seinem Kurzdokumentarfilm "Watani: My Homeland" über eine nach Deutschland geflohene syrische Familie nominiert war. Der Journalist, der auch für den SPIEGEL in Syrien im Einsatz war, hat das Land seit 2014 nicht mehr besucht.

asa/AFP

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