Syrienkonflikt Die Mehrheit der Deutschen gegen Luftschläge der westlichen Allianz

Die Bundesregierung befürwortet den Luftangriff von den USA, Großbritannien und Frankreich auf syrische Einrichtungen. Die deutsche Bevölkerung sieht das laut einer SPON-Umfrage anders.
Demonstranten protestieren vor dem Weißen Haus gegen einen Krieg mit Syrien

Demonstranten protestieren vor dem Weißen Haus gegen einen Krieg mit Syrien

Foto: Carolyn Kaster/ dpa

Der mutmaßliche Giftgasangriff auf die Stadt Duma, der auch nach Auffassung der Bundesregierung vom syrischen Regime begangen wurde, hat den Westen unter Zugzwang gesetzt. Wie reagieren? Was ist die richtige Antwort? Nach Meinung der Mehrheit der deutschen Bevölkerung zumindest nicht das Vorgehen der USA, von Großbritannien und Frankreich, die in der Nacht zum Samstag mehrere strategische Ziele in Syrien mit Marschflugkörpern angegriffen haben.

Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von SPIEGEL ONLINE und dem Meinungsforschungsinstitut Civey hervor. Demnach lehnen 59,9 Prozent das Vorgehen der amerikanischen, britischen und französischen Regierungen ab oder eher ab. 30,8 Prozent der Befragten stimmen dem zu oder eher zu. 9,3 Prozent sind unentschieden.

Die amerikanischen, französischen und britischen Streitkräfte hatten als Reaktion auf den Giftgasangriff nach derzeitigem Stand mehr als 100 Marschflugkörper von US-Zerstörern, U-Booten und britischen Kampfjets abgefeuert. Verglichen mit dem Luftangriff der USA im vergangenen Jahr war dieser nun weit massiver. Das zeigt sich auch an Umfrageergebnissen: Damals war die deutsche Bevölkerung gespalten. Laut einer Umfrage von SPIEGEL ONLINE und Civey aus dem Jahr 2017 stimmten 42,5 Prozent dem damaligen Angriff der USA zu oder eher zu, 43,5 Prozent lehnten ihn ab oder eher ab.

Nun wurden mehrere Ziele angegriffen und im Vergleich gut doppelt so viele Marschflugkörper abgeschossen. Dennoch wurde der jetzige Schlag von Militärexperten, darunter hochrangigen Nato-Generälen, als "moderat und bedacht" gewertet. Die Luftangriffe richteten sich ausschließlich gegen das Chemiewaffenprogramm des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Am deutlichsten sind die Ergebnisse bei Anhängern der Linkspartei und der AfD. 69,6 Prozent derjenigen, die angeben, der Linkspartei nahezustehen, lehnen das Vorgehen ab oder lehnen es eher ab. Bei AfD-nahen Wählern liegt die Quote noch höher: 76,3 Prozent sind der Meinung, dass der militärische Eingriff der USA, Großbritannien und Frankreich eher nicht richtig oder auf keinen Fall richtig war. Die Unions-nahen Wähler sind gespalten: 43,3 Prozent der Befragten halten das Vorgehen für eher richtig oder richtig. 46,2 Prozent sind aber dagegen.

Auch die Meinungen in Ost- und Westdeutschland gehen auseinander. Dreiviertel der Befragten im Osten sind gegen die Luftangriffe. Zum Vergleich: 50,7 Prozent derjenigen, die in Westdeutschland leben, haben angegeben, gegen oder eher gegen die Vorgehensweise der westlichen Allianz zu sein.

Nach ihren Angriffen haben die Regierungen der USA, Großbritannien und Frankreich nun eine neue diplomatische Initiative im Uno-Sicherheitsrat gestartet und eine Resolution zu dem Bürgerkriegsland vorgelegt. Der von Frankreich verfasste Entwurf, der der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, schlägt nach Angaben der Agentur die Schaffung eines "unabhängigen Mechanismus" zur Untersuchung des mutmaßlichen Chemiewaffenangriffs in Duma vor. Dadurch solle unter anderem die Verantwortlichkeit für den Angriff geklärt werden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

höh/AFP/dpa
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