Syrienoffensive der Türkei Tausende Kurden protestieren in Deutschland

Der Einmarsch türkischer Truppen in Syrien richtet sich gegen die kurdische YPG-Miliz und trifft auch kurdische Zivilisten. Ihren Protest gegen die Offensive haben nun Kurden in mehreren deutschen Städten auf die Straße getragen.

Demonstranten in Hamburg: Fahnen der YPG - Ankara sieht in der kurdischen Miliz einen Ableger der verbotenen PKK
Axel Heimken/DPA

Demonstranten in Hamburg: Fahnen der YPG - Ankara sieht in der kurdischen Miliz einen Ableger der verbotenen PKK


Die Türkei hat in dieser Woche ihre Offensive in Nordsyrien begonnen und damit international für Kritik gesorgt. In mehreren deutschen Städten fanden nun Kundgebungen von Kurden statt, die ein Ende der Militäroperation forderten.

Allein in Köln schlossen sich Schätzungen zufolge mehr als zehntausend Menschen einem Protestmarsch an. Dabei forderten die überwiegend kurdischen Demonstranten den Abzug der türkischen Truppen aus Nordsyrien und verurteilten das Vorgehen von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Die Demonstranten hielten auf ihrem Marsch durch den Stadtteil Deutz zahlreiche Fahnen in den kurdischen Nationalfarben in die Höhe. Aus der Menge wurde immer wieder skandiert, Erdogan sei ein "Terrorist". "Keine deutschen Waffen für Erdogans Machenschaften", hieß es auf Transparenten. Die Demonstration verlaufe bislang weitestgehend störungsfrei und friedlich, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften vor Ort, um mögliche Auseinandersetzungen mit Erdogan-Anhängern zu unterbinden.

Polizei warnt vor Verwendung von PKK-Symbolen

Auch in Berlin und Hamburg gab es Proteste. In Frankfurt am Main zählten die Polizei fast 4000 Teilnehmer. "Schluss mit dem Massaker in Rojava" und "Hände weg von Rojava", skandierte die aufgebrachte Menge. Sie forderte politischen Druck Deutschlands auf Erdogan. "Ab heute wird es keine ruhige Minute mehr für diese Bundesregierung geben", sagte ein Redner. Die Polizei warnte die Teilnehmer davor, Symbole der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK oder Bilder des Anführers Abdullah Öcalan zu zeigen.

Ziel der am Mittwoch begonnenen Offensive ist die Kurdenmiliz YPG, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei und damit eine Terrororganisation. Sie will entlang der Grenze eine sogenannte Sicherheitszone einrichten und dort auch syrische Flüchtlinge ansiedeln, die derzeit in der Türkei leben.

Der Regierung in Ankara zufolge haben türkische Truppen die syrische Grenzstadt Ras al-Ain erobert. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London dementierte das. Türkische Streitkräfte und ihre Verbündeten seien zwar in Ras al-Ain, in dem Ort werde aber weiter gekämpft.

Bundesregierung setzt Waffenlieferungen aus

Die Bundesregierung hat die Offensive scharf kritisiert und ein Ende der Operation gefordert. Einem Bericht der "Bild am Sonntag " zufolge sollen Waffenlieferungen an die Türkei vorerst ausgesetzt werden.

asc/dpa

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