SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

12. Februar 2016, 12:47 Uhr

Krieg in Syrien

Russland-Lob von Ex-Bundeswehrgeneral irritiert Berlin

Harald Kujat, der Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr, hat Russlands Bombenkrieg in Syrien gelobt. In der Bundesregierung heißt es, die Äußerungen gehörten "in Talk-Shows", politisch seien sie nicht ernst zu nehmen.

Die lobenden Worte für Russland des früheren Generalinspekteurs der Bundeswehr, Harald Kujat, sind in der Bundesregierung mit Kopfschütteln aufgenommen worden. "Darauf verwenden wir keine Zeit", heißt es aus dem Umfeld von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Die plakativen Thesen des früheren Top-Generals hätten "ihren Platz in Talk-Shows", aber nicht auf der ernsthaften politischen Bühne, so die Kritik.

Kujat hatte die Rolle Russlands im Syrien-Konflikt gelobt. "Die Russen haben mit ihrem militärischen Eingreifen den Friedensprozess erst ermöglicht", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Weder die Amerikaner noch die Europäer hatten eine Strategie für ein friedliches Syrien und waren auch nicht bereit, sich massiv zu engagieren. Die Russen haben es gemacht und damit ein Fenster für eine politische Lösung aufgestoßen", so der Ex-Bundeswehrgeneral.

Russland hatte Ende September angefangen, Luftangriffe in Syrien zu fliegen. Sie richten sich gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), aber auch gegen Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Bei den Einsätzen der russischen Luftwaffe sollen nach Darstellung von Amnesty International Tausende Menschen ums Leben gekommen sein, darunter Hunderte Zivilisten.

Ein Ende des Bürgerkriegs in Syrien ist bisher nicht in Sicht. Kujat widersprach im Interview der Vermutung, der russische Präsident Wladimir Putin habe mit den Bombardements in Aleppo gezielt versucht, die Lage zu verschärfen. Russland gehe in Syrien vielmehr nach einem strategischen Plan vor: "Putins Ziel lautet, den Vormarsch der syrischen Truppen in Richtung IS-Gebiet zu unterstützen. Aleppo ist auf diesem Weg bisher wie ein Sperrriegel gewesen, weil die Stadt von der syrischen Opposition gehalten wurde."

Seit Wochen bombardieren russische Kampfflugzeuge Aleppo. Es soll dort keine reguläre Wasserversorgung mehr geben, Gebäude sind zerstört, Zehntausende Menschen auf der Flucht. Der Westen kritisierte die Angriffe scharf: Moskau spiele damit dem IS direkt in die Hände, sagte der US-Sonderbeauftragte für den Kampf gegen die IS-Miliz, Brett McGurk.

vek/mgb/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung