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03. Oktober 2018, 19:57 Uhr

Tag der Deutschen Einheit

Naher Osten, ferner Osten

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Bei den Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit geben sich die Spitzen des Staates alle Mühe, den Osten in Schutz zu nehmen. Dumm nur, dass sie über ihn reden wie über ein fremdes Land.

Was die Redner bei und um die zentrale Feier zur Deutschen Einheit versuchen, lässt sich nur als psychologischer Aufbau Ost beschreiben. Oder der Versuch dessen.

Tenor: Mit großem Mut, Entschlossenheit und unter größten Risiken haben die Ostdeutschen die Einheit erst möglich gemacht. Das Lob für die Bürger der ehemaligen DDR bezogen die Redner natürlich nicht nur auf die friedliche Revolution von 89/90. Auch die Leistungen in den Folgejahren bis in die Gegenwart wurden immer wieder anerkennend erwähnt.

Drei Beispiele:

Ja, das gehört zu fast jeder Einheitsfeier, zu jeder Doku über die Wende, zu jeder Rede eines Würdenträgers. Aber nach Chemnitz und Köthen wirkt es, als würden die Spitzenpolitik versuchen, das Image Ostdeutschlands aufzupolieren.

Vielleicht ist das ja auch nötig. Es ist ja kaum möglich, sich in den sozialen Netzwerken anzumelden, ohne dass einem die Frage dutzendfach entgegenschlägt: "Was ist eigentlich falsch, mit denen da drüben?"

Ein bisschen wirkt es aber, als würden die Redner über ein fremdes Land sprechen. Und manchmal ist es halbherzig, etwa wenn Müller fordert, dass man den Rechten in Deutschland Einhalt gebieten müsse und im selben Atemzug betont, dass Rechtspopulismus "keine Frage zwischen Ost und West" sei.

Widerstand gegen Rechtspopulismus

Wohl aber auch mit Blick auf die jüngsten Kundgebungen von Rechten in Chemnitz, mahnte Müller zu mehr Widerstand gegen Populisten. "In unserem Land muss niemand, um Kritik zu äußern, mit Rechtspopulisten und Rechtsextremen mitlaufen", sagte Müller und betonte: "Wir sind eine wehrhafte Demokratie." Ähnlich mahnende Worte fand auch Wolfgang Schäuble.

Der Bundestagspräsident war der zweite Redner beim offiziellen Festakt in der Staatsoper. Schäuble gilt als Architekt der Wiedervereinigung, er hat am Einheitsvertrag mitgewirkt.

In seiner Ansprache mahnte er zu mehr Gelassenheit. Gleichzeitig warnte er, Minderheiten und Volksvertreter zum Feindbild zu machen. Obwohl es Deutschland gut gehe, dominiere der Pessimismus. Hilfe für Flüchtlinge und andere Migranten sei wichtig und richtig, aber nicht unbegrenzt möglich. Deshalb müsse man lernen, mit dem Nicht-Perfekten zu leben. "Wer das Perfekte anstrebt, endet in der Diktatur."

Während der Festakt sich nach etwa anderthalb Stunden in der Staatsoper dem Ende neigte, versammelten sich etwa zeitgleich die ersten Teilnehmer einer rechten Kundgebung wenige Kilometer weiter am Europaplatz. Aufgerufen hatte das Bündnis "Wir für Deutschland" zu der Demonstration mit dem Motto "Tag der Nation". Beobachtern zufolge gaben sich zahlreiche Teilnehmer durch einschlägige Szenecodes als Neonazis zu erkennen.

Nach Angaben der Polizei haben sich mehr als tausend Menschen der Demonstration angeschlossen haben. Sie haben demnach Plakate und Flaggen dabei gehabt, jedoch keine illegalen Symbole verwendet, sagte ein Sprecher der Polizei.

Zu Zwischenfällen sei es demnach zunächst nicht gekommen. Woher die überwiegend jungen Männer, die an der Kundgebung teilgenommen haben, angereist sind, ist unklar. Im Netz wird allerdings wieder über den "braunen Osten" gelästert.

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