Tag der Deutschen Einheit "Wir müssen alte Streitigkeiten hinter uns lassen"

Bei der Feier zum Jahrestag der Deutschen Einheit hat Kanzlerin Merkel die Deutschen zu mehr Zusammenhalt aufgerufen: Es sei Zeit für eine "gemeinsame Gestaltung der Zukunft". Mit einer Puppen-Parade feierten Hunderttausende Menschen in Berlin.

DPA

Berlin/Saarbrücken - Mit Gottesdiensten, Feierlichkeiten und einer Puppen-Parade wird in ganz Deutschland an den Tag der Deutschen Einheit erinnert. Hunderttausende Menschen feiern in Berlin, Zehntausende Gäste sind seit Freitag auf dem Bürgerfest in Saarbrücken zusammengekommen, wo in diesem Jahr die zentrale Zeremonie stattfindet. Bislang haben die Behörden keine Zwischenfälle gemeldet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erinnerte in Saarbrücken an den Einsatz der DDR-Bürger für den Mauerfall. Die Wiedervereinigung, die durch den Mut Tausender Deutscher möglich geworden sei, habe gezeigt, welche Kraft in dem Volk stecke. Die Einheit sei aber nicht vom Himmel gefallen: "Sie ist das Ergebnis von Mut, Entschlossenheit und Zivilcourage."

Dieses Engagement bezeichnete Merkel auch als Vorbild zur Überwindung der aktuellen Krise. "Wir brauchen eine permanente produktive Unruhe, so wie wir sie 1989 erlebt haben", sagte Merkel beim zentralen Festakt in der Saarbrücker Congresshalle. Die Deutschen müssten alte Streitigkeiten hinter sich lassen, betonte sie mit Blick auf die immensen Herausforderungen und die gewaltige Staatsverschuldung. Bürger, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Verbände sollten gemeinsam an Lösungen arbeiten - und weniger gegeneinander.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Saarbrücker Ludwigskirche haben am Samstag die offiziellen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit begonnen. An dem Gottesdienst unter dem Motto "Ohne Mauern leben - 20 Jahre später" nahmen auch Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie der amtierende Bundesratspräsident Peter Müller (beide CDU) teil.

In Berlin tanzen die Puppen

In Berlin begleiteten Tausende Menschen zwei riesige Marionetten durch Berlin. Der 15 Meter hohe Große Riese und die Kleine Riesin mit siebeneinhalb Meter Höhe sollen sich am Nachmittag aus Ost und West kommend am Brandenburger Tor treffen und nach langer Trennung in die Arme fallen. Damit erinnern die Figuren der französischen Compagnie "Royal de Luxe" symbolisch an den Mauerfall vor 20 Jahren.

Der mit einem Taucheranzug bekleidete Große Riese war am Vormittag vor rund 10.000 Zuschauern aus dem Wasser am Humboldthafen gestiegen. Im Ostteil der Stadt machte sich zur selben Zeit die Kleine Riesin auf den Weg vom Lustgarten über die Friedrichstraße Richtung Brandenburger Tor. Die aus Holz, Stahl und Schrott zusammengebauten, gigantischen Puppen sind erstmals in Deutschland zu sehen. In der Hauptstadt feiern die Menschen außerdem auf der traditionellen Festmeile auf der Straße des 17. Juni und am Brandenburger Tor mit Musik und Spezialitäten der Bundesländer gefeiert.

Am Abend werden Manuel Barroso, Michail Gorbatschow und Vaclav Havel in Berlin mit dem Quadriga-Preis ausgezeichnet. Auch der Musiker Marius Müller-Westernhagen und die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley gehören zu den Preisträgern.

Scharfe Sicherheitsmaßnahmen nach Terrordrohung

Angesichts mehrerer Terrordrohungen des islamistischen Terrornetzwerks al-Qaida haben die Behörden seit rund zwei Wochen die Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland verschärft. Die Einheitsfeiern seien bislang aber friedlich verlaufen, teilte die Berliner Polizei mit. Mehrere hundert Polizisten seien im Einsatz, hieß es. Auch in U- und S-Bahnen ist die Polizei verstärkt präsent. Die Festmeile ist umzäunt, an den Eingängen gibt es Kontrollen. Auch in Saarbrücken herrscht seit Beginn des Festes Sicherheitsstufe eins, zwischen 1000 und 1500 Polizisten sichern die Feierlichkeiten.

kgp/dpa/ddp/AP/Reuters



insgesamt 4376 Beiträge
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DJ Doena 27.08.2009
1.
Die Frage ist, ob das je ganz passieren wird. Großbritannien ist technisch gesehen auch ein Land, dennoch gibt es da die Waliser, die Schotten und eben die Engländer.
CMH 27.08.2009
2.
Zitat von sysopDie ökonomische Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland vergrößert sich wieder. Was ist nach der Wiedervereinigung schief gelaufen?
Wäre toll, wenn der sysop das anhand einer Quelle belegen könnte. Ich bin mir ziemlich sicher, letzte Woche in der FAZ einen Bericht gelesen zu haben, der das Gegenteil darstellte.
sysop 27.08.2009
3. # 3
Kommt gleich.
Reziprozität 27.08.2009
4.
Hmm, Tostedt zum Beispiel. Liegt aber suedlich der Elbe....
DJ Doena 27.08.2009
5.
Alles nördlich des Mains gehört ja auch zu Südschweden. ;-)
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