Tag der Entscheidung Seehofer rechnet mit der CSU ab

CSU-Vize Horst Seehofer will heute seine Entscheidung über seine politische Zukunft bekannt geben. Einem Zeitungsbericht zufolge hat er seinen Parteikollegen wegen des Gesundheitskompromisses mit der CDU deutlich die Leviten gelesen: Es seien "Giftmischer" unterwegs und der vorgestellte Kompromiss nicht finanzierbar.


Horst Seehofer: "Keine falschen Entscheidungen"
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Horst Seehofer: "Keine falschen Entscheidungen"

Frankfurt/Main - Seehofer hat sich im Streit um den Gesundheitskompromiss offenbar über "mangelnden Korpsgeist" innerhalb der Partei beklagt. Die "Leipziger Volkszeitung" zitierte Seehofer unter Berufung auf Parteikreise mit dem Satz: "Wie will eine solche Truppe jemals das Grundvertrauen zueinander gewinnen, das notwendig ist, um die Republik zu regieren." Weiter soll Seehofer demnach gesagt haben: "Giftbecher" würden herumgereicht, statt pfleglich miteinander umzugehen.

Unter Berufung auf führende CSU-Kreise berichtet das Blatt von weiteren harschen Worten des Politikers: "Wenn ständig diese Giftmischer unterwegs sind, dann schafft man genau dieses Klima nicht, das man braucht, wenn wir als Union ab 2006 den Karren ziehen wollen." Es stimme, dass die eigenen Leute immer Harmonie wollten. "Aber sie wollen auch keine falschen Entscheidungen", soll Seehofer hinzugefügt haben.

Seehofer lehnt den Kompromiss mit der Schwesterpartei CDU ab und hat angekündigt, bis zum CSU-Parteitag am Freitag über seine politische Zukunft zu entscheiden. Der Zeitung zufolge erteilte er dem Modell erneut eine Absage. Finanziell sei bei dem zwischen CDU und CSU vereinbarten Kompromiss "in jedem Fall das Hemd zu kurz", wird der Gesundheitsexperte wiedergegeben. "Man darf bei der Haushaltslage in der Union nicht den Eindruck erwecken, wir könnten alles auf einen Schlag stemmen - trotz der Maastrichter Stabilitätskriterien, trotz Rekordverschuldung und trotz unserer Verfassungsklage gegen den rot-grünen Haushalt."

CSU-Chef Edmund Stoiber betonte unterdessen, dass Seehofer mit sich selbst ausmachen müsse, ob er seine Ämter behalte. Stoiber sagte der "Stuttgarter Zeitung": "Wenn ein klares Votum des CSU-Parteitags zum Gesundheitskompromiss vorliegt, dann ist das letztlich seine persönliche Entscheidung. Ich arbeite jedenfalls gerne mit ihm zusammen. Aber das sind Entscheidungen, die er wohl mit sich selbst ausmachen muss."



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