Grass holt gegen Israel aus: "Gealtert und mit letzter Tinte"
Pressestimmen "Ach, Grass"
- "Der Tagesspiegel" (Berlin): "Ach, Grass . Zu fürchten ist, zu befürchten auch, dass sich hier einer um den Ruhm schreibt, wenigstens um den Ruf, dass er was zu sagen hätte. Weil er die Weisheit des Alters hätte. Oder weil er eine moralische Instanz wäre. So ist es nicht. Seine Worte sind ein Schlag gegen moralische Integrität. Weisheit spricht aus seinen Worten nicht; er wägt nicht, er weiß nicht. Was übrig bleibt? Das Alter. Und dass er Willy Brandt gut kannte. Und selbst das ist lange her."
- "Frankfurter Rundschau": "Was da angeblich gesagt werden musste, wäre besser ungesagt geblieben. Politisch ist es Unfug. Das Urteil über die literarische Qualität überlassen wir der Literaturkritik. Aber erklären kann wohl nur die Psychologie, warum ein alter Mann glaubt, "mit letzter Tinte" ein angebliches Tabu brechen zu müssen, das er sich und seiner Generation selbst auferlegt hat."
- "Berliner Zeitung": "Bombenangriffe auf Atomanlagen sind dennoch etwas völlig anderes als die Auslöschung eines Volkes durch den atomaren Erstschlag. Wenn der politische Lyriker Grass diesen Unterschied nicht kennt, liegt er mit seiner Analyse falsch. Wenn er den Unterschied kennt, ihn aber nicht macht, handelt er perfide."
- "Offenburger Tageblatt": "Günter Grass ein Antisemit, weil er Israel kritisiert? Weil dem deutschen Literaturnobelpreisträger die Zuspitzung des Atomkonflikts mit dem Iran nicht gefällt? Weil er der Meinung ist, dass auch Israels Atompotenzial international kontrolliert gehört? Die durch ein Gedicht ausgelöste Debatte hört sich nach einem schlechten Witz an. Ist aber tatsächlich ein typisch deutscher Reflex der veröffentlichten Meinung. Die offene Kritik an Israel gehört auch 67 Jahre nach Kriegsende in die Kategorie Tabubruch. Doch die deutsche Vergangenheit und der Holocaust sollten keine Gründe sein, zu schweigen. Im Gegenteil: Sie sind Verpflichtung die Stimme zu erheben, wenn sich Untolerierbares anbahnt."
- "Pforzheimer Zeitung": "Musste das wirklich gesagt werden? Stünde nicht der Name des deutschen Nobelpreisträgers unter dem Text, fast jede Redaktion hätte das Gedicht im Papierkorb endgelagert. Fakt ist, auch wenn es Grass auf üble Weise ins Gegenteil verdreht: Der iranische Präsident hat Israel mit Vernichtung bedroht; nicht umgekehrt, wie es Grass suggeriert. Dass der iranische Präsident obendrein den Holocaust leugnete, scheint den Dichter nicht zu tangieren. Grass hat ohnehin keine glückliche Figur mehr abgegeben, seit er sich zu seiner SS-Mitgliedschaft hat bekennen müssen. Im Bestreben, sich nun als streitbarer Aufklärer zu profilieren, hat er sich kläglich verrannt. So demontiert sich eine Geistesgröße selbst, was wirklich nicht sein muss."
- "Nürnberger Nachrichten": "Schon der Titel des fürchterlich aufgeblasen daherkommenden Alterswerks ist eine rechte Zumutung. "Was gesagt werden muss", heißt das Grass-Gedicht - "....was sich außer mir aber keiner traut", darf beziehungsweise soll der Leser da wohl ergänzen. Und schon ist die alte Stammtisch-Tonlage bestimmt, in der Kritik an Israel gerne angestimmt wird. Nach dem Motto der vermeintlich letzten Mutigen und Aufrechten: Leider darf man das als Deutscher alles gar nicht sagen. Wenn Grass in seiner offenbar grenzenlosen Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und öffentlicher Bedeutung jetzt mit Schmackes auch mal auf diese billige Blechtrommel haut, klingt das nur etwas schwülstiger."
- "Märkische Oderzeitung" (Frankfurt/Oder): "Was folgt, ist beherrscht von Furor und jenem Maß an Unbedingtheit, die der Literatur vielleicht frommt, den Literaten in der Politik aber schnell als unglückliche Figur erscheinen lässt. Die deutsche Einheit mochte Grass nicht, weil er die Teilung als gerechte Strafe für Ausschwitz hielt. Und nun ist Israel der Weltkriegstreiber Nummer eins. Dass der Iran zur Atombombe strebt - was natürlich unbewiesen bleibt, bis er sie hat - und der Holocaust-Leugner Ahmadinedschad sich öffentlich in Vernichtungsfantasien des jüdischen Staates ergeht, der bei einem erfolgreichen Angriff tatsächlich vernichtet wäre, erscheint als Nebensächlichkeit. Israel hat, weiß Gott, andere Kritiker und bessere Gedichte verdient."
- "Nordwest-Zeitung": "Grass hat nun denjenigen, die neben der Willkürherrschaft Ahmadinedschads und der Mullahs auch die Politik des israelischen Premiers Netanjahu zu Recht kritisieren, einen schlechten Dienst erwiesen. So hätte er sagen können, dass es Netanjahu mittlerweile gelungen ist, die Weltgemeinschaft mit Hilfe des Iran-Konflikts sehr geschickt vom weiter völkerrechtswidrigen Siedlungsbau der Israelis und vom Stillstand im Friedensprozess mit den Palästinensern abzulenken. Stattdessen behauptet er, Israel bedrohe das iranische Volk mit der Auslöschung. Das musste nicht gesagt werden. Es ist nämlich Kokolores."
- "Westdeutsche Zeitung" (Düsseldorf): "Schon der Titel 'Was gesagt werden muss' lässt wegen der Nähe zu Stammtisch-Parolen schaudern. Günter Grass wird zu Recht wegen seines Textes angegriffen. Es geht nicht darum, dass ein Deutscher nicht Israel kritisieren dürfte, sondern um seine klischeehafte und faktisch teilweise falsche Darstellung. Er hat sich, Deutschland und Israel geschadet. Auch wenn ihn echte Sorgen getrieben haben sollten, war das falsch."