Talk-TV im Feldlager Grüne verlangen Auskunft über Bundeswehr-Support für Kerner

Zu seinem Truppenbesuch in Afghanistan nahm Verteidigungsminister Guttenberg den TV-Talker Johannes B. Kerner mit, in Masar-i-Scharif zeichneten die beiden eine Show auf. Die Grünen wollen nun wissen, was das den Steuerzahler gekostet hat.

Kerner und Guttenberg in Masar-i-Scharif: Talkshow von der Front
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Kerner und Guttenberg in Masar-i-Scharif: Talkshow von der Front

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Berlin - Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele will wissen, was den Steuerzahler die Unterstützung der Bundeswehr für die Aufzeichnung, Vorbereitung und den Transport der TV-Journalisten für eine Talkshow während des Truppenbesuchs von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gekostet hat. In einer eiligen Anfrage verlangt Ströbele von den beiden parlamentarischen Staatssekretären im Verteidigungsministerium eine Antwort bis zum kommenden Donnerstag.

Hintergrund ist die Aufregung um die Reise Guttenbergs, die von der Opposition schon am Montag recht schrill kommentiert worden war. Neben der Kritik an der Begleitung des Ministers durch seine Gattin richtete sich der Zorn auch auf die Tatsache, dass Guttenberg den Talkmaster Johannes B. Kerner mit ins Krisengebiet genommen hatte. Kerner zeichnete in einem improvisierten Fernsehstudio im Bundeswehrlager eine Talkshow auf, in der Guttenberg neben Soldaten auftrat. Die Sendung, die SPIEGEL TV mitproduziert, wird am kommenden Donnerstag ausgestrahlt.

Die Fragen von Ströbele beziehen sich auf die Unterstützung des Kerner-Teams durch die Bundeswehr. Die Truppe hatte die Redakteure der Sendung vor der Aufzeichnung im Einsatzland durch den Pressestab bei ihren Filmaufnahmen von den Protagonisten der Einspieler unterstützt. Die Journalisten wurden dabei auch auf regulären Bundeswehrflügen mitgenommen. Daneben machte die Bundeswehr einen Hangar der US-Armee in Masar-i-Scharif leer, wuchtete als Kulisse für den TV-Talk für die Show einen Hubschrauber, einen Panzer-Jeep und eine Drohne hinein.

Ministerium sieht kein Problem

Neben dem Support vor der Sendung flogen sowohl Kerner als auch sein Team am Montag gemeinsam mit Guttenberg in einem Regierungs-Airbus erst nach Termez in Usbekistan und dann weiter nach Masar-i-Scharif und kehrten auch mit dem Minister nach Deutschland zurück. Ströbele will laut seiner Anfrage nun genau wissen, "welche Kosten für die öffentliche Hand dadurch verursacht" worden sind. Bei dem Team handelte sich um rund 15 Personen, darunter Kerner selber, Redakteure, Techniker und andere Kerner-Mitarbeiter.

Zusätzlich fordert der Grünen-Politiker in seiner Anfrage auch eine Erklärung des Ministeriums, ob die umfangreiche Unterstützung durch die Truppe tatsächlich einer "seriösen politischen Berichterstattung über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan" gedient habe. An der Eile ist zu erkennen, dass die Grünen den Trubel um den Truppenbesuch offenbar während der Debatte um den Afghanistan-Einsatz thematisieren wollen, bei der Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mit einer Regierungserklärung für die Fortführung des bisherigen Mandats werben wird.

Im Wehrressort wird die Anfrage gelassen betrachtet. Die Redaktion von Johannes B. Kerner hatte vor Wochen ganz offiziell beim Ministerium angefragt, hieß es, da sie gerne eine Sendung über die Mission der Bundeswehr vom Einsatzort direkt senden wollte. Natürlich wünschten sich die Fernsehmacher von Beginn an, dass sie den Minister selber für Sendung gewinnen könnten. Laut dem Ministerium bekam Kerner aber erst sehr spät eine definitive Zusage, da die Sendung terminlich mit dem bereits geplanten Weihnachtsbesuch zusammenfiel.

Journalisten fliegen kostenlos

Formal ist die Unterstützung für die Show kaum angreifbar. Seit jeher können Journalisten mit der Bundeswehr kostenfrei nach Afghanistan reisen und auch vor Ort auf Bundeswehrflügen mitfliegen, wenn dies den Betrieb nicht stört. Kerners Truppe wurde, so hieß es in Masar-i-Scharif, natürlich wohlwollend behandelt. Aufwendige Extrawürste wie Rundflüge für Panoramaaufnahmen seien indes nicht drin gewesen. Für die Fracht auf den Bundeswehrmaschinen, mehrere Container mit Technik, Licht und der Bühnenausstattung, mussten die TV-Macher bezahlen.

Dass Journalisten, wie jetzt die Truppe von Kerner, bei den Afghanistan-Besuchen der Verteidigungsminister umsonst mitreisen, ist ebenso üblich. Bei Fernsehteams gilt das auch für die Kameraleute und Techniker. Aus Ministeriumssicht dient dies der Berichterstattung über die Bundeswehr und die Mission der Truppe. Man dürfe nicht vergessen, heißt es zudem im Haus von Guttenberg, dass Ministerbesuche in den Camps immer schon Ressourcen der Bundeswehr gebunden haben - egal ob mit oder ohne eine Talkshow aus dem Einsatzland.

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