Bundestagswahl 2017 Al-Wazir für Prüfung von Schwarz-Grün auf Bundesebene

Der hessische Grüne Al-Wazir zeigt sich offen für eine schwarz-grüne Zusammenarbeit im Bund: Die größeren Unterschiede, sagte er dem SPIEGEL, machten das Regieren "verrückterweise manchmal einfacher".

Tarek Al-Wazir und Volker Bouffier
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Tarek Al-Wazir und Volker Bouffier


Der Grünen-Politiker Tarek Al-Wazir, Wirtschaftsminister in Hessen, empfiehlt seiner Partei, nach der nächsten Bundestagswahl eine Koalition mit der Union genauer zu prüfen. "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man mit Angela Merkel vernünftig reden kann", sagte Al-Wazir dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier das vollständige Interview mit Al-Wazir im neuen SPIEGEL.)

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Mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen nach der letzten Bundestagswahl kritisierte er: "Man darf nicht in Verhandlungen gehen und gleich den Wunsch ausstrahlen, dass sie doch bitte scheitern mögen."

Al-Wazir gehört der schwarz-grünen Landesregierung von Volker Bouffier (CDU) an. Zwar gebe es eine "zumindest gefühlte größere politische Nähe zur SPD", doch sei das Regieren mit der CDU "wegen der größeren Unterschiede verrückterweise manchmal einfacher", sagte Al-Wazir.

"Wenn hier eine Antidiskriminierungsstelle im Sozialministerium eingerichtet wird, ist jedem klar, dass das auf uns zurückgeht", sagt der Grünen-Politiker. "Und wenn wir neue Stellen beim Verfassungsschutz einrichten, wissen auch alle, dass das nicht die erste Priorität der Grünen war." Auch Ministerpräsident Bouffier hatte bereits im Gespräch mit dem SPIEGEL vor einer Festlegung auf die FDP als Koalitionspartner gewarnt. Er betonte, er arbeite gern mit den Grünen zusammen.

In Baden-Württemberg verhandeln Grüne und CDU derzeit über ein grün-schwarzes Regierungsbündnis. Im kommenden Jahr finden Bundestagswahlen statt.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
epiktet2000 01.04.2016
1. Torschlusspanik?
Nachdem Kretschmann mit einem kleinen Koalitionspartner CDU ja doch ein Coup gelungen ist, muss der kleine Koaltionspartner der CDU in Hessen wohl auf sich aufmerksam machen. Aber etwas wirklich Neues ist das nicht. Neu und interessant wäre gewesen, den Kretschmann als gemeinsames grün-schwarzes Projekt zum Bundespräsidentenkandidaten zu machen! Der erste grüne Bundespräsident! Und der Vorteil für die CDU: Sie wäre in Baden-Württemberg einen gefährlichen Gegner/Partner los. Denn wer auch immer Kretschmann nachfolgen würde, er hätte nicht dieses behäbige Charisma.
tigerloods 01.04.2016
2. Tschüß Grüne
Al Wazir wandelt auf dem Weg seines Vorgängers Joschka Fischer - letztlich geht es um die Macht, Prestige und die (auch finanzielle) Befriedigung des eigenen Egos. Ein sehr talentierter Rhetoriker und fraglos kluger Kopf. Und für mich DER Grund, bei der letzten Landtagswahl doch nochmal Grün gewählt zu haben. Doch damit habe ich meinen Teil dazu beigetragen, dass Bouffier MP bleibt. Sehr ärgerlich, aber ist mir eine Lehre gewesen. Die Grünen sind die neue FDP. Hauptsache in der ersten Reihe, wenn es um die Fleischtöpfe sprich gut dotierten Posten geht. Mit linker Politik - für die die Grün-Alternativen Jahrzehnte lang standen - hat das nun wirklich nichts mehr zu tun. Und es kommt nicht von ungefähr, wie demonstrativ die Grünen in den letzten Monaten Merkels (Flüchtlings-)Politik unterstützen: Im nächsten Bundestag will man zusammen mit der CDU von der Regierungsbank in den Plenarsaal hinunterlächeln.
wutbürger2010 01.04.2016
3. Jetzt also bundesweit eine sog. Kiwi-Koalition
Und nun soll auf einmal alles politisch zusammen passen dürfen, was früher nie zusammen passen konnte. Die Programme der Grünen und der CDU standen sich nahezu diametral gegenüber - und dies war auch gut so im Sinne des möglichen demokratischen Spektrums und der politischen Kultur in Deutschland. Und nun muss der Wähler erkennen, dass sich die etablierten Parteien sämtlich links der Mitte orientiert haben. Aber nicht alle Wähler wollen Parteien, welche links der Mitte orientiert sind. Wo soll denn da bitte noch die politische Heimat der anderen Bürger bleiben ? Ich habe Herrn Kohl damals auch gerne einmal hämisch als "Birne" tituliert und über seinen Saumagen geschmunzelt, welchen er seinen internationalen Gästen stets "zumutete". Der Mann stand aber standhaft für sein konservatives CDU-Klientel und er wäre eben deshalb auch nie eine "Linker" geworden. Heute wäre ich froh, wenn es wieder mehr Politiker dieser Couleur und politischen Ausrichtung gäbe.
secret.007 01.04.2016
4. Al Wazir glaubt doch ...
... nicht im ernst, dass die WählerInnen in Hessen vergessen werden. dass die Grünen beispielsweise mal den Flughafen nicht erweitern wollten. Nachtflugverbot, schon vergesses? Grüne Politik, kann ich hier nicht erkennen. Und wie schnell es gehen kann, ist ja in Frankfurt und auch in Wiesbaden zu sehen, zurechtgestutzt auf eine Partei unter vielen ...
tizian 01.04.2016
5. Alternativen
Ich brauche Alternativen bei Wahlen. Ich brauche nicht, dass egal was ich wähle, Merkel an der Macht bleibt! Dieser ganze Einheitsbrei ist die Nahrung für das Nichtwählerlager und am Ende brauchen dann zwei Volksparteien noch einen weiteren Partner um eine Regierung zu stellen. Hauptsache an der Macht...
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