Streit mit Lutz Bachmann Festerling offenbar von Pegida ausgeschlossen

Lange kriselte es bereits zwischen Tatjana Festerling und dem Pegida-Gründer Lutz Bachmann - nun soll es zum Eklat gekommen sein. Die ehemalige Frontfrau wurde offenbar von den Rechtspopulisten ausgeschlossen.

Tatjana Festerling
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Tatjana Festerling


Seit Monaten brodelt es in der Pegida-Führung, jetzt ist es offenbar zum Bruch gekommen. Tatjana Festerling soll aus dem Verein, der hinter der islamfeindlichen Bewegung steht, ausgeschlossen worden sein. Das teilte Edwin Wagensveld, ein Vertrauter und Mitstreiter der 52-Jährigen, auf Facebook mit. Festerling ist eines der bekanntesten Gesichter der Rechtspopulisten. Sie galt lange als führende Person bei den Pegida-Demonstrationen in Dresden - neben Lutz Bachmann.

Doch mit dem mehrfach vorbestraften Pegida-Vorsitzenden hat sich Festerling wohl überworfen. Wagensveld, der in der Szene als "Ed, der Holländer" bekannt ist, beschreibt, wie die Auseinandersetzung endgültig eskaliert sein soll - ohne Bachmann jedoch namentlich zu nennen.

Festerling sei bei einer Veranstaltung Mitte April "von der Bühne gejagt" worden, weil sie Bachmann zuvor ihr Redemanuskript nicht zum Gegenlesen gegeben habe. Letztlich soll der gegen Festerling gerichtete Satz gefallen sein: "Wir haben einen Beschluss gefasst, dich wegen Pegida Schädigung aus dem Verein auszuschließen."

Bei den montäglichen Kundgebungen in Dresden ist die 52-Jährige seit Wochen nicht mehr aufgetreten. Auf die Frage nach dem Grund sagte sie der Deutschen Presse-Agentur: "Das sollten sie Herrn Bachmann fragen."

Streit wegen Bilderberg-Konferenz

Für weiteren Zündstoff sorgte auch ein Streit über den Umgang mit der Bilderberg-Konferenz in Dresden. Festerling, Wagensveld und einige wenige Mitstreiter hatten vor dem Hotel demonstriert, in dem kürzlich Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft zu ihrem umstrittenen informellen Treffen zusammengekommen waren. Bachmann bezeichnete diese Form des Protests später "als komplett sinnfrei".

Wagensveld kontert nun: "Es ist dagegen sehr traurig, wenn jemand, der selber viel verspricht und nichts hält, selber keine Aktionen auf die Reihe bekommt, trotz wochenlanger Vorbereitungszeit, dann andere, die sich den Arsch aufreißen ohne irgendwelchen Eigennutz, ins Lächerliche zieht."

Festerling selbst äußerte sich bislang nicht zu dem Fall, Wagensvelds Nachricht wird jedoch auf ihrer Facebook-Seite angezeigt. Unterstützung erhält sie außerdem auf der Seite "Lutz muss weg", die sich in dem sozialen Netzwerk gegen Bachmann richtet. Dort ist auch davon die Rede, dass Wagensveld Pegida ebenfalls verlassen musste.

"Halte es wie beim letzten Mal"

Festerling war einst AfD-Politikerin in Hamburg. In der Vergangenheit war sie immer wieder durch fremdenfeindliche Äußerungen aufgefallen. Anfang November forderte sie etwa bei einer Demonstration, die Deutschen müssten "Widerstand gegen die Selbstvernichtung Deutschlands" leisten. Festerling beklagte sich über die "Horden von Eindringlingen", nannte Flüchtlinge "Invasoren".

Bachmann kommentierte den Ausschluss der einstigen Pegida-Frontfrau bei Facebook so: "Ich halte es wie beim letzten Mal, als das gleiche Symptom bei der ersten Frau bei Pegida auftrat." Die Bewegung hatte sich mit Kathrin Oertel schon zuvor von einer ihrer Führungs-Frauen getrennt.

vks/kev/dpa



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