"Tatort"-Faktencheck Dominique Strauss-Kahn in Rheinland-Pfalz?

Intrigen, Sex und Frauenquote: Der Skandalpolitiker im Ludwigshafener "Tatort" erinnert an den Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn - und ein bisschen an EU-Kommissar Günther Oettinger. Wie viel Wahres steckt dahinter?

"Tatort"-Figur Joseph Sattler: Ein Chauvi kämpft für die Frauenquote?
ARD

"Tatort"-Figur Joseph Sattler: Ein Chauvi kämpft für die Frauenquote?


Der deutsche EU-Kommissar Joseph Sattler kämpft in Brüssel für die Frauenquote, war selbst aber schon mehrmals wegen Vergewaltigung angeklagt. Damit ist er ein leichtes Opfer für die Intrige eines Journalisten und eines Lobbyisten: Als der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident in einem Hotel übernachtet, kann er die Finger nicht vom Zimmermädchen lassen. Er bezahlt zwar für den Sex. Kurz darauf bekommen er und seine Ehefrau aber mit, dass ihm die junge Frau eine Vergewaltigung anhängen soll.

Sattler reagiert ungehalten, das Zimmermädchen stürzt und rührt sich nicht mehr. Sattlers Frau und Anwältin eilt ins Hotel und entsorgt das Problem - sie stürzt die Frau aus dem vierten Stock.

Der fiktive "Tatort"-Fall nutzt Versatzstücke der Sexskandale um den französischen Politiker und ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn (DSK). Die Figur des ehemaligen Ministerpräsidenten und EU-Kommissars Sattler holt den Fall nach Deutschland und lässt entfernt an die Karriere Günther Oettingers denken. Politisch aufgeladen wird die Kriminalgeschichte mit der Diskussion um die Frauenquote.

Was ist Fiktion, was nah an der echten DSK-Story? Die wichtigsten Fragen im Faktencheck.

Wie viel Strauss-Kahn steckt in Sattler?

Die beiden sind Machtmenschen mit fortschrittlichen politischen Ideen und sexuellen Abgründen. Sattler setzt sich auf EU-Ebene für die Frauenquote ein, behandelt Frauen privat aber wie verfügbare Ware. Strauss-Kahn rettete als IWF-Chef Pleitestaaten und hatte gute Chancen, Nicolas Sarkozy als Staatschef Frankreichs abzulösen. Seine Eskapaden waren schon vor dem Sexskandal im Mai 2011 öffentlich bekannt.

"Tatort" zum Fall Strauss-Kahn
Damals wird Strauss-Kahn am New Yorker Flughafen in einer startbereiten Maschine nach Paris festgenommen. Das Zimmermädchen Nafissatou Diallo hatte ihn beschuldigt, sie kurz zuvor in seiner Suite im Luxushotel Sofitel überfallen und zu Oralsex gezwungen zu haben. Strauss-Kahn gibt nach fünf Tagen sein Amt als IWF-Chef auf, beteuert aber, der Oralsex sei einvernehmlich gewesen.

Für eine Kaution von einer Million Dollar darf DSK das Gefängnis gegen Hausarrest mit elektronischer Fußfessel tauschen. Diallo verstrickt sich in Widersprüche, die Staatsanwaltschaft stellt das Strafverfahren im August 2011 ein und DSK darf ausreisen. Als Diallos Anwälte ankündigen, weitere Zeuginnen für Strauss-Kahns Untaten zu laden, lässt dieser sich auf Entschädigungszahlungen ein: angeblich 1,5 Millionen Dollar.

Die starke Frau hinter dem Chauvi - ist das nicht unrealistisch?

Die Frau von Sattler verteidigt ihren Mann, auch als Anwältin. Damit versucht sie vor allem ihre eigene politische Idee zu schützen: Sie will die Frauenquote durchsetzen, ihr Mann möchte damit höchstens Sympathiepunkte sammeln.

Die Ehefrau erinnert an die Journalistin Anne Sinclair. Als DSK im Mai 2011 in New York verhaftet wird, reist sie sofort in die USA und kümmert sich um Anwälte und eine Wohnung für ihren unter Hausarrest gestellten Mann. Auch beim Prozess steht sie ihm bei. Sinclair stellte ihre eigene Karriere für die ihres Mannes hintan und ist dennoch keine klassische Politiker-Gattin. Vielmehr versteht sie sich als Alter Ego ihres mächtigen Ehemannes. Valerie Sattler springt zum Schluss in den Tod. Sinclair lässt sich 2013 scheiden.

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Polit-"Tatort": DSK lässt grüßen
Und was hat Sattler mit Günther Oettinger gemein?

Nicht viel. Um die Geschichte nach Deutschland zu übersetzen, macht die Hauptfigur Sattler erst Karriere als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und parkt dann auf dem Abstellgleis der EU-Politik. Günther Oettinger wurde 2009 von Angela Merkel als EU-Kommissar für Energie nominiert und nach Brüssel weggelobt. Seit 2014 ist er Kommissar für Digitalwirtschaft.

Oettinger ist geschieden. Seine größten Eskapaden: Er forderte mal, das Motorradfahren zu verbieten, musste wenig später seinen Führerschein wegen Alkohol am Steuer abgeben, spricht mäßig Englisch - und kennt sich nicht in allen Ecken des Internets gut aus.

Und wie war das mit der Frauenquote auf EU-Ebene?

Sattler ist EU-Kommissar für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft und soll in den nächsten Tagen die Frauenquote bei der Kommission durchsetzen. Die Luxemburgerin Viviane Reding hatte 2012 den gleichen Posten inne, als sie im zweiten Anlauf mit dem Gesetzesvorschlag für eine Quote in Aufsichtsräten überzeugen konnte. Den etwa 5000 börsennotierten Firmen in der EU soll damit vorgeschrieben werden, bis 2020 Aufsichtsratsposten zu 40 Prozent mit Frauen zu besetzen.

Damals waren nicht nur Firmen und Lobbyisten die Hauptgegner, wie im "Tatort" von Ludwigshafen, sondern mehrere Staaten - allen voran Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Familienministerin Kristina Schröder sprachen sich gegen die Quotenregelung aus. Begründet wurde die Haltung mit dem EU-Prinzip (Subsidiaritätsprinzip), dass Staaten bei Handlungsbedarf nötige Regelungen möglichst selbst treffen sollten. Mit dem Inhalt der Initiative habe dies nichts zu tun.

Daher vielleicht der verschwörungstheoretische Ansatz beim "Tatort": Kommissarin Lena Odenthal unterstellt, das Landeskriminalamt habe ihre Mitarbeiterin Johanna Stern und damit die Ermittlungen manipuliert und sich an der Intrige beteiligt.

2013 wurde der Gesetzesvorschlag auch vom EU-Parlament angenommen. Jetzt müsste nur noch der Ministerrat zustimmen, doch mehrere EU-Regierungen lehnen die Frauenquote als Überregulierung ab.

insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
Susi Sorglos 26.05.2015
1. 172 Wörter
um die Überschrift zu wiederholen. Sorry, aber hier wird viel geschrieben und nichts gesagt.
robert_b 26.05.2015
2.
Nein! Dominique Strauss-Kahn bei der GEZ.
Atlantic Bridge + 26.05.2015
3. Es ist nicht mehr auszuhalten...
Es ist ganz einfach. Ich bin ein Mann. Ich interessiere mich nicht für Frauenfussball, Frauenkrimis, Frauenquoten oder Frauenprobleme. Ich interessiere mich für Frauen. Aber auf meine Weise. Daher geht es mit auf den Wecker wenn ich im öffentlich-rechtlichen Zwangsbezahlfernsehen nur noch zwischen Utta Danella (oder so ähnlich), Frauenfussball oder Lena Odental hin- und herzappen kann. Lasst mich einfach mit eurem Frauen* in Ruhe.
Eduschu 26.05.2015
4.
Warum kommen Sie ausgerechnet bei einem ehemaligen Ministerpräsidenten von Peinland-Ralf auf Oettinger?
goodcharlotte 26.05.2015
5. anerkannte Krankheit?
Int es einen Namen dafür, in Frauen keine Menschen, sondern nur Sexobjekte zu sehen? Wie entsteht so etwas?
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