"Deutsche Widerstandsbewegung" Tatverdächtiger nach Brandanschlag auf Kanzleramt festgenommen

Nach einem versuchten Brandanschlag auf das Kanzleramt hat die Polizei den mutmaßlichen Täter festgenommen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE war es bereits vor wenigen Wochen zu einem ähnlichen Vorfall gekommen.

Das Bundeskanzleramt in Berlin: Täter kletterte mit Strickleiter über den Zaun
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Das Bundeskanzleramt in Berlin: Täter kletterte mit Strickleiter über den Zaun

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Die Serie von Brandanschlägen der mutmaßlich rechtsextremen Gruppierung "Deutsche Widerstandsbewegung" (DWB) könnte vor der Aufklärung stehen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE nahm die Bundespolizei gegen 3 Uhr am Donnerstagmorgen einen 48-jährigen Tatverdächtigen aus Berlin fest.

Kurz zuvor soll der Mann mithilfe einer Strickleiter auf das Gelände des Bundeskanzleramts gelangt sein und einen brennenden Molotowcocktail in Richtung des Dachs des Gebäudes geschleudert haben. Über mögliche Schäden wurde zunächst nichts bekannt. Am Tatort soll er ein Selbstbezichtigungsschreiben der DWB hinterlassen haben.

Wie SPIEGEL ONLINE aus Ermittlerkreisen erfuhr, war es vor einigen Wochen schon einmal zu einem Einbruchversuch ins Bundeskanzleramt gekommen: In der Nacht zum 8. Juni hatte ein Mann - ebenfalls mithilfe einer Strickleiter - versucht, über den Zaun in das streng abgesicherte Gelände einzudringen. Der Versuch scheiterte jedoch, nur die Strickleiter konnte am Tatort sichergestellt werden.

Wegen des ähnlichen Modus operandi gehen Ermittler derzeit davon aus, dass schon damals ein Brandanschlag geplant gewesen sein könnte. Ob es sich um den gleichen Täter wie im aktuellen Fall handelt, werde noch überprüft.

Der Mann sei nach der Tat auf einem Fahrrad in Richtung Hauptbahnhof geflüchtet und konnte wenig später von Beamten der Bundespolizei gefasst werden. Im Rucksack des Verdächtigen seien mehrere Beweismittel sichergestellt worden - in seiner Wohnung im Berliner Bezirk Steglitz weitere Flugblätter der "Deutschen Widerstandsbewegung".

Der Verdächtige war der Berliner Polizei den Informationen zufolge bislang nicht durch rechtsextreme Straftaten aufgefallen. Der 48-Jährige lebte in einer Etagenwohnung in Berlin-Steglitz und soll einen akademischen Hintergrund haben. Nachbarn beschreiben ihn als "zurückhaltend", "wortkarg" und "sehr sportlich": Er sei oft gejoggt und nachts gern "mit dem Fahrrad unterwegs" gewesen. Zudem habe er eine Affinität zu "klassischer Musik" besessen. Bei der Hausdurchsuchung, so berichten Zeugen, hätten Zivilbeamte zahlreiche Gegenstände aus der Wohnung des Festgenommenen getragen, darunter eine Vielzahl von Büchern.

Die "Deutsche Widerstandsbewegung" hatte sich in der Vergangenheit bereits zu mehreren Brandanschlägen auf Gebäude des Deutschen Bundestags und der CDU-Bundesgeschäftsstelle in Berlin bekannt, bei denen jeweils nur geringer Sachschaden entstand.

Auch für eine Attacke auf das Schloss Bellevue, den Amtssitz des Bundespräsidenten, Ende Mai hatte sich die DWB verantwortlich erklärt. Am Pfingstsonntag war ein Brandsatz am Zaun vor dem Schloss in Flammen aufgegangen, ohne größeren Schaden anzurichten. Insgesamt werden dem DWB neun Anschläge zugerechnet, vom Verfassungsschutz wird die Gruppierung dem Spektrum des "intellektuellen Rechtsextremismus" zugeordnet.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin, Martin Steltner, bestätigte, dass es in der Nacht "zu einem Anschlag mit einem Molotowcocktail" auf das Bundeskanzleramt gekommen sei. Auch die Festnahme eines "dringend Tatverdächtigen" bestätigte Steltner. Zu Einzelheiten wollte er sich zunächst nicht äußern.

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