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21. August 2011, 13:37 Uhr

Teenager-Affäre

Boetticher will Schleswig-Holstein verlassen

Christian von Boettichers Abgang als CDU-Fraktionschef in Schleswig-Holstein war offenbar die Folge einer Intrige. Nach SPIEGEL-Informationen verkündete die Partei seinen Rückzug, ohne dies mit ihm abzustimmen. Der Politiker hatte eine Beziehung zu einer 16-Jährigen, nun will er sein Land verlassen.

Hamburg/Kiel - Die CDU hat den Rücktritt Christian von Boettichers vom Fraktionsvorsitz im schleswig-holsteinischen Landtag verkündet, ohne dies mit ihm abzustimmen. Dies beklagt ein Sprecher Boettichers im Gespräch mit dem SPIEGEL. Boetticher sei "zutiefst getroffen über den Ablauf der Ereignisse" und "fühlt sich von Illoyalitäten umgeben".

Ursprünglich habe Boetticher nach dem Rücktritt von seiner Spitzenkandidatur und der Aufgabe seines Amtes als CDU-Landesvorsitzender am Sonntag vor einer Woche die Stimmung bei der nächsten Fraktionssitzung abwarten wollen, um dann zu entscheiden, ob er auch sein Amt als Fraktionsvorsitzender niederlegt. Diese Sitzung war für den vergangenen Dienstag terminiert. Bereits Montagmittag habe dann aber eine Zeitung gemeldet, Boetticher werde auch die Fraktion nicht mehr weiter führen, dies habe ein Vorstandsmitglied bestätigt. Durch diese Meldung unter Druck gesetzt, habe Boetticher dann auch dieses Amt aufgegeben. Boetticher hatte wegen einer früheren Beziehung zu einer damals 16-Jährigen seine Ämter verloren.

In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" (BamS) beklagt Boetticher "ein großes Maß an Illoyalität". Er sei "mit Blick auf die eigene Partei schwer enttäuscht". Zwar habe die Bundeskanzlerin und CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel mittlerweile mit ihm telefoniert, was er als "große Geste" empfunden habe. Sein politischer Ziehvater, der scheidende Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen habe allerdings "leider den Eindruck erweckt, ich sei ein politischer Autist".

Mit der 16-Jährigen "auf Augenhöhe kommuniziert"

Über seine Beziehung mit der damals 16-Jährigen sagt Boetticher, er sei "nicht liebesblind" gewesen, sondern habe gewusst, "dass ich etwas riskiere". Die junge Frau, ein Mitglied der Jungen Union, sei ihm durch "sehr intelligente" Kommentare zu seinen Äußerungen auf Facebook aufgefallen. Er habe sie auf Mitte 20 geschätzt und sei "völlig überrascht" gewesen, als sie ihm ihr Alter verriet. Sie sei "für ihr Alter wirklich geistig sehr reif" gewesen, er habe "auf Augenhöhe mit ihr kommunizieren" können.

Das Mädchen hatte dem Kölner "Express" erzählt, zu einem ersten Treffen habe sich Boetticher mit ihr für zwei Tage in einem Hotel in Düsseldorf eingemietet.

In der "BamS" heißt es, Boetticher wolle nun seiner Heimat Schleswig-Holstein "für lange Zeit" den Rücken kehren. Der gestrauchelte Politiker berichtet von Angeboten, in den USA zu arbeiten. Entschieden sei aber noch nichts. Erst kürzlich hatte die Ehefrau des über eine Plagiatsaffäre gestolperten Ex-Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg bestätigt, dass sich der ehemalige CSU-Hoffnungsträger samt Familie in die USA begeben wolle.

Mehrheit hält Rückzug für richtig

Unterdessen hält eine klare Mehrheit der Deutschen den Rückzug Boettichers für angemessen. Nach einer von der "BamS" in Auftrag gegebenen Emnid-Umfrage halten 62 Prozent der Bundesbürger Boettichers Rücktritt von allen Ämtern für richtig.

Bei der Frage, ob die Liebesbeziehung des 40-Jährigen Spitzenpolitikers zu einer Minderjährigen moralisch verwerflich gewesen sei, ist die Meinung geteilt: 45 Prozent der Deutschen sagen ja, 45 Prozent nein.

In jedem Fall haben die Wähler in Schleswig-Holstein vor, die CDU für die Affäre abzustrafen: In einer Forsa-Umfrage im Auftrag der "Lübecker Nachrichten" kamen die mit der FDP regierenden Christdemokraten nur noch auf 30 Prozent. Die Partei von Ministerpräsident Carstensen wurde damit erstmals seit Jahren von der SPD überholt, für die sich 32 Prozent der befragten Wähler aussprachen.

kuz

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