Terror-Prozess in Düsseldorf Qaida-Angeklagter wollte Polizist werden

Er bewarb sich für den Polizeidienst in Nordrhein-Westfalen, doch er wurde abgelehnt. Jetzt steht Halil S. in Düsseldorf als Terrorverdächtiger vor Gericht. Er soll mit drei weiteren Angeklagten eine Qaida-Zelle gegründet und einen großen Anschlag geplant haben.

Angeklagter Halil S.: "Ich hätte das gern gemacht"
DPA

Angeklagter Halil S.: "Ich hätte das gern gemacht"


Düsseldorf - Seine Bewerbung ging an das Land Nordrhein-Westfalen, aber Halil S. hatte keinen Erfolg: Er wurde 2004 aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt, das war das Aus für seine geplante Karriere als Polizist. Der 28-Jährige erzählte am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht Einzelheiten über seine Biografie.

"Ich hätte das gerne gemacht", sagte Halil S. über seine Berufspläne. Er sei in Gelsenkirchen geboren und aufgewachsen, habe Abitur, seinen Zivildienst in einem Seniorenheim absolviert und in Bochum einen Bachelor-Titel in einem Management-Studium erworben. Die Bewerbung ist auch in den Gerichtsakten dokumentiert.

Der verhinderte Polizist bekam später dennoch mit der Polizei zu tun - Halil S. muss sich mit drei weiteren Angeklagten vor Gericht verantworten. Sie sollen die "Düsseldorfer Zelle" des Terrornetzwerks al-Qaida gebildet und einen großen Terroranschlag in Deutschland geplant haben. Beim mutmaßlichen Versuch eine Bombe zu bauen, waren drei der Männer von einem Sondereinsatzkommando der Polizei in einer Düsseldorfer Wohnung Ende April 2011 festgenommen worden. Der vierte Angeklagte wurde acht Monate später in Karlsruhe verhaftet.

Wie Halil S. brach auch der 21 Jahre alte Amid C. sein Schweigen und berichtete über seinen Lebenslauf. Fragen zur Religion und zu den Tatvorwürfen wollten beide aber nicht beantworten. Der Deutsch-Iraner aus Bochum hat ebenfalls Abitur und studiert in der Untersuchungshaft an der Fern-Uni Hagen Informatik.

Beide hatten zunächst ein Gymnasium besucht, waren auf die Realschule gewechselt und hatten später dennoch Abitur gemacht. Amid C. gab an, arabisch zu sprechen und den Koran auch in arabischer Sprache lesen zu können. Seine Eltern und Geschwister beriefen sich im Zeugenstand des Düsseldorfer Oberlandesgerichts auf ihr Schweigerecht.

Für den Prozess im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts sind zunächst 30 Verhandlungstage angesetzt. Das Verfahren soll an diesem Freitag mit der Vernehmung von Angehörigen fortgesetzt werden. Den Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft.

hen/dpa/dapd

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