Terror-Razzia Dschihad-Union bekennt sich zu vereitelten Anschlägen

Die islamistische Dschihad-Union hat sich nach Angaben des Bundesinnenministeriums zu den geplanten Anschlägen in Deutschland bekannt. Die Sicherheitsbehörden halten eine im Internet veröffentlichte Erklärung für authentisch.


Berlin - In einem Internetauftritt befasse sich die Dschihad-Union mit der Festnahme der drei Terrorverdächtigen vergangene Woche im Sauerland, erklärte das Innenministerium am Abend in Berlin.

Festgenommene Terrorverdächtige: Dschihad-Union bekannte sich zu geplanten Attentaten
DPA

Festgenommene Terrorverdächtige: Dschihad-Union bekannte sich zu geplanten Attentaten

Die Anschläge seien für Ende 2007 geplant gewesen und sollten sich gegen den US-amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Ramstein sowie amerikanische und usbekische Konsulareinrichtungen in Deutschland richten. Mit den Anschlägen hätten die Terroristen eine Schließung des auch von Deutschland genutzten Luftwaffenstützpunkt Termez in Usbekistan erreichen wollen, hieß es aus dem Ministerium.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE entdeckten die Spezialisten des gemeinsamen Internet-Zentrums der deutschen Sicherheitsbehörden die Erklärung der Dschihad-Union heute gegen 17 Uhr. Die Veröffentlichung im Internet fügt sich laut Innenministerium in die bisherige Erkenntnislage der Strafverfolgungsbehörden ein. Durch die Festnahme von drei mutmaßlichen Terroristen in der vergangenen Woche sei die Gefährdung im konkreten Fall gebannt. "Die Bekennung unterstreicht jedoch die fortbestehende Gefährdung durch den islamistischen Terrorismus", betonte das Innenministerium.

Am Dienstag vergangener Woche hatten die Ermittler im Sauerland drei Terrorverdächtige festgenommen - unter ihnen zwei deutsche Konvertiten. Die Terrorfahnder waren den mutmaßlichen Attentätern seit langem auf den Fersen.Im März 2007 eröffnete die Bundesanwaltschaft ein Verfahren - zunächst gegen unbekannte Mitglieder der Islamischen Dschihad Union, zu der die drei Männer per E-Mail Kontakt hielten.

Unterdessen ermittelt die Generalbundesanwaltschaft nicht nur gegen die drei Verhafteten, sondern noch gegen weitere Verdächtige.Konkret geht es um die Gründung einer terroristischen Vereinigung.

Nach Erkenntnissen der Behörden und unabhängiger Experten etablierte sich die islamistische Dschihad-Union 2002 als radikale Absplitterung der "Islamischen Bewegung" Usbekistans.Im Sommer 2004 folgten die ersten Anschläge - unter anderem gegen die israelische und die US-Botschaft in der usbekischen Hauptstadt Taschkent sowie gegen das Büro des Generalstaatsanwalts. Die Mitgliederzahl der Organisation ist nach dem Bericht des US-Außenministeriums unbekannt. Militante Mitglieder des Dschihad-Union werden in ganz Zentral- und Südasien vermutet. Wie die jüngsten Ereignisse zeigen, hat die Gruppierung ihren Wirkungskreis nun nach Europa ausgeweitet.

mgb/anr/dpa/Reuters/AP



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