Terror-Verdacht in Heidelberg Festgenommene planten Anschlag auf US-Supermarkt
Stuttgart - Nach Recherchen des SPIEGEL waren die Ermittler erst durch die Warnung der Festgenommenen auf die Spur des mutmaßlichen Terror-Pärchens gekommen. Demnach hatte die 23-jährige Astrid E., die sowohl die deutsche als auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, kurz vor der Festnahme gegenüber einer ihrer Freundinnen zuerst Bewunderung für den mutmaßlichen Terror-Fürsten Osama Bin Laden geäußert.
In dem Gespräch warnte sie die Freundin zugleich, sie solle sich von dem US-Supermarkt in Heidelberg, in dem die jetzt festgenommene Frau als Verkäuferin arbeitet, fernhalten. Dort werde bald etwas passieren. In dem Supermarkt kaufen viele der in Heidelberg stationierten 16.000 US-Soldaten und ihre Familien ein.
Beim Chemie-Mischen erwischt
Nachdem sich die Freundin an die US-Militärpolizei gewandt hatte, alarmierten diese die deutsche Polizei, die sofort die Ermittlungen aufnahm. Am Donnerstag stürmte sie die Wohnung des 25 Jahre alten Türken Osman P. und seiner 23 Jahre alten Freundin Astrid E. Nach Informationen der "Bild" soll die Polizei den Mann dabei erwischt haben, wie er auf dem Balkon mit Chemikalien hantierte.
In der Wohnung des Mannes im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses fanden die Beamten ein ganzes Lager an Chemikalien, die nach Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums zum Bau von Bomben geeinigt sind. Nach Angaben der Polizei soll der Mann als Lagerarbeiter in einem Chemiewerk in Karlsruhe gearbeitet haben. Nachbarn war das Pärchen nach übereinstimmenden Aussagen nie als radikal oder amerikafeindlich aufgefallen. In der Umgebung der Wohnung wohnen viele Angehörige der US-Streitkräfte.
Bild von Bin Laden gefunden
Ebenso entdeckten die Fahnder ein Bild von Bin Laden und fünf bereits fertiggestellte Rohrbomben. Am Freitagabend wollte sich der Landesinnenminister Thomas Schäuble noch nicht zu möglichen Anschlagszielen äußern. "Wir haben Vermutungen, dass mit den aufgefundenen Sprengsätzen Anschläge auf militärische Einrichtungen in Heidelberg und auf die dortige Innenstadt durchgeführt werden sollten", sagte er. Als mögliches Datum für den geplanten Anschlag nannte Schäuble den 11. September.
Der Mann scheine ein Anhänger von Bin Laden zu sein, hieß es. Er sei ein strenggläubiger Muslim, der Amerikaner und Juden hasse. "Es wird nun um die Frage gehen, ob es ein Einzeltäter ist oder ob es hier Strukturen gibt", sagte der CDU-Politiker. Bayerns Innenminister Günther Beckstein sagte am Samstag überraschend, dass es sich offenbar um eine Gruppe handele. Es sei kaum vorstellbar, so Beckstein, dass Osman P. die Tat allein geplant habe. Innenminister Otto Schily widersprach seinem bayerischen Kollegen. Nach allem, was er wisse, handele es sich um einen Einzeltäter, sagte Schily im Radio.