Terrorbekämpfung Verschwundener "Kalif von Köln" schwört der Gewalt ab

Der in der vergangenen Woche aus der Haft entlassene Islamistenführer Metin Kaplan bleibt verschwunden. Ab Freitag muss sich der "Kalif von Köln" bei der Polizei melden. In einem Interview gab sich Kaplan geläutert.


Verschwunden: Kaplan
AP

Verschwunden: Kaplan

Köln - Am vergangenen Freitag hatte die zuständige Ausländerbehörde in der Domstadt vergeblich versucht, dem 50-Jährigen Kaplan in seiner Wohnung sowie in seiner türkischen Gemeinde ein Reiseverbot zuzustellen, das von der Kölner Stadtverwaltung verfügt worden war.

"Wir wissen nicht, ob er noch hier wohnt. Jedenfalls haben wir ihn nicht angetroffen", sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Bei der Kölner Polizei gab man sich unterdessen gelassen. "Das ist kein polizeiliches Problem", sagte ein Behördensprecher und verwies auf das Oberlandesgericht in Düsseldorf. Das hatte für Kaplan am 24. März dieses Jahres eine fünfjährige Führungsaufsicht für die Zeit nach seiner Haftentlassung angeordnet.

Das bedeutet, dass der "Kalif von Köln" einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt bekommen muss, sollte er in Deutschland bleiben. Das Oberlandesgericht hatte außerdem angeordnet, dass Kaplan nicht für den inzwischen verbotenen und früher von ihm geleiteten "Kalifatstaat" aktiv werden darf.

Die Düsseldorfer Richter hatten am Dienstag vergangener Woche die Entlassung Kaplans aus der Haft angeordnet. Der Islamist hatte eine vierjährige Haftstrafe wegen Aufrufs zur Tötung abgesessen, die im März abgelaufen war. Nachdem die Türkei Mitte Januar die Überstellung Kaplans beantragt hatte, war er in Auslieferungshaft geblieben.

Das Gericht erklärte dagegen die Auslieferung für unzulässig, weil in dem türkischen Verfahren möglicherweise Aussagen verwertet würden, die unter Folter zu Stande gekommen seien. Die Entscheidung stieß in Deutschland und der Türkei auf heftige Kritik. Nach dem von der Stadt Köln erlassenen Reiseverbot, das bis September dieses Jahres befristet ist, darf sich Kaplan nur noch innerhalb der Stadtgrenzen aufhalten.

"Mit den Deutschen in Frieden zusammenleben"

In einem Interview schwor Kaplan inzwischen der Gewalt ab. Er sei immer gegen die Anwendung von Gewalt und Auseinandersetzungen gewesen, bei denen Menschen verletzt oder gar getötet würden, sagte aus einem Versteck heraus dem ARD-Politmagazin "Report". "Ich will mit den Deutschen in Frieden zusammenleben." Viele Aussagen, die er im Laufe der Jahre als Führer des Kalifatstaats gemacht habe, seien falsch interpretiert worden: "So gelte ich heute als gefährlicher Mann, der ich nicht bin." Er sei "Allah dankbar, dass er mir meine Freiheit gewährt hat - und auch den deutschen Richtern". In Zukunft wolle er in seinem Beruf als islamistischer Gelehrter tätig sein und akzeptieren, "dass der Kalifatstaat nach deutschem Recht verboten ist".



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