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02. Oktober 2009, 14:15 Uhr

Terrorgefahr

Berliner Polizei verschärft Sicherheitsmaßnahmen für Einheitsfest

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Mehr Polizisten, mehr Personenkontrollen, weiträumige Absperrungen: Aus Angst vor drohenden Terroranschlägen verschärft die Berliner Polizei ihre Maßnahmen zum Schutz des Einheitsfestes am Brandenburger Tor. Der Innensenator ruft die Bevölkerung zu "verstärkter Wachsamkeit" auf.

Berlin - Alarmstimmung bei der Berliner Polizei: Nach der Analyse der verschiedenen Terrordrohungen gegen Deutschland haben die Sicherheitskräfte in der Hauptstadt ihre Schutzmaßnahmen für das mehrtägige Fest zur Deutschen Einheit deutlich verschärft. "Für den 3. Oktober werden aufgrund der veränderten Sicherheitslage deutlich mehr Sicherheitskräfte vor Ort sein", sagte Berlins Innensenator Ehrhart Körting SPIEGEL ONLINE. "Alle Polizisten wurden zudem noch einmal sensibilisiert, auf verdächtige Personen und Fahrzeuge zu achten."

Der SPD-Politiker rief auch die Bevölkerung zur "verstärkten Wachsamkeit" während der Großveranstaltung auf, warnte aber vor Panikreaktionen. Auch wenn die Terrorgefahr bundesweit in den letzten Wochen gestiegen sei, hätten die Behörden keine konkreten Hinweise auf drohende Anschläge. Grundsätzlich aber, so die interne Analyse der Behörden in der Bundeshauptstadt, sei das Fest rund um das Brandenburger Tor wegen der hohen Besucherzahlen und seines Symbolwerts ein potentielles Ziel für Terroristen. "Alle Maßnahmen wurden deshalb massiv hochgefahren", so ein Berliner Beamter.

Die Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen wurde vor allem nach der Auswertung mehrerer Droh-Videos gegen Deutschland, die in der vergangenen Woche im Internet aufgetaucht waren, beschlossen. In einer Aufnahme, in der sich ein deutschsprachiger Kämpfer aus Afghanistan zu Wort meldete, wird unter anderem auch ein Bild des Brandenburger Tors eingeblendet. Das Video hatte bereits zu drastisch verschärften Sicherheitsmaßnahmen beim Oktoberfest in München gesorgt, da auch Bilder der Biermeile in dem Clip gezeigt worden waren.

Die Bänder aus dem Internet sorgen bei den Sicherheitsbehörden für erhebliche Nervosität. Am Sonntag trafen sich in Berlin die Chefs der Innenbehörde, der Polizei, des Verfassungsschutzes und der Rettungskräfte. Dabei verkündete Polizeichef Dieter Glietsch, dass er auf wichtigen U-Bahnhöfen Polizeieinheiten stationieren will. Bereits zuvor hatten die Behörden den Schutz von Flughäfen und von Bahnhöfen erhöht, dort patrouillieren Bundespolizisten mit Maschinengewehren. Zudem kreisen immer wieder Hubschrauber über Berlin, um die Lage zu beobachten.

Wie nervös die Behörden sind, zeigte sich am Vormittag am Berliner Hauptbahnhof. Wegen eines verdächtigen Koffers wurde der Knotenpunkt für rund drei Stunden teilweise gesperrt, ein Sprengstoffkommando der Polizei rückte an und öffnete das Gepäckstück mit einem Wasserstrahl. Durch die Sperrung wegen des Polizeieinsatzes mussten mehrere Züge umgeleitet werden.

Am Mittwoch gab es erneut eine Telefonschaltkonferenz der für die Sicherheit zuständigen Staatssekretäre der Länder, die Leitung übernahm Staatssekretär August Hanning aus dem Bundesinnenministerium. Bei den Gesprächen ging es um die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Einheitsfest in Berlin und die offizielle Feier in Saarbrücken. Für diese Feier hat das Saarland mehrere Hundertschaften der Polizei aus anderen Bundesländern zur Unterstützung der lokalen Kräfte angefordert.

In Berlin plant die Polizei nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ein ähnliches Sicherheitskonzept wie beim Oktoberfest in München. Rund um die Festmeile am Brandenburger Tor soll die Polizei verstärkt Personen- und Gepäckkontrollen durchführen. Zudem soll mit Straßensperrungen sichergestellt werden, dass keine Fahrzeuge oder Lastwagen in die Nähe der Party, zu der mehrere hunderttausend Besucher erwartet werden, kommen. Die Feuerwehr hat für den Notfall einen Katastrophenplan ausgearbeitet.

Die Experten von Staatsschutz und Verfassungsschutz nehmen die Androhungen von Terroranschlägen in Deutschland weiterhin sehr ernst. Auch wenn es bisher keine konkreten Hinweise auf Planungen gibt, fürchten die Analysten, dass sich möglicherweise bisher unbekannte Islamisten durch die Aufrufe zu Planungen angestachelt fühlen. Ein Horrorszenario ist, dass radikalisierte Einzeltäter die Behörden überraschen und für eine Massenpanik sorgen könnten.

Auch der Verfassungsschutz war wegen der Gefahrenlage vor den Wahlen und auch in den letzten Tagen sehr aktiv. So wurden alle sogenannten Gefährder, die der Inlandsgeheimdienst kennt, noch einmal von Beamten angesprochen. Zudem observieren Staatsschutz und Geheimdienst die einschlägig bekannten Personen derzeit rund um die Uhr. Bisher aber, so die interne Einschätzung, gab es keine Hinweise auf Planungen dieser Personengruppe.

Das riesige Fest zum 3. Oktober startet offiziell schon am Freitagnachmittag und dauert drei Tage. Teil des Programms der Einheitsparty sind ein Konzert von 20 Rockbands vor dem Brandenburger Tor, eine Show mit riesigen Puppen, die durch die Festmeile laufen werden. Zudem locken Bier- und Essensstände Berliner und viele Touristen in der Stadt. Die Veranstalter rechnen mit Hunderttausenden Besuchern.

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