Terrorismus Dschihad Union ernennt Nachfolger für getöteten Anführer

Der Auftraggeber der Sauerland-Gruppe ist tot - das hat die Islamische Dschihad Union jetzt offiziell bestätigt. Nachfolger ihres Anführers Nadschmeddin Schalolow soll der bisherige Militärchef sein.
Von Yassin Musharbash

Islamische Dschihad Union (IJU)

Berlin - Wer die Website aufsucht, auf der die ihre Kommuniqués absetzt, sieht als erstes ein Bild von Nadschmeddin Schalolow. Es handelt sich um eine Traueranzeige, denn der Gründer der usbekischen Terrorgruppe ist tot, wie die IJU nun auch offiziell einräumt.

Entsprechende Berichte gibt es bereits seit Wochen. Mitte September ist Schalolow mit seinem Fahrer und einem weiteren Mudschahidin durch eine US-Drohne im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet getötet worden. Unter Berufung auf pakistanische Sicherheitskreise berichtete Reuters, der Usbeke sei durch den gezielten Luftschlag auf einen Lkw ums Leben gekommen.

Sauerland-Gruppe

Schalolow ist in Deutschland ein Begriff, seit die Angeklagten der - Fritz Gelowicz, Adem Yilmaz, Daniel Schneider und Attila Selek - begonnen haben, vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf auszusagen. Sie hatten ein Trainingslager der IJU besucht und dann von Schalolow den Auftrag erhalten, Terroranschläge in Deutschland zu verüben. Das Vorhaben scheiterte, im September 2007 wurden drei der Planer festgenommen, Selek wurde später aus der Türkei überstellt.

Eine Richterin verlas am Dienstag im Prozess gegen die Sauerland-Gruppe eine im Internet veröffentlichte Presseerklärung der Terrororganisation. Die Angeklagten bestätigten, dass ein Bild, das mit der Erklärung verbreitet wurde, tatsächlich Schalolow zeigt. "Das ist unser Amir'", sagte der Angeklagte Daniel Schneider.

Tod Schalolows gilt als schwerer Schlag

In einem zweiten Kommuniqué teilt die IJU außerdem mit, dass ein Nachfolger installiert wurde. Ein Beratergremium der Organisation habe sich für Abdullah Fatih entschieden. Dabei handelt es sich offenbar um den Feldkommandeur und Militärchef der Gruppe, den ein Teil der Sauerländer in Waziristan im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet persönlich trafen.

Schon damals hatten die vier Nachwuchsterroristen aus Deutschland den Eindruck, dass es um die IJU nicht besonders gut bestellt sei. Unterricht fiel gelegentlich aus, weil Materialien fehlten, Geld war knapp, es gab angeblich nur einige Dutzend Kämpfer. Mittlerweile, so heißt es in internationalen Geheimdienstkreisen, ist von der IJU womöglich nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Der Tod Schalolows, der die IJU auch gründete, gilt als schwerer Schlag.

Die IJU ist eine ursprünglich usbekische Organisation, die ihr Operationszentrum nach Waziristan verlegt hat und dort mit Taliban, al-Qaida und lokalen Militärchefs kooperiert. Neben den Sauerländern hat sie im Laufe der Zeit weitere Rekruten aus Deutschland gewonnen, so etwa Eric Breininger und Houssain al-Mallah. Der Bayer Cüneyt Cifti sprengte sich für die IJU als Selbstmordattentäter in die Luft. Der Hesse Sadullah K. starb als Kämpfer für die IJU in einem Gefecht.

Mit Material von dpa
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