Terrorismus Merkel drängt auf Online-Durchsuchung

Rückendeckung für Schäuble. Im Streit um den Vorstoß des Innenministers für das heimliche Ausspähen von privaten Computern erhält er nun erneut Zuspruch von der Kanzlerin. "Wir sind für Online-Durchsuchungen", erklärte Angela Merkel klipp und klar. Auch aus dem Ausland bekam der Innenminister Unterstützung.


Weimar - Angela Merkel machte heute keine langen Umschweife. Sie verlangte heute im Koalitionsstreit über Online-Durchsuchungen von den Sozialdemokraten ein rasches Einlenken. "Wir können nicht viel Zeit vergehen lassen, weil die Gefahren da sind", sagte die Kanzlerin auf einem CDU-Kongress in Hanau. Sie steht klar hinter den Plänen zur Ausspähung von privaten Computern: "Es kann doch keinen Raum geben, in dem Terroristen sicher sein können, dass sie sich austauschen können, ohne dass der Staat einen Zugriff hat", sagte die CDU-Vorsitzende. "Deshalb sind wir für Online-Durchsuchungen."

Treffen in Weimar: Die Innenminister der Schweiz, Christoph Blocher (li), Österreichs, Günther Platter (Mi.), Liechtensteins, Rita Kleber-Beck (re.) und Deutschlands, Wolfgang Schäuble (vorn)
DPA

Treffen in Weimar: Die Innenminister der Schweiz, Christoph Blocher (li), Österreichs, Günther Platter (Mi.), Liechtensteins, Rita Kleber-Beck (re.) und Deutschlands, Wolfgang Schäuble (vorn)

Der Koalitionspartner SPD hat Bedenken gegen Schäubles Pläne und will erst ein für kommendes Frühjahr erwartetes Bundesverfassungsgerichts-Urteil zu dem Thema abwarten, bevor sie sich festlegt. Schäuble möchte, dass das Bundeskriminalamt in gravierenden Fällen Computer von Verdächtigen heimlich anzapfen darf.

Unterstützung bekam Schäuble heute auch von seinen Amtskollegen aus Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. Für ihr alljährliches Treffen hatten sich die deutschsprachigen Innenminister diesmal Weimar ausgesucht. Top-Thema der Veranstaltung: Der Kampf gegen den Terrorismus. "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Terrorismus in Europa angekommen ist", sagte der Österreicher Günther Platter.

Die Minister beschlossen die Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus. Diese Arbeitsgruppe solle den Ist- und den Sollzustand formulieren, sagte der Schweizer Innenminister Christoph Blocher. "Die Schweiz ist kein Ruheraum für terroristische Aktivitäten. Das Schweizerische Bankgeheimnis bietet keinen Raum für kriminelle Gelder", betonte Blocher.

Österreichs Innenminister Platter betonte, dass er die Vorschläge Wolfgang Schäubles "bis hin zur Online-Durchsuchung" voll und ganz unterstütze. Es gehe nicht nur darum, Verbrechen aufzuklären, sondern diese von vornherein zu verhindern. Die Prävention habe den selben Stellenwert wie die Repression, sagte Platter. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble machte heute klar, dass er trotz aller Widerstände auf der Einführung von Online-Durchsuchungen beharre. "Es gibt international niemanden, der bei der Gefahrenabwehr des internationalen Terrorismus darauf verzichten will." Deswegen müsse eine klare, einwandfreie Rechtsgrundlage geschaffen werden.

Schweiz und Liechtenstein wollen Schengen beitreten

Ein weiteres Thema des Treffens war laut Wolfgang Schäuble die Erweiterung des sogenannten Schengenraums. Danach gibt es in einem Teil Europas keine Grenzkontrollen mehr. Auch die Schweiz und Lichtenstein wollen dem Abkommen beitreten.

Auch das Thema Waffen spielte heute erneut eine Rolle. Schäuble macht klar, dass er ein bundesweites zentrales Waffenregister strikt ablehnt. Dies brächte nicht wirklich eine Verbesserung, was den Schutzzweck angehe. "Eine Zentralisierung verspricht nicht unbedingt eine höhere Effizienz", sagte Schäuble.

Offenbar plant der Minister aber, Tragen von täuschend echt aussehenden Waffenattrappen zu verbieten. In die Novelle für das Waffenrecht soll das Verbot eingeführt werden, sogenannte Anscheinswaffen "offen zu führen", heißt es laut der Nachrichtenagentur AFP in einem Referentenentwurf. Der Besitz der oft bedrohlich wirkenden Attrappen soll zwar nicht ausdrücklich verboten werden. Allerdings sollen sie demnach künftig etwa nach dem Kauf in einem Behälter nach Hause transportiert werden.

Das offene Tragen der Anscheinswaffen soll dem Gesetzentwurf zufolge zwar nicht unter Strafe gestellt werden. Bei einem Verstoß gegen das Verbot kann diese dem Träger aber "ersatzlos und endgültig" entzogen werden, wie es in dem Entwurf heißt. Eine Ausnahme gilt für Film- und Fernsehaufnahmen sowie Theateraufführungen. Hier sollen die Anscheinswaffen weiterhin getragen werden dürfen.

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

Zu dem inzwischen zurückgezogenen Entwurf zur Lockerung des Waffenrechts räumte der Innenminister Fehler ein. Der entstandene Eindruck, drei Jahre nach dem Amoklauf von Erfurt werde die Altersgrenze gelockert, sei "so eindeutig" gewesen, dass es richtig gewesen sei, die Pläne zu korrigieren, sagte Schäuble heute im SWR.

ler/AP/dpa/AFP/reuters



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