Terrorismus Qaida bekennt sich zur Entführung deutscher Afrika-Touristin

Terroristenbotschaft per TV: Die Nordafrika-Filiale der al-Qaida hat sich dazu bekannt, die deutsche Rentnerin Marianne P. entführt und fünf weitere westliche Geiseln genommen zu haben. Die Entführer kündigen an, sie nach "islamischem Recht" zu behandeln.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Fast genau einen Monat ist es her, dass die 77-jährige deutsche Staatsbürgerin Marianne P. im Grenzgebiet zwischen Niger und Mali von Unbekannten entführt wurde. In der Nacht hat sich nun die Nordafrika-Filiale des Terrornetzwerks al-Qaida zu der Geiselnahme bekannt.

YouTube-Screenshot: "Erfolgreiche Operation"

YouTube-Screenshot: "Erfolgreiche Operation"

Eine entsprechende Botschaft strahlte der in Katar ansässige arabische Satellitensender al-Dschasira aus. Das Video kursiert mittlerweile auch auf YouTube, verschiedene Pro-Qaida-Websites versenden die dazugehörigen Links.

Der Sprecher wird als "Salah Abu Mohammad" bezeichnet. Die Botschaft zeigt lediglich ein anonymisiertes Standbild des mutmaßlichen Terrorsprechers, im Hintergrund ist ein Gewehr zu erkennen. Die dazugehörige Tonspur ist 1:24 Minuten lang.

In dem Bekenner-Kommuniqué brüstet sich die Terrorist gleich mit zwei "erfolgreichen Operationen der Mudschahidin": "In der ersten Operation gelang es den Mudschahidin mit der Erlaubnis Gottes vor zwei Monaten zwei hochrangige kanadische Diplomaten zu entführen", erklärt er. Die beiden Geiseln, deren Namen genannt werden, seien ehemalige Botschafter Kanadas in Niger beziehungsweise in Gabun.

Die zweite "erfolgreiche Operation" sei die Geiselnahme von vier westlichen Touristen in Niger am 22. Januar. Auch hier werden die Namen und Herkunftsländer der Opfer genannt, es handelt sich dem Kommuniqué zufolge um einen Briten, zwei Schweizer und eben Marianne P.

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Der Wahrheitsgehalt der Botschaft ist schwer zu beurteilen. Die genannten Namen decken sich jedenfalls mit denen von Entführungsopfern, die den Sicherheitsbehörden bekannt sind. Bereits seit Wochen befasst sich im Auswärtigen Amt in Berlin ein Krisenstab mit der Entführung von Marianne P. Die pensionierte Lehrerin wurde mit ihrer Reisegruppe nach dem Besuch des Festivals Andéramboukane entführt, einem mehrtägigen Volksfest der Tuareg-Stämme, die die Grenzregion zwischen Niger und Mali bewohnen.

Normalerweise verwendet al-Qaida im islamischen Maghreb, eine 2007 gegründete Regionalabteilung von Osama Bin Ladens Terrornetzwerk, eine bestimmte Internet-Seite, um ihre Botschaften zu kommunizieren. Das Video ging jedoch offenbar exklusiv al-Dschasira zu.

Die Nordafrika-Filiale von al-Qaida hat schon zuvor westliche Geiseln genommen und versucht, diese entweder gegen Geld einzutauschen oder im Gegenzug für ihre Freilassung inhaftierte Gesinnungsgenossen freizupressen. Die Qaida in Nordafrika hat ihr Zentrum in Algerien, verfügt aber nach Expertenansicht über gute Beziehungen zu anderen militanten und zu kriminellen Gruppen im gesamten Nordafrika und Sahara-Raum. So wurden im vergangenen Jahr zwei österreichische Geiseln im tunesisch-algerischen Grenzgebiet wahrscheinlich zunächst von einer kriminellen Bande entführt und erst später an al-Qaida weitergereicht. Steckt al-Qaida tatsächlich hinter der Entführung von Marianne P., wäre die Hessin die erste deutsche Geisel in der Hand des Terrornetzwerks.

Die kurze Botschaft endet mit der Aussage, man behalte sich vor, die Geiseln nach islamischem Recht zu behandeln. Was damit gemeint ist, bleibt offen. Nach dem herkömmlichen Verständnis von dschihadistischen Terrorgruppen muss das allerdings keine Tötungsabsicht beinhalten, sondern kann auch im Gegenteil bedeuten, dass man sich verpflichtet fühlt, die Geiseln gut zu behandeln.

So gingen Ermittler aus Mali denn auch zumindest Anfang des Monats noch davon aus, dass die beiden entführten Kanadier, die im Dezember verschleppt wurden, noch am Leben sind. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Mittwoch, man werte das Video aus der Nacht sorgfältig aus.

Mit AFP



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