Terrorismus Schönbohm erwägt Verbot von Handgepäck in Flugzeugen

Die vereitelten Terroranschläge von London haben in Deutschland eine Debatte über schärfere Sicherheitsbestimmungen entfacht: Bundesinnenminister Schäuble will die Mitnahme von Flüssigkeiten in Flugzeugen verbieten, sein Brandenburger Kollege Schönbohm erwägt, sämtliches Handgepäck zu untersagen.


Berlin - "Möglicherweise muss dazu übergangen werden, Handgepäck in Flugzeugen ganz zu untersagen, wenn damit unerkannt gefährliche Substanzen an Bord gebracht werden können", sagte der CDU-Politiker Jörg Schönbohm der "Rheinischen Post".

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble plädierte dafür, die Mitnahme von Flüssigkeiten in Flugzeugen zu verbieten. Schäuble sagte, er sei davon überzeugt, dass die meisten Reisenden Verständnis für mehr Sicherheit haben. Überhaupt werde man künftig weniger Handgepäck mit an Bord nehmen können. Man habe immer vor terroristischen Anschlägen gewarnt. Nun zeige es sich erneut, dass das nicht irgendwelche "Hirngespinst" seien, sondern eine "reale Bedrohung", sagte Schäuble im ZDF.

Angesichts der vereitelten Londoner Terroranschläge streiten Union und SPD jetzt auch wieder schärfer über die Frage eines Einsatzes der Bundeswehr im Inneren.

Eine Regelung für den Einsatz der Bundeswehr im Inneren zur Unterstützung der Terrorabwehr sei nun "unabweisbar", sagte Schönbohm. Ähnlich argumentierte Bayerns Innenminister Günther Beckstein. Er erwarte aber kein Einlenken der SPD in dieser Frage, sagte der CSU-Politiker. "Ich fürchte, dass die SPD einer solchen Grundgesetzänderung erst nach einem Terroranschlag in Deutschland zustimmen wird, den es hoffentlich nie geben wird", sagte Beckstein der Tageszeitung "tz".

Beckstein beklagte zudem eine mangelhafte Kooperation der Sicherheitsbehörden in Europa. Auch die Briten hielten viele Informationen zu lange zurück, sagte Beckstein der "Welt am Sonntag". Zwar sei es für ein endgültiges Urteil über die Konsequenzen der Ereignisse von London für Deutschland noch zu früh. "Klar ist aber in jedem Fall, dass die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden in Europa noch erheblich verbesserungswürdig ist. Ich hätte mir beispielsweise deutlich früher genaue Informationen von den britischen Behörden gewünscht", sagte Beckstein der "Welt am Sonntag".

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries lehnte erweiterte Befugnisse für die Bundeswehr im Kampf gegen den Terrorismus erneut ab. Sie halte derartige Forderungen auch nach den Londoner Anschlagsplänen für "eher reflexartig als durchdacht", sagte die SPD-Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Sie fügte hinzu: "Nach unserer jetzigen Erkenntnislage sind wir im Kampf gegen den Terror gut aufgestellt. Unsere Sicherheitsbehörden haben bisher Anschläge verhindert und Straftäter rechtsstaatlich verfolgt."

hen/dpa/ddp/AP



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