Terrorismus Verdächtige orderten weiteren Bombengrundstoff

Die drei festgenommenen islamistischen Terrorverdächtigen hatten noch mehr Grundstoff für den Bombenbau bestellt. Bei ihrem Chemikalienhändler in Niedersachsen stehen weitere Fässer mit Wasserstoffperoxyd.


Hannover - Drei Fässer mit je 58 Litern Wasserstoffperoxyd stehen noch bei dem Händler in Nordniedersachsen. Die Verdächtigen hatten sie bestellt - aber nicht mehr abgeholt, sagte der Mann heute der Deutschen Presseagentur. Die Chemikalie ist ein Grundmaterial für Sprengstoff.

Bestellt und nicht abgeholt: Drei Fässer mit 35-prozentiger Wasserstoffperoxyd-Lösung
DPA

Bestellt und nicht abgeholt: Drei Fässer mit 35-prozentiger Wasserstoffperoxyd-Lösung

Als Abholer der 12 bereits gelieferten Fässer identifizierte der Händler den zum Islam konvertierten Glaubenskrieger Fritz G. aus Ulm. Der Mann habe den Bombengrundstoff seit Februar in monatlichem Rhythmus mit einem Kombi abgeholt und sei korrekt aufgetreten.

Am Anfang habe der mutmaßliche Terrorist ein bis zwei Fässer pro Fahrt mitgenommen, sagte der Händler, später seien es drei gewesen. Er selber habe das Wasserstoffperoxyd von einem Großhandel aus Hannover bezogen und für 200 Euro pro Stück verkauft. Irgendwann sei die Kriminalpolizei bei ihm aufgetaucht und habe wissen wollen, was der Mann gekauft habe. Er habe der Polizei dann auf deren Bitten von den weiteren Bestellungen berichtet. "Wenn die Kripo deswegen kommt, habe ich mir schon gedacht, dass es um Sprengstoff geht", meinte der Händler. An Terrorismus habe er aber nicht gedacht. "Das was da geplant war, zieht einem die Schuhe aus."

Die Terrorverdächtigen orderten das Wasserstoffperoxyd offenbar bewusst in einer geringeren Konzentration von 35 Prozent. Ab einer 50-prozentigen Lösung hätten sie nämlich eine Erklärung über den endgültigen Verbleib und eine Ausweiskopie abgeben müssen, erklärte der Händler. Durch Zusatz weiterer Chemikalien hätte das Wasserstoffperoxyd in ein hochexplosives Pulver verwandelt werden können, sagte der studierte Chemiker. "Da wäre richtig etwas passiert." Allein die mit Hilfe der bereits abgeholten Chemikalien mögliche Sprengkraft hätte die der Anschläge von Madrid und London nach Experteneinschätzung bei weitem übertroffen.

leer/dpa



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