Terrornetzwerk Fahnder nehmen drei Qaida-Verdächtige fest

Schlag gegen al-Qaida in Deutschland: Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat drei Personen festnehmen lassen, die mutmaßlich dem Terrornetzwerk angehören. Sie sollen in Nordrhein-Westfalen gefasst worden sein.

Karlsruhe - Die Bundesanwaltschaft hat am Freitag drei Terrorverdächtige festnehmen lassen. Die Beschuldigten, die vermutlich al-Qaida angehören, sollen am morgigen Samstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, erklärte die Behörde in Karlsruhe auf ihrer Web-Seite. Der Zugriff erfolgte durch Beamte des Bundeskriminalamts.

Die Hintergründe der Festnahme sind unklar, ebenso die Identität der mutmaßlichen Qaida-Mitglieder. Bundesanwalt Rainer Griesbaum und der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, wollen am Samstagvormittag bei einer Pressekonferenz die Details erläutern.

Laut Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ist es den Fahndern gelungen, "eine konkrete und bevorstehende Gefahr durch den internationalen Terrorismus abzuwenden". Der Vorfall zeige, dass Deutschland "nach wie vor im Fadenkreuz internationaler Terroristen" stehe, sagte der CSU-Politiker. Es gelte, "auch weiterhin wachsam zu bleiben".

Nach Informationen des ZDF wurden die Verdächtigen in Nordrhein-Westfalen festgenommen. Die Behörden vermuten, dass es Anschlagsplanungen gab. Die Dimension des Falls sei vergleichbar mit der Sauerland-Gruppe, die 2007 festgenommen worden war. Die vier Islamisten der Sauerland-Gruppe um Fritz Gelowicz wollten damals Anschläge in Deutschland verüben und hatten schon Vorbereitungen getroffen. Die Männer waren in einem Terrorcamp ausgebildet und auf Autobombenanschläge vorbereitet worden. Drei der Männer wurden festgenommen - der vierte Islamist wurde später in der Türkei gefasst.

In dem aktuellen Fall hätten die Ermittler die mutmaßlichen Terroristen laut ZDF längere Zeit beobachtet. Die Fahnder hätten zugeschlagen, bevor die drei Verdächtigen mit dem Bau einer Bombe beginnen konnten. Einer der Anführer soll in einem Terrorcamp im Ausland ausgebildet worden sein.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, würde es sich nicht um die ersten aus Deutschland stammenden Qaida-Mitglieder nach der Hamburger 9/11-Zelle handeln. 2009 wurde ein aus Pakistan stammender Händler aus Rheinland-Pfalz wegen Unterstützung des Terrornetzwerks verurteilt. Ein Jahr später kam der Bonner Dschihadist Bekkay Harrach in Afghanistan ums Leben. Er hatte im Herbst 2009 für Schlagzeilen gesorgt, als er im Namen al-Qaidas mit Anschlägen in Deutschland drohte.

Spätestens seit Harrachs Drohungen gehen Analysten bei den Sicherheitsbehörden davon aus, dass al-Qaida einen Anschlag in Deutschland durchführen oder initiieren möchte. Auch andere Terrorgruppen aus der Krisenregion am Hindukusch haben - teils mit Hilfe deutscher Rekruten - ihre antideutsche Propaganda angekurbelt, vor allem die Islamische Bewegung Usbekistan.

Eine weitere Gruppe, die Islamische Dschihad Union, hatte jene Anschläge in Auftrag gegeben, die die Sauerland-Gruppe in Deutschland verüben sollte. Beide Gruppen kooperieren zumindest gelegentlich mit al-Qaida. Ob den nun festgenommenen mutmaßlichen Personen außer der Mitgliedschaft Vorwürfe gemacht werden, ist noch unklar.

ffr/yas/dpa/dapd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.