Stuttgarter Terrorprozess Mutmaßlicher IS-Kämpfer begründet Syrien-Mission mit Trauma

Schicksalsschläge in der Familie, Drogenkonsum und Traumata: Der Hauptangeklagte im Stuttgarter Terror-Prozess hat gleich zu Beginn alle Register gezogen, um sich zu verteidigen.
Prozessbeginn in Stuttgart: Einer der drei Angeklagten wird in den Gerichtssaal gebracht

Prozessbeginn in Stuttgart: Einer der drei Angeklagten wird in den Gerichtssaal gebracht

Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

Stuttgart - Der Hauptangeklagte im Stuttgarter Terrorprozess hat seinen Einsatz für die radikale Miliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien mit seiner Familiengeschichte begründet. Großeltern, Onkel, Bruder und weitere Verwandte seien vom syrischen Regime verfolgt worden, erzählte Ismail I. zum Prozessauftakt vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht. Ein Bruder sei bei einem Raketenangriff durch syrische Truppen im Libanon umgekommen. Seine Oma sei in syrischer Haft mehrfach vergewaltigt worden.

"Meine Familie war stark traumatisiert", sagte der Sohn einer Syrerin und eines Libanesen, dessen Familie Anfang der Neunzigerjahre nach Deutschland kam. Der 24-Jährige, sein 34-jähriger Bruder Ezzedine I. und ein weiterer Mitangeklagter, Mohammad Sobhan A. (38) müssen sich wegen Mitgliedschaft und Unterstützung des IS vor dem 6. Staatsschutzsenat verantworten. Das Verfahren wird unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen in Stuttgart-Stammheim geführt.

Zu klären ist für das Gericht auch, ob es sich bei der Terrorgruppe, für die Ismail I. gekämpft hat, nicht etwa um "Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar" (JMA) gehandelt hat, die erst Ende 2013 im IS aufgegangen ist.

Ismail I. erhielt laut Anklage Mitte 2013 zwei Monate in Syrien eine militärische Ausbildung und absolvierte dann Wachdienste. Zudem soll er an einem Häuserkampf bei Aleppo gegen Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad beteiligt gewesen sein. Die beiden Mitangeklagten waren nicht in Syrien, sondern sollen Ismail I. bei der Beschaffung von Ausrüstung für die Kämpfer unterstützt haben. Das Trio flog im November 2013 auf. Das Personal eines Geschäfts für Jagdzubehör war stutzig geworden und hatte die Polizei informiert.

Eindrücklich berichtete Ismail I. über sein Leben, das nach dem Verlust eines ungeborenen Kindes mit seiner damaligen Frau aus den Fugen geraten war. Nach seiner Scheidung sei er "demoralisiert" gewesen und habe die Berufsschule wegen Drogenkonsums abgebrochen. Hilfesuchend habe er eine Moschee besucht, wo man ihm eine Pilgerfahrt nach Mekka empfohlen habe. Diesen Rat befolgte er 2013. Nach der zweimonatigen Reise setzte er sich laut Anklage über die Türkei nach Nordsyrien ab. Der Verteidiger von Ismail I. sagte, ihm schwebe eine Freiheitsstrafe zur Bewährung vor.

jbe/dpa
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