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04. März 2010, 12:36 Uhr

Terrorurteil

Geständnisse bringen Sauerland-Gruppe Strafrabatt ein

"Todesengel im Namen des Islam": Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hat die vier Angeklagten im Sauerland-Prozess zu langjährigen Haftstrafen verurteilt - und prangerte deren "verquere Dschihad-Ideen" an. Ihre Geständnisse brachten am Ende Strafnachlass.

Düsseldorf - Die Bilanz eines der aufwendigsten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte fällt auf Seiten des Richters deutlich aus. "Sie haben ein ungeheures Blutbad mit einer unübersehbaren Zahl von Toten geplant", sagte Richter Ottmar Breidling am Donnerstag bei der Urteilsverkündung im Düsseldorfer Oberlandesgericht zu den vier Angeklagten. Diese hätten 150 amerikanische Militärangehörige töten wollen, sagte er. "Einen Anschlag von einem solchen Ausmaß hat es in Deutschland noch nicht gegeben und auch nicht solche Pläne."

Die vier Männer seien "hasserfüllte, von verqueren Dschihad-Ideen verblendete junge Menschen", die sich "zum Todesengel im Namen des Islam erhoben". In den Köpfen der Angeklagten habe die Vorstellung von einem "zweiten 11. September" herumgespukt. Der islamische Terrorismus sei eine "Geißel unserer Zeit" und greife um sich, sagte Breidling. Die Geständnisse der Angeklagten hätten einen außergewöhnlich tiefen Einblick in die Strukturen des islamischen Terrorismus gegeben.

Die beiden zum Islam konvertierten Deutschen Fritz Gelowicz und Daniel Schneider erhielten eine Haftstrafe von jeweils zwölf Jahren, wie das Oberlandesgericht entschied. Der türkische Staatsbürger Adem Yilmaz wurde zu elf Jahren Haft verurteilt. Als Helfer des Trios muss der Deutsch-Türke Attila Selek fünf Jahre hinter Gitter. Die Verteidiger hatten jeweils deutlich geringere Strafen beantragt.

Richter Ottmar Breidling begründete das Strafmaß für Schneider damit, dass dieser sich der Festnahme widersetzt und dabei die Tötung eines Polizisten in Kauf genommen habe. Von der Gruppe sei eine "ungeheure Bedrohung" ausgegangen, sagte Breidling in seiner Urteilsbegründung. Strafmildernd wirkte sich allein die Tatsache aus, dass alle vier umfassende Geständnisse abgelegt hatten.

In dem rund zehnmonatigen Verfahren legten die Angeklagten nach anfänglichem Schweigen umfangreiche Geständnisse ab. Die Einlassungen sind der Hauptgrund, dass das Verfahren deutlich schneller abgewickelt werden konnte als zu Beginn erwartet.

Die Angeklagten hatten vor Gericht zugegeben, im Auftrag der Islamischen Dschihad Union (IJU) in Deutschland Autobomben-Anschläge auf US-Soldaten in Discos, Kasernen und Flughäfen geplant zu haben. Ziel sei der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan gewesen. Drei der Angeklagten hatten sich allerdings in ihrem Schlusswort vom Terrorismus losgesagt und ihre Anschlagspläne bedauert.

Düsseldorfer Gericht blieb unter der Forderung der Anklage

Das Gericht blieb mit der Entscheidung in allen vier Fällen unter der Forderung der Bundesanwaltschaft. Die Bundesanwaltschaft hatte für Daniel Schneider 13 Jahre Haft gefordert, mehr als für die anderen, weil sie ihm vorwirft, zusätzlich auf einen Polizisten geschossen zu haben. Gelowicz sollte demnach zwölf Jahre und sechs Monate hinter Gitter, Adem Yilmaz ein Jahr weniger. Bei Selek plädierte die Anklage auf fünfeinhalb Jahre. Er leistete lediglich Unterstützungsdienste.

Gelowicz und Yilmaz wurden unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Verabredung zum Mord verurteilt, Schneider zusätzlich wegen versuchten Mordes. Bei Selek sah das Gericht den Vorwurf der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung als bewiesen an.

Drei der Angeklagten waren am 4. September 2007 in einer spektakulären Polizeiaktion in einem Ferienhaus im sauerländischen Medebach festgenommen worden. Dorthin hatten sie sich zurückgezogen, um ihre Bomben zusammenzubauen. Schon vor dem Zugriff hatten die Ermittler die gefährliche Mischung mit Wasserstoffperoxid allerdings gegen eine harmlose Ersatzflüssigkeit ausgetauscht. Der vierte Angeklagte, Attila Selek, war in der Türkei festgenommen worden.

ffr/apn/ddp/dpa/Reuters/AFP

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