Terrorwarnungen 2010 Hamburger Islamisten waren an Qaida-Plan beteiligt

An den Al-Qaida-Plänen, die im Herbst 2010 zu Terrorwarnungen in Europa führten, waren vier Hamburger Islamisten beteiligt. Nach Informationen des SPIEGEL bereiteten sich die Männer in Pakistan auf Aktionen vor. Einer von ihnen steht nun in Koblenz vor Gericht.

Polizist vor dem Reichstag in Berlin im November 2010: Hamburger Islamisten beteiligt
AFP

Polizist vor dem Reichstag in Berlin im November 2010: Hamburger Islamisten beteiligt


Hamburg - Herbst 2010 in Deutschland: An Flughäfen und Bahnhöfen finden bewaffnete Polizeikontrollen statt, der Reichstag ist mit Absperrgittern eingezäunt, Terror-Fahnder sind im Dauereinsatz. Weil sie erstmals konkrete Hinweise auf einen geplanten Anschlag in Deutschland hatten, weiteten die Behörden damals die Sicherheitsmaßnahmen massiv aus.

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Heft 9/2012
Wer sind sie - und warum so viele?

In die Planung der terroristischen Kommandoaktionen, die zu den dramatischen Warnungen in Europa führten, waren laut Informationen des SPIEGEL vier Hamburger Islamisten involviert. Das geht aus der 114-seitigen Anklageschrift gegen Ahmad Sidiqi hervor. Der Deutsch-Afghane steht ab dem 19. März vor dem Koblenzer Oberlandesgericht. In dem Schriftsatz heißt es, vier Mitglieder der sogenannten "Hamburger Reisegruppe" hätten sich in Pakistan auf Aktionen der Terrororganisation Al-Qaida in Deutschland vorbereitet.

Neben Sidiqi sollen Rami Makanesi, Shahab Dashti und Naamen Meziche zu denjenigen gehört haben, die in Waziristan an der Waffe trainierten. Im Auftrag des Mauretaniers Scheich Mohamad Younis, den sie als Außenminister von al-Qaida bezeichneten, sollten Meziche und Dashti zunächst in den Iran reisen. Dort sollte sich Dashti wegen eines Auftritts in einem Propagandavideo einer plastischen Gesichtsoperation unterziehen.

Ermittler haben die Qaida-Pläne detailliert rekonstruiert. Diese sahen demnach vor, die Männer zu einem späteren Zeitpunkt zu informieren, in welches europäische Land sie weiterreisen sollten, um für die Organisation Strukturen aufzubauen. Sidiqi und Makanesi waren für eine Zelle in Deutschland vorgesehen.

Derzeit wäre wohl nur Meziche in der Lage, den ursprünglichen Terrorplan weiter zu verfolgen. Sidiqi und Makanesi wurden verhaftet. Dashti starb bei einem US-Drohnenangriff. Obwohl Osama Bin Laden tot ist und Scheich Younis al-Mauretani im vergangenen September in Pakistan festgenommen wurde, glauben Ermittler des Bundeskriminalamts, dass die Pläne der Terrorgruppe weiterhin aktuell sein könnten.

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.freedom. 26.02.2012
1. Überwachungswahn
Man hätte darauf wetten können, dass nach Bekanntwerden des Übwachungswahn solche Berichte auftauchen. Will man mit solchen Berichten jetzt das rechtlich fragwürdige Vorgehen des BKA, Geheimdienst etc. rechtfertigen?
Reqonquista 27.02.2012
2. Ruheort
Zitat von sysopAFPAn den Al-Qaida-Plänen, die im Herbst 2010 zu Terrorwarnungen in Europa führten, waren vier Hamburger Islamisten beteiligt. Nach Informationen des SPIEGEL bereiteten sich die Männer in Pakistan auf Aktionen vor. Einer von ihnen steht nun in Koblenz vor Gericht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,817705,00.html
Das Ziel dieser Leute ist es die Feinde des Islam zu bekämpfen. Dafür schrecken sie auch nicht vor Gewalt zurück. Bis jetzt ist Deutschland Ruheraum und Rückzugsgebiet für diese Leute gewesen. Behandelt man so ein Land, dass diesen Menschen Unterkunft und Nahrung gegeben hat? Selbst die Beduinenvölker wären über so ein Verhalten sehr verärgert. Haben wir es hier "nur" mit Terrorismus zu tun, oder ist es eine breitere Bewegung? Wenn Menschen od. Religiöse die Menschen nicht als gleich erachten und verschiedenwertig ansehen, dann ist das in der Geschichte nie gut gegangen. Die Judensterne in D sind ein Beleg dafür. Hoffentlich gibt es auch für diese Leute mal eine Auklärung im Sinne der Menschenrechte und Gleichheit aller Religionen und Nicht-Religiösen.
hhismanic 27.02.2012
3. Wetten?
Zitat von .freedom.Man hätte darauf wetten können, dass nach Bekanntwerden des Übwachungswahn solche Berichte auftauchen. Will man mit solchen Berichten jetzt das rechtlich fragwürdige Vorgehen des BKA, Geheimdienst etc. rechtfertigen?
Man hätte auch darauf wetten können, dass DIESE Reaktion kommt. Als seinerzeit vor Anschlägen gewarnt wurde, war es angeblich nur Panikmache, von Sicherheitskreisen geschickt gestreut zur Existenzberechtigung. Nun gibt es Namen und eine Anklage, aber selbstverständlich ist das alles nur die Ausgeburt eines Überwachungswahns. Was brauchen Sie eigentlich, um zu erkennen, dass diese Jungs in Waziristan keine Pfadfinderlager abhalten?
norten 04.03.2012
4. Islamist = Terrorist?
Ist den Autoren dieses Artikels eigentlich bewusst das die hier genannten Islamisten Terroristen sind, oder wird billigend in Kauf genommen alle Anhänger des Islam als Terroristen zu verunglimpfen. Ich bin sehr entsetzt wie leichtfertig mit dem Begriff Islamist umgegangen wird, ohne zu berücksichtigen wie viele Menschen es auch bei uns gibt die sich in friedlicher Art zum islamischen Glauben bekennen. Wir würden es auch nicht sehr begrüssen wenn Christen mit Terroristen gleichgesetzt werden.
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