Terrorwarnungen Polizei sperrt Reichstagskuppel für Besucher

Die Hauptstadt rüstet sich gegen einen möglichen Angriff islamistischer Terroristen: Die Berliner Polizei hat ihre Sicherheitsmaßnahmen rund um den Reichstag drastisch verschärft. Jetzt wurde die Kuppel für Besucher gesperrt.


Berlin - Die Kuppel und die Dachterrasse des Reichstagsgebäudes in Berlin sind bis auf Weiteres für Besucher gesperrt. Dies teilte ein Sprecher des Bundestags mit. Ein Zugang für angemeldete Gäste des Dachrestaurants sei gewährleistet. Auch bleibe für angemeldete Besuchergruppen der Besuch des Reichstagsgebäudes weiterhin möglich. Die Beratungen des Bundestages in dieser Woche zum Haushalt "finden aber selbstverständlich statt", so der Sprecher. Es gebe auch "innere Sicherheitsmaßnahmen". Nähere Angaben wurden dazu nicht gemacht.

Zuvor hatte Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) erklärt, die Kontrollen und andere Sicherheitsmaßnahmen seien rund um das Reichstagsgebäude in "erheblichem Umfang" verstärkt worden. Körting sprach von zusätzlichen Sperren und 60 Polizisten rund um das Gebäude. Hinweise, wonach eine Gruppe von Terroristen unterwegs sei und es konkrete Objekte als Anschlagsziele gibt, nannte er "plausibel". Deshalb seien seit Montag zusätzliche Sicherheitskräfte vor dem Reichstagsgebäude stationiert, so Körting weiter. Der Senator sprach von "vielen Unwägbarkeiten". "Das, was uns vorliegt, gibt uns Anlass zur Sorge, aber keinen Anlass zur Hysterie", sagte der SPD-Mann. Er machte zugleich deutlich, dass in einer freiheitlichen Gesellschaft "ein absoluter Schutz vor terroristischen Angriffen nicht möglich ist".

Bereits seit Donnerstag vergangener Woche ist das Gebäude im Zentrum Berlins mit zusätzlichen Absperrgittern gesichert.

Nach SPIEGEL-Informationen liegen den Sicherheitsbehörden Hinweise vor, dass Terroristen angeblich einen Anschlag auf den Reichstag planen, mit einer Geiselnahme und einem anschließenden Blutbad.

Regierung will keine Details nennen

Regierungssprecher Steffen Seibert wollte keine näheren Informationen zur aktuellen Gefahrenlage geben. "Es gibt schon viel zu viele Spekulationen im Land", sagte er in Berlin. "Sie werden von uns da nicht viel mehr an Preisgabe von Detailinformationen erwarten können." Bislang hätten die Polizei und anderen Sicherheitsbehörden gute Arbeit geleistet.

Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern arbeiteten "insgesamt mit Hochdruck und großer Intensität". Derzeit seien etwa 1000 Personen im Blickfeld der Behörden. Darunter seien etwa 130 "Gefährder", die politische Straftaten mit erheblicher Bedeutung begehen könnten.

Die Sicherheitsbehörden gehen seit Tagen von einer erhöhten Terrorgefahr für Deutschland, insbesondere für Berlin aus. Auch das Abgeordnetenhaus als Sitz des Landesparlaments wurde am Montag verstärkt kontrolliert. Entgegen der sonstigen Praxis mussten sich Besucher am Haupteingang ausweisen. Einzelne Sitzungssäle wurden von zusätzlichen Polizeikräften bewacht. Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte am Mittwoch vergangener Woche eine sogenannte Einsatzanordnung zum Schutz bestimmter öffentlicher Einrichtungen erlassen. Ordnungskräfte, die Einrichtungen regulär bewachen, müssen seither auch Schutzwesten und Maschinenpistolen tragen.

An Berliner U- und S-Bahnhöfen werden Passagiere seit mehreren Tagen über Anzeigetafeln zur Wachsamkeit aufgerufen. "Sicherheitshinweis: Bitte achten Sie auf verlassene Gegenstände und Gepäck in den Zügen und den Bahnhöfen", heißt es dort. Auch auf zentralen Plätzen ist deutlich mehr Polizei zu sehen als sonst, teilweise auch mit schwerer Bewaffnung.

anr/mmq/dpa/dapd/Reuters

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boell 18.11.2010
1.
Zitat von sysopDie Terrorwarnung von Innenminister de Maizière hat eine neue Sicherheitsdebatte ausgelöst. Ist der Terrorschutz in Deutschland ausreichend?
Der Terrorismus hat sein Ziel auf ganzer Linie erreicht: Selbstterorisierung spart eigene Kräfte, eine alte militärische Lehre.
DerkurzeEugen, 18.11.2010
2. "der Terrorist mit der Bombe unterm Arm" ist schon unterwegs
Und wer oder was ist Schuld daran ? Natürlich, wir alle, die wir uns gegen den Polizeistaat wehren, die wir z.B. die Vorratsdatenspeicherung verhindert haben. Uhl: "Ohne Vorratsdatenspeicherung können die Menschen nicht mehr geschützt werden. Das ist völlig undenkbar." Ich frage mich, wie es uns so lange ohne Vorratsdatenspeicherung gelungen ist, das Land vor den Terror-Bombern zu schützen !? Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall, lieber Herr Uhl und ich hoffe es bleibt - wie bisher - dabei, dass wir keine Daten auf Vorrat speichern UND keinen Terror im Lande haben.
peter-bömmler 18.11.2010
3.
Das sehe ich genauso ... de Maizière: ".. die Bürger sollen wachsam sein.." hä, worauf soll ich denn GENAU aufpassen ?
plumperquatsch 18.11.2010
4.
Sehr erfeulich ist aber, daß offensichtlich kaum noch einer der Foren Nutzer auf die gefakten "Terror" Warnungen hereinfällt. Betrüblich ist jedoch, die zunehmende Gleichschaltung der Medien. Alles wird gut...
helmers 18.11.2010
5. Einladung an Terroristen aus dem Jemen
Warum hat man schon wieder voreilig die Sperre des Flugverkehrs mit dem Jemen aufgehoben, diese Frage muss die Bundesregierung und die Kanzlerin beantworten, wenn dies hier in unserem Land für Sicherheit sorgen soll, dann ist dies hundert Prozent der falsche Schritt gewesen.
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