Test auf Hamburger Flughafen Bund kauft Nacktscanner bei Streubomben-Hersteller

Ab September testet die Bundespolizei auf dem Hamburger Flughafen den Einsatz von Körperscannern - jetzt kommt heraus: Die ersten beiden Geräte erwirbt der Bund ausgerechnet bei einer US-Firma, die auch die umstrittenen Streubomben baut. Kriegswaffen-Gegner sind empört.
Passagier vor Körperscanner in Amsterdam: Fragwürdiger Deal

Passagier vor Körperscanner in Amsterdam: Fragwürdiger Deal

Foto: ddp

Nacktscanner

Frankfurt am Main - Schon der Probebetrieb von Körperscannern bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen dürfte für viele Reisende gewöhnungsbedürftig werden. Nun sorgt auch noch die Herkunft der Testgeräte für den Hamburger Flughafen für Irritationen. Denn die Bundespolizei bezieht die von einem US-Hersteller von Streubomben, berichtete die "Frankfurter Rundschau" an diesem Mittwoch.

Die Geräte für den Probebetrieb würden von der Firma L3 Communications Security and Detection Systems hergestellt, hieß es. Das Unternehmen sei eine Tochterfirma des sechstgrößten US-Rüstungskonzerns L3 Communications und gehöre laut einer aktuellen Analyse einer Hilfsorganisation zu den weltweit noch sieben Herstellern der international geächteten Streubomben.

Dem Bericht zufolge bestätigte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums, dass die Bundespolizei die Testgeräte von L3 Communications Security and Detection Systems bezieht. Dies sei aber noch keine Vorentscheidung für den Hersteller, sagte er demnach. Für den Testlauf am Flughafen Hamburg würden zunächst nur zwei Geräte des Herstellers aufgebaut.

Sollten alle deutschen Flughäfen mit Körperscannern ausgestattet werden, werde noch einmal neu nach einem Lieferanten gesucht. "Dann gehen wir den klassischen Weg der Ausschreibung. Aber das ist noch Zukunftsmusik", zitierte die Zeitung den Sprecher.

Kriegswaffen-Gegner werfen Regierung Doppelmoral vor

Anti-Landminen-Organisationen kritisierten das Geschäft der Bundesregierung mit dem US-Hersteller und warfen ihr Doppelmoral vor. "Man kann nicht eine Waffe ächten und dann parallel dazu die Produkte eines Herstellers kaufen, der auch Streubomben herstellt", sagte der Geschäftsführer von Handicap International in Deutschland, François De Keersmaeker.

Juristisch sei das Geschäft zwar nicht angreifbar, aber es sei moralisch und politisch verwerflich, sagte er. "Das ist eine indirekte Unterstützung der deutschen Regierung an die Produzenten von Streubomben."

Der Direktor des Aktionsbündnisses Landmine.de, Thomas Küchenmeister, forderte die Bundesregierung auf, das Geschäft zu überdenken. "Wenn man sich den Geist der Konvention zu eigen machen würde, müsste man auf solche Auftragsvergaben verzichten", sagte er.

Innenminister Thomas de Maizière hatte vor wenigen Tagen den Testbetrieb von Körperscannern am Hamburger Flughafen ab Ende September angekündigt.

mmq/AFP