Neue konservative Kampagnenagentur Wer steckt hinter »The Republic«?

»Wir stoppen den politischen Linksdrift«: Im Umfeld der Unionsparteien ist ein rechtes Portal entstanden, das insbesondere die Grünen zu attackieren sucht. Und Friedrich Merz spielt auch eine Rolle.

»Ein bürgerliches Deutschland« gibt »The Republic« als Mission aus, ein am Donnerstag gestartetes Projekt, das konservative Kräfte stärken möchte. »Wir stoppen den politischen Linksdrift in Deutschland. Wir bieten dem bürgerfeindlichen Klima die Stirn und geben denen, die unser Land am Laufen halten, eine starke Stimme«, heißt es auf der Website der Agentur, die neben Kampagnen wie »Gender-Ideologie stoppen!« auch aktuelle Meldungen und Artikel bietet.

Ein zum Start des Projekts in den sozialen Netzwerken veröffentlichtes Video beginnt mit düsteren Klängen und der Frage »In welchem Land wollen wir leben?« Dazu läuft ein Ausschnitt aus der »Tagesschau« zum Thema Enteignungen.

Es folgen Passagen mit Äußerungen prominenter Grüner und Sozialdemokraten wie Annalena Baerbock und Kevin Kühnert sowie Ausschnitte weiterer Nachrichtensendungen. Unter anderem geht es um den Protest gegen den Kohleabbau in Nordrhein-Westfalen, die Kölner Silvesternacht 2016 und mutmaßlich linksextreme Angriffe auf Polizisten. Am Ende heißt es, das Land stehe am Scheideweg, und: »Wir haben es in der Hand! Gemeinsam in die Offensive!«

CDU-Politiker Merz

CDU-Politiker Merz

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Geschäftsführer von »The Republic« ist Armin Petschner-Multari, der vorher für den Social-Media-Auftritt der CSU-Landesgruppe im Bundestag verantwortlich war. In dieser Funktion moderierte der heute 32-Jährige auch die Videoreihe »CSYou«, mit der die Union auf das vor der Europawahl 2019 erschiene Video des YouTubers Rezo namens »Die Zerstörung der CDU« reagierte.

Laut »Welt« arbeiten im Berliner Büro der Agentur drei Vollzeitkräfte und vier Werkstudenten. Finanziert wird die Agentur den Angaben zufolge über Spenden, laut Petschner-Multari kamen bereits 200.000 Euro zusammen, das Ziel sei zunächst eine halbe Million. »The Republic« zufolge kommen die Unterstützer des Projekts aus CDU, CSU und FDP.

Eine davon sei auch die CSU-Politikerin Dorothee Bär, hieß es zunächst in einem Medienbericht. Diese dementierte aber. Christoph Ploß, Chef der Hamburger CDU, stehe dem Vorhaben positiv gegenüber, schreibt das »Handelsblatt«. Zu den Unterstützern zählt sich auch Friedrich Merz: »Ich habe die Entwicklung dieses Projekts mit Interesse verfolgt und wünsche den Initiatoren im Sinne der Meinungsvielfalt in Deutschland viel Erfolg«, sagte er der »Bild«-Zeitung.

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Sicherheitsexperte Peter Neumann dagegen, der im Wahlkampf Teil von Armin Laschets »Zukunftsteam« war, schrieb auf Twitter, »The Republic« sei »AfD-affiner Ramsch und hat mit der bürgerlich-liberalen Christdemokratie, der ich seit einem Vierteljahrhundert anhänge, nichts zu tun«.

Am Freitag twitterte Kampagnenmacher Petschner-Multari selbstkritisch: »Wir werben für liberal-konservative Werte – teilweise provokant und zugespitzt. Wir stehen aber auch ganz am Anfang und müssen uns stellenweise sicher noch einpendeln.«

Als Kolumnistin für die Seite tätig ist die Tochter des bekannten CDU-Politikers Wolfgang Bosbach, die unter anderem als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag arbeitet und im Juli ein Buch mit dem Titel »Schwarz auf Grün: Was die schweigende Mehrheit umtreibt. Für eine neue Politik der Mitte« veröffentlichte.

Mehrere Texte auf der Seite beschäftigen sich kritisch mit den Grünen und Klimaaktivisten. Ein Text über die »grüne Medienphalanx« ist mit einem Bild von Baerbock in der ARD illustriert, dazu die Zeile: »Der Nimbus bröckelt.«

In einer Meldung zum für diesen Freitag angekündigten Fridays-for-Future-Protest fällt der Vorwurf, die Bewegung habe demokratische Prozesse »wohl nur partiell verstanden«. An anderer Stelle heißt es, »dass sich vor allem die FFF-Jünger mit nicht weniger als dem industriellen Niedergang Deutschlands zufriedengeben werden«.

In der Union, die sich gerade für die Oppositionsarbeit sortiert, scheint man damit nicht unglücklich. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller, twitterte am Donnerstag: »Die bürgerliche Mitte in Deutschland hat im digitalen Raum deutlichen Nachholbedarf, hier geht #TheRepublic neue Wege.« Er werde das Projekt »gerne unterstützen«.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.