Umstrittener Plan eines Thüringer SPD-Politikers Mit Sarrazin Wähler von der AfD abwerben?

Er wolle so AfD-Wähler zurückgewinnen: Der Thüringer SPD-Politiker Oskar Helmerich plant eine Lesung mit Thilo Sarrazin vor der Europawahl. Seine Parteikollegen sind verärgert.

Sorgt für Ärger in Thüringer SPD: Thilo Sarrazin
Georg Hochmuth/DPA

Sorgt für Ärger in Thüringer SPD: Thilo Sarrazin


Der frühere SPD-Politiker Thilo Sarrazin provoziert mit seinen Büchern wie kaum ein anderer Autor in Deutschland. Die SPD würde ihn gern loswerden, versuchte mehrfach, ihn aus der Partei auszuschließen. Ohne Erfolg. Nun sorgt eine geplante Lesung des früheren Berliner Finanzsenators in Thüringen für Zoff in den Reihen der Genossen.

Denn die Idee zu der Veranstaltung stammt vom SPD-Landtagsabgeordneten Oskar Helmerich. Dieser plant eine Veranstaltung mit dem umstrittenen Autoren kurz vor der Europawahl. Helmerich hatte zunächst für die AfD im Landtag gesessen und war im Streit um den Kurs von Landeschef Björn Höcke zur SPD gewechselt.

SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee kritisierte den Plan mit deutlichen Worten auf Twitter. Die Lesung aus Sarrazins islamkritischen Buch "Feindliche Übernahme" am 22. Mai - vier Tage vor der Europawahl - sei "ein unabgesprochener Alleingang von Oskar Helmerich, keine Veranstaltung der Thüringer SPD", schrieb er. "Ich distanziere mich ausdrücklich und scharf von ihm und den islamfeindlichen Aussagen."

Thüringens SPD-Innenminister Georg Maier schloss sich den Worten Tiefensees an. Er distanziere sich von der Veranstaltung, sagte er dem SPIEGEL. "Das war ein Alleingang des Abgeordneten Helmerich."

Nach der Veröffentlichung seines Buchs, in dem Muslime als Bedrohung dargestellt werden, hatte die SPD-Spitze den 74-jährigen Sarrazin vergeblich aufgefordert, von sich aus auszutreten.

Helmerich sagte der "Thüringer Allgemeinen": "Die Einladung ist eine Maßnahme, die in das politische Konzept der Thüringer SPD passt, um Wähler zu werben, die zur AfD abgewandert sind." Eine Parteiausschluss-Debatte gegen sich befürchtet er demnach nicht - im Landtag hat Rot-Rot-Grüne nur eine Mehrheit von einer Stimme.



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mho/dpa



insgesamt 36 Beiträge
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wollipößneck 30.03.2019
1.
Nun hat das Trojanische Pferd die Tür geöffnet. Die SPD braucht keine Gegner. Helmerich hat damit seinen Listenplatz verspielt und wird bald bei der CDU anheuern wollen. Einfach nur bezeichnend für den Verfall. Die AfD kann sich freuen.
cookie1 30.03.2019
2. Spannend
Eine neue Diskussion muss möglich sein. Es kann niemand bestreiten,dass Deutschland sich verändert hat. Meinungen werden nicht mehr respektiert.Menschen werden ausgegrenzt. Sarrazin hat die Erlöse aus seinen Büchern gar nicht nötig, Er ist ein deutscher Patriot nicht mehr und nicht weniger. Eine Talkshow mit ihm und der SPD wäre richtig spannend.
Sendungsverfolger 30.03.2019
3. Wo man hingehört
Oh Himmel, lasst doch die AfD-Wähler da, wo Sie hingehören. Man (die Politik) meint immer noch, dass man mit irgendwelchen komischen Aktionen Wähler in eine bestimmte Richtung zurückbringen kann. Nein, kann man nicht. Wer so "sozialisiert" ist, dass er die AfD wählt, dem kann man nicht mit irgendwelchen rationalen Argumenten kommen. Der ist einfach intelektuell verloren. Das ist die übliche 20%-Ausschuss-Regel, die für jeder Gruppe und in jeder Beziehung ungefähr gilt. Und so weiß man wenigstens wo wer steht, dann muss man nicht befürchten, dass sich diese Gruppe irgendwo versteckt (wie teilweise bei der CSU). Lebt einfach damit. Punkt
germaninchina 30.03.2019
4. Super Idee
Es werden Wähler vom rechten Rand gewonnen, indem selbst rechte Politik gemacht wird? Noch ein Grund, nicht SPD zu wählen.
fatal.justice 30.03.2019
5. Danke.
Zitat von cookie1Eine neue Diskussion muss möglich sein. Es kann niemand bestreiten,dass Deutschland sich verändert hat. Meinungen werden nicht mehr respektiert.Menschen werden ausgegrenzt. Sarrazin hat die Erlöse aus seinen Büchern gar nicht nötig, Er ist ein deutscher Patriot nicht mehr und nicht weniger. Eine Talkshow mit ihm und der SPD wäre richtig spannend.
Menschen werden ausgegrenzt. Oder meinen Sie Deutsche mit Geburtsurkunden bis zum Dreißigjährigen Krieg? Deutschland verändert sich sekündlich. Sogar wenn Sie meinen, dass Ihre Vorfahren Deutsche wären (die sie niemals sein können), wird Deutschsein immer ein Konstrukt bleiben. Vererbungslehre macht vor späteren politischen Grenzen keinen Halt. Im Grunde sind Sie wie ich nur Abkommen von Affen - sofern sie damals schwimmen konnten. Wenn mans ganz brutal runterbrechen wollte, sind Europäer nur albinoeske Fehlmutationen. ;)
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