Innenminister de Maizière Weniger Islamisten aus Deutschland ziehen in den Dschihad 

Innenminister de Maizière warnt vor mehr als 250 Islamisten, die aus Kampfgebieten im Nahen Osten zurück nach Deutschland gekommen sind. Sie hätten "gelernt, zu hassen und zu töten".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière
AFP

Bundesinnenminister Thomas de Maizière


Deutsche Sicherheitsbehörden haben zuletzt etwas weniger Ausreisen in die Dschihad-Gebiete in Syrien und im Irak beobachtet. Unter den Islamisten, die noch in die Konfliktzone im Nahen Osten gehen, sind allerdings vermehrt Frauen und Mädchen.

Diese aktuelle Bilanz zog Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei einer internationalen Anti-Terrorismus-Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Berlin. Insgesamt sind demnach etwa 4500 bis 5000 Islamisten aus Europa nach Syrien und in den Irak aufgebrochen, etwa 810 davon aus Deutschland.

Etwa ein Drittel dieser deutschen Dschihad-Reisenden seien inzwischen wieder in der Bundesrepublik. Diese Rückkehrer seien besonders gefährlich, sagte de Maizière, weil einige von ihnen völlig verroht seien. "Sie haben gelernt, zu hassen und zu töten." Es gebe aber auch Rückkehrer, die seien durch ihre Erfahrungen in den Kampfgebieten so "bedient", dass sie "nie wieder Gewalt anwenden", zeigt sich der Innenminister überzeugt.

Weiter sagte de Maizière: Der "Islamische Staat"(IS) in Syrien und im Irak habe in den vergangenen Monaten deutliche Rückschläge hinnehmen und sich aus eroberten Gebieten zurückziehen müssen. "Ob damit bereits eine Trendwende eingeleitet ist oder ob deswegen nicht vielmehr die Gefahr asymmetrischer Verlagerung von Bedrohung etwa nach Europa sogar zunehmen könnte, bleibt abzuwarten." Wenn der IS in Syrien und dem Irak aber weiter zurückgedrängt werde, müssten die Behörden noch stärker auf die nach Deutschland und Europa zurückkehrenden Islamisten achten.

De Maizière setzt auf Repression

Lange hätten die Sicherheitsbehörden gedacht, das Internet sei Auslöser für eine Radikalisierung junger Menschen, erklärte der Innenminister. Inzwischen wisse man jedoch, dass der Auslöser immer Menschen seien und das Internet die Radikalisierung nur beschleunige.

"Niemand kommt radikal zur Welt", so de Maizière. Prävention sei enorm wichtig, um zu verhindern, dass sich junge Leute Fanatikern anschlössen. "Aber ohne Repression wird Prävention nicht funktionieren."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, gewaltbereiter Extremismus und Terrorismus müssen stärker an ihren Wurzeln zu bekämpft werden. "Um Terrorismus nachhaltig zu verhindern, müssen wir die gesellschaftlichen Ursachen von Radikalisierung und Extremismus angehen", sagte Steinmeier.

Es müsse im Kampf gegen den Terrorismus bereits dort angesetzt werden, "wo die Gefahr von Radikalisierung besonders groß ist", sagte Steinmeier. "Dort, wo Menschen Perspektiven fehlen, ein Koordinatensystem für friedliches Zusammenleben. Dort, wo gerade junge Menschen mit der Propaganda von Terroristen in Berührung kommen, wo sie angeworben und für extremistische Ziele gewonnen werden."

Ein wichtiges Ziel der Anti-Terror-Tagung der OSZE ist neben der Bekämpfung des Dschihadismus auch der Umgang mit aus Konfliktgebieten zurückkehrenden Extremisten und mögliche Wege zu ihrer Reintegration in die Gesellschaft.

anr/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.