Terrorgefahr De Maizière will Großveranstaltungen besser sichern

Fußball, Karneval, Oktoberfest - Innenminister de Maizière kündigt im SPIEGEL schärfere Sicherheitsmaßnahmen für Großereignisse an. Aber: Terrorakte ließen sich nicht "mit letzter Sicherheit" verhindern.

Polizist vor der HDI-Arena in Hannover
DPA

Polizist vor der HDI-Arena in Hannover


Nach den Anschlägen von Würzburg und Nizza hält Innenminister Thomas de Maizière schärfere Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland für unvermeidlich. "Wir werden uns bei großen öffentlichen Veranstaltungen wie Faschingsumzügen, Fußballspielen, Kirchentagen oder Oktoberfesten mitunter an intensivere Sicherheitsvorkehrungen gewöhnen müssen", sagte der CDU-Politiker dem SPIEGEL. Lesen Sie hier das vollständige Interview im neuen SPIEGEL.

Was bedeutet das konkret? "Das können strengere Einlasskontrollen sein oder weiträumige Absperrungen. Es wird zum Teil auch längere Schlangen bei Großveranstaltungen geben", sagte de Maizière. Er sei aber "dagegen, dass wir unser freiheitliches Leben, gerade auch zu fröhlichen Anlässen, grundsätzlich verändern".

Der Minister räumte ein, dass trotz aller Anstrengungen der Sicherheitsbehörden weitere Anschläge nicht ausgeschlossen werden könnten: "Kein Rechtsstaat der Welt ist imstande, jede Straftat, jeden Amoklauf oder jeden Terrorakt mit letzter Sicherheit zu verhindern."

Es gehöre leider zum menschlichen Leben dazu, dass es solche Gewaltexzesse gebe: "Wir tun alles dafür, so etwas zu verhindern, aber bis zu einem gewissen Ausmaß muss eine Gesellschaft das aushalten, so bitter das ist."

Thomas de Maizière
AFP

Thomas de Maizière

Nahe Würzburg hatte am vergangenen Montag ein 17-Jähriger in einem Regionalzug mehrere Menschen mit einer Axt angegriffen und schwer verletzt. Er wurde von der Polizei erschossen. Am 14. Juli war ein 31-jähriger Franzose mit tunesischen Wurzeln mit einem Lastwagen durch eine Menschenmenge auf der Strandpromenade von Nizza gerast. Er tötete 84 Menschen, bis die Polizei ihn erschoss.

Geheimdienste sollen besser kooperieren

Die jüngsten Anschläge haben auch auf europäischer Ebene Aktivität ausgelöst. So fordert Rob Wainwright, der Chef der europäischen Polizeibehörde Europol, eine bessere Vernetzung der Datenbanken zur Terrorismusbekämpfung. "Wir erleben immer mehr, dass Terroristen wie in Paris oder Brüssel eine Vergangenheit als Kleinkriminelle haben", sagte er dem SPIEGEL: "Diese Informationen finden Sie nur in Polizeiakten."

Führende Politiker im Europaparlament mahnen die Sicherheitsbehörden ebenfalls, besser zu kooperieren. "Die nationalen Geheimdienste müssen endlich dazu verpflichtet werden, alle ihre Erkenntnisse bei europäischen Behörden wie Europol abzugeben", sagte der Chef des Auswärtigen Ausschusses, Elmar Brok (CDU). Lesen Sie hier die ganze Geschichteim neuen SPIEGEL.

Axel Voss, stellvertretender Vorsitzender im Rechtsausschuss, will die Dienste mit einem Antrag im EU-Parlament dazu drängen, ihre Erkenntnisse gegenseitig offenzulegen. "Obwohl eine Blutspur durch Europa geht, behandeln wir den islamistischen Terror wie eine Randerscheinung", sagte der CDU-Politiker.

Europol-Chef Wainwright sieht allerdings bereits deutliche Verbesserungen in der Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden: "Es soll nicht zynisch klingen, aber die Anschläge haben die Bereitschaft zu kooperieren enorm befördert."

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insgesamt 38 Beiträge
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Marvin__ 23.07.2016
1. Längere Schlangen bei Veranstaltungen ...
... gibt es, wenn ein Minister ohne Kenntnis der Sachlage mal eben aus dem Flieger heraus schärfere Kontrollen anordnet, ohne dabei für ausreichende Infrastruktur zu sorgen. Das kann man seit fünfzehn Jahren an jedem Flughafen beobachten. Wie lange können wir uns noch einen Innenminister leisten, der bei jeder Gelegenheit mehr Sicherheit und mehr Überwachung verordnet, und dabei die Infrastruktur für innere Sicherheit genauso verkommen lässt wie damals die Bundeswehr, als er noch Verteidigungsminister war? In der aktuellen Lage braucht es mehr denn je einen Profi an der Spitze des Innenministeriums!
meine Güte 23.07.2016
2. So so!
Hier wird ständig Ursache und Wirkung verwechselt. Hätte man nicht so viele "Facharbeiter" willkommen geheißen gäbe es diese Probleme nicht. Man muß das mal sagen dürfen. Die Sache entgleisst immer weiter. Unsere Regierung ist nicht in der Lage präventiv zu agieren. Sie reagiert nur. Wenn sich da nicht etwas ändert werde ich das 2017 bei der BTW berücksichtigen.
Hyacinth 23.07.2016
3. Haben wir vor allen Großereignissen
in den letzten Jahren nicht zu hören bekommen, dass diese selbstverständlich bestmöglich gesichert sind *grübel* Ich würde mir von Journalisten weniger Sensationsmeldungen, die doch keinen interessieren, wünschen, sondern eher das Aufdecken von solchen Widersprüchen. Jeder weiß, dass sich Politiker ganz häufig nicht an Wahlversprechen und frühere Aussagen halten und keiner hält den Finger drauf. Ist das etwa ein Tabu???
Badischer Revoluzzer 23.07.2016
4. Thomas de Maziere
produziert hier Stammtischparolen. Sorry. Wie will er mehr Sicherheit schaffen, solange wir hier Leute íns Land holen, die andere Gesellschaftsformen, andere Wert- und Moralvorstellungen haben. Hier geht ja normal auch keiner mit der Knarre zum Mäckes oder mit der Axt in die Schnellbahn. Tut mir leid zu polarisieren und zu ätzen. Aber ich muß einfach mal loswerden.
mundi 23.07.2016
5. Die Weimarer Republik lässt grüßen.
Zitat von meine GüteHier wird ständig Ursache und Wirkung verwechselt. Hätte man nicht so viele "Facharbeiter" willkommen geheißen gäbe es diese Probleme nicht. Man muß das mal sagen dürfen. Die Sache entgleisst immer weiter. Unsere Regierung ist nicht in der Lage präventiv zu agieren. Sie reagiert nur. Wenn sich da nicht etwas ändert werde ich das 2017 bei der BTW berücksichtigen.
Man traut sich nicht, Namen zu nennen. Die Weimarer Republik lässt grüßen. Es sind die neuen Nazis, die sich in Europa breit machen. Auch sie würden, so sie könnten, alle Juden ermorden. Sie tragen keine SA-Uniformen, aber in manchen Stadtteilen mit muslimischer Mehrheit, riskiert ein Jude mit der Kippa auf dem Kopf sein Leben. Die Terroristen in Frankreich und Belgien sind Kinder eingewanderte Muslime. Es waren weder Buddhisten noch Atheisten. An der Religion liegt es, aber keiner darf es sagen. So weit ist es schon gekommen. Sie haben nicht den Mein Kampf und einen Führer aber dafür ein heiliges Buch und einen Propheten. Auch bei ihnen gibt es Herrenmenschen und Ungläubige. Wie früher, droht für Beleidigung dieser Heiligtümer der Tod. Wie die harmlose Scientology, nennen sie ihre Ideologie "Religion". Die meisten von ihnen sind friedlich, auch bei den Nazis beteiligten sich von über 200 Millionen nur einige Tausende an Verbrechen. Manche Nazis, wie zum Beispiel Oskar Schindler, retteten sogar Menschenleben. Zwischenfälle wurden als Übergriffe bezeichnet, Verbrechen als nicht mit dem Nationalsozialismus vereinbar. "Wenn das der Führer wüsste", war damals ein geflügeltes Wort Wie damals in der Weimarer Republik, streiten sich heute die Politiker wegen Nebenschauplätzen oder schauen ganz weg. Pauschale Kritik an den Nazis ist natürlich erwünscht, das ist kein Rassismus und kein Generalverdacht, Kritik am Islam wird zensiert. Verrückte Welt.
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