Interview vor Parteitag CDU-Vize Strobl will kranke Flüchtlinge abschieben

Vor dem Parteitag der Christdemokraten in Essen macht Parteivize Strobl Stimmung für eine härtere Asylgesetzgebung. Er vermeidet aber das Wort "Obergrenze".

Thomas Strobl mit Angela Merkel
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Thomas Strobl mit Angela Merkel


Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Thomas Strobl hat seine Forderung nach einer harten Linie gegen abgelehnte Asylbewerber bekräftigt. Selbst die Abschiebung kranker Asylbewerber dürfe nicht länger tabu sein, sagte Strobl der Zeitung "Die Welt".

Zwar gelte , wer nicht reisefähig ist, kann auch nicht abgeschoben werden. "Aber seien wir doch ehrlich: Wenn jemand trotz einer Erkrankung die beschwerliche Reise über das Mittelmeer oder auch über die Balkanroute schafft und wir dann aber feststellen, dass er keine Bleibeperspektive hat, muss man zumindest überlegen, ob es nicht auch möglich ist, ihn in einem Flugzeug innerhalb weniger Stunden zurückzubringen", sagte Strobl dem Blatt.

Mit diesen scharfen Aussagen in der Flüchtlingsdebatte fordert Strobl zahlreiche weniger rigorose Christdemokraten heraus. Am Dienstag beginnt in Essen der Wahlparteitag der CDU. Die Debatte über den Umgang mit Flüchtlingen hat die Partei vor dem Treffen wieder fest in Beschlag genommen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erteilte am Wochenende CSU-Forderungen nach einer festen Obergrenze eine klare Absage.

Sein Schwiegersohn, der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl, gibt den Hardliner. Auch ausreisepflichtige Afghanen könne man abschieben, sagte er der "Welt" - "in die sicheren Regionen in ihrem Heimatland". "Wenn es nicht anders geht, muss die Ausreise auch mit Zwang vollzogen werden."

Im nächsten Jahr werde es bis zu einer halben Million ausreisepflichtige Personen in Deutschland geben, prognostizierte Strobl am Sonntagabend im "Bericht aus Berlin". "Wenn wir diese Herausforderung bewältigen wollen, dann müssen wir denjenigen, die eine Ausreiseverfügung erhalten, denjenigen, die nicht bleibeberechtigt sind, auch mit einer klaren und neuen Konsequenz sagen, dass sie dieses Land verlassen müssen", sagte Strobl in der ARD-Sendung.

Seinen scharfen Kurs verteidigt er mit Blick auf Hunderttausende, die in die deutsche Gesellschaft integriert werden sollen. "Wir werden nicht Aufwand und Mühe scheuen, jene in unsere Gesellschaft zu integrieren, die einen Platz bei uns haben", sagte Strobl der "Welt".

apr/dpa

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