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09. Mai 2019, 03:03 Uhr

Thüringens Ministerpräsident

Ramelow wirbt für neue Nationalhymne

Geht es nach Bodo Ramelow, würde in Deutschland künftig eine neue, "wirklich gemeinsame" Nationalhymne gesungen. Er singe zwar die dritte Strophe - könne "das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 aber nicht ausblenden".

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich für eine neue Nationalhymne ausgesprochen. "Ich singe die dritte Strophe unserer Nationalhymne mit, aber ich kann das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 nicht ausblenden", sagte der Linke-Politiker der "Rheinischen Post".

Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall würden viele Ostdeutsche die Hymne nicht mitsingen, sagte Ramelow weiter. "Ich würde mir wünschen, dass wir eine wirklich gemeinsame Nationalhymne hätten. Bisher hat dieser Wunsch leider immer nur für empörte Aufregung gesorgt." Er plädierte für einen neuen Text, "der so eingängig ist, dass sich alle damit identifizieren können und sagen: Das ist meins".

Das Deutschlandlied wurde 1841 von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben gedichtet und in der Weimarer Republik zur Nationalhymne gemacht. Später missbrauchten die Nationalsozialisten die erste Strophe für ihre Zwecke ("Deutschland, Deutschland über alles"). Die deutsche Nationalhymne besteht heute aus der dritten Strophe ("Einigkeit und Recht und Freiheit").

Anfang 2018 hatte die Frauenbeauftragte des Familienministeriums, Kristin Rose-Möhring, eine geschlechtsneutrale Nationalhymne angeregt. Sie wollte "Vaterland" durch "Heimatland" ersetzen und "brüderlich" durch "couragiert". Sowohl Angela Merkel als auch Frank-Walter Steinmeier hatten das abgelehnt.

aar/dpa/AFP

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