Thüringens Ministerpräsident Ramelow wirbt für neue Nationalhymne

Geht es nach Bodo Ramelow, würde in Deutschland künftig eine neue, "wirklich gemeinsame" Nationalhymne gesungen. Er singe zwar die dritte Strophe - könne "das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 aber nicht ausblenden".

Bodo Ramelow: "Ich würde mir wünschen, dass wir eine wirklich gemeinsame Nationalhymne hätten"
Michael Reichel/ DPA

Bodo Ramelow: "Ich würde mir wünschen, dass wir eine wirklich gemeinsame Nationalhymne hätten"


Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich für eine neue Nationalhymne ausgesprochen. "Ich singe die dritte Strophe unserer Nationalhymne mit, aber ich kann das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 nicht ausblenden", sagte der Linke-Politiker der "Rheinischen Post".

Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall würden viele Ostdeutsche die Hymne nicht mitsingen, sagte Ramelow weiter. "Ich würde mir wünschen, dass wir eine wirklich gemeinsame Nationalhymne hätten. Bisher hat dieser Wunsch leider immer nur für empörte Aufregung gesorgt." Er plädierte für einen neuen Text, "der so eingängig ist, dass sich alle damit identifizieren können und sagen: Das ist meins".

Das Deutschlandlied wurde 1841 von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben gedichtet und in der Weimarer Republik zur Nationalhymne gemacht. Später missbrauchten die Nationalsozialisten die erste Strophe für ihre Zwecke ("Deutschland, Deutschland über alles"). Die deutsche Nationalhymne besteht heute aus der dritten Strophe ("Einigkeit und Recht und Freiheit").

Anfang 2018 hatte die Frauenbeauftragte des Familienministeriums, Kristin Rose-Möhring, eine geschlechtsneutrale Nationalhymne angeregt. Sie wollte "Vaterland" durch "Heimatland" ersetzen und "brüderlich" durch "couragiert". Sowohl Angela Merkel als auch Frank-Walter Steinmeier hatten das abgelehnt.

aar/dpa/AFP

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berndmdo 09.05.2019
1. Armes Deutschland
Wie wäre es mit Marmor, Stein und Eisen bricht... Oder vielleicht doch Herrn Raab oder Herrn Bohlen mit einer Talentshow beauftragen zur Suche nach unserer neuen Hymne... Politiker mit zu viel Zeit für unsinnige Gedanken könnten sich doch mal sozial engagieren in dieser Zeit.
Meckerameise 09.05.2019
2.
Also der Inhalt der gesungenen dritten Strophe beinhaltet eigenltich nur Dinge, die man sich dieser und auch jeder funktionierenden Demokratie wünschen kann: Einigkeit, Recht, Freiheit - ein Aufruf, nach diesen Ideen ständig und gemeinsamen Geistes zu greifen - diese drei Entitäten, die Basis für eine glückliche Zeit bilden sollen - und dass dieses Land unter diesen drei Gesichtspunkten stabil in die Zukunft schreiten möge. Das ist meine Interpretation dieser Zeilen. Ich finde, wir haben eine funktionale Nationalhymne, doch spiegelt sich der Inhalt in der Lebenswirklichkeit nicht immer da. Anstatt an der Hymne herumzudoktorn, sollten sich wirklich alle Gesellschaftsschichten daran setzen, den Text in Realität umzuwandeln. Wir sollten nicht die Hymne der heutigen Situation anpassen, wir sollten die Situation an den Geist der Nationalhymne anpassen. Ich habe zudem das Gefühl, dass bei einem Spontantest viele gar nicht mitsingen könnten, weil sie den Text nicht mehr kennen und gespielt wird sie im Großen und Ganzen auch nur noch im Sport. Die Ode an die Freude höre ich ja nun noch seltener, dabei ist die EU genauso wichtig.
jufo 09.05.2019
3. Guter Vorschlag
Das Lied der Deutschen hat eine Strophe die historisch belastet ist, eine die ziemlich komisch von Wein und Frauen daherkommt und nun ja die dritte Strophe. Was war denn an der DDR Hymne so verkehrt, dass man die nicht nehmen kann?
Anna156464641156 09.05.2019
4. Why not?
Ich finde die Idee interessant und man kann aufjedenfall mal darüber nachdenken. Der Grundgedanke der Einheit, der dahinter steckt, ist garnicht so verkehrt. Auferstanden aus Ruinen fand ich persönlich immer eine sehr schöne Zeile und mir hat ganz subjektiv etwas ähnliches bei der Nationalhymne gefehlt. Allerdings kommt der Vorschlag aus der Politik und nicht von Künstlern selbst. Da kann es schnell passieren das auf biegen und brechen es allen recht machen zu wollen und alle sollen zusammen kommen ganz grausame Lieder entstehen. Ich empfehle jedem dazu einmal das Lied für NRW anzuhören. Wenn etwas ähnliches bei einem Lied für ein geeintes Deutschland dabei herauskommt, war es keine gute Idee.
JonnyKarton 09.05.2019
5. Scherz
Also das ist ja wohl ein schlechter Scherz! Selbst die erste Strophe des Deitschlandliedes hatte eine friedliche, innenpolitische Intention und die heutige Nationalhymne mit der dritten Strophe natürlich sowieso. Der Text unserer Nationalhymne ist absolut friedlich und wesentlich weniger "unmoralisch", kriegerischer oder nationalistischter als viele andere Hymnen. Nämlich genaugenommen überhaupt nicht! Dass irgendwann mal Nazis das auch gesungen haben, also bitte?!? Dann sollten wir vielleicht bald alle Englisch sprechen, weil die Nazis deutsch gesprochen haben. Oder die Autobahnen dichtschütten, weil diese daran ihren Anteil hatten. Das ist ja wohl absolut lächerlich hoch 10! Mehr Erinnerung und Gedenken, als es in Deutschland betrieben wird, ist überhaupt nicht möglich. Aber einfach alles zu streichen, weil zufällig auch Nazis "es genutzt haben". Unglaublich. Und in der Nationalhymne ein Wort wie couragiert zu benutzen was nicht deutsch ist, also echt!
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