Thüringer Politiker Werner Henning Dieser CDU-Landrat liebäugelt mit der Linken

Werner Henning hat als Landrat im erzkonservativen Thüringer Landkreis Eichsfeld großen Rückhalt. Im Gegensatz zu seiner CDU ist er offen für eine Koalition mit der Linken - anders als früher sei das kein Tabubruch mehr.

Werner Henning: "Nicht hinnehmbar, dass Linke und AfD in einem Atemzug als radikale Ränder bezeichnet werden"
Steve Bauerschmidt/ imago images

Werner Henning: "Nicht hinnehmbar, dass Linke und AfD in einem Atemzug als radikale Ränder bezeichnet werden"


Eichsfeld ist ein einzigartiger Landkreis in Thüringen: Die Region ist stark katholisch geprägt, eine historische Besonderheit in Ostdeutschland. Die CDU erzielte hier bei der jüngsten Landtagswahl einen zum Teil fast doppelt so hohen Stimmenanteil wie im Landesschnitt, im Wahlkreis Eichsfeld I kam sie auf mehr als 40 Prozent.

Die Linke, im thüringischen Gesamtergebnis klare Wahlsiegerin, holte in Eichsfeld nur rund 15 Prozent der Stimmen.

Vor allem vor diesem Hintergrund ist die Haltung des Eichsfelder Landrats Werner Henning (CDU) zu einer Koalition mit der Linken besonders: Anders als die CDU auf Landes- und Bundesebene schließt er diese Option nicht aus. "Ich fände es gut, wenn die CDU sich auch mit der Linken wie sie heute ist versucht, offen zu befassen", sagte Henning dem MDR.

Denn das Ziel müsse sein, "dass dieses Land regierbar bleibt". Vor zehn, 15 Jahren wäre eine Zusammenarbeit mit der Linken "noch ein Tabubruch gewesen", sagte Henning. "Da dachte man bei der Linken an Klassenstandpunkt und ideologische Bekenntnisse. Davon kann man heute so nicht mehr reden."

Großes Lob für Ramelow

Der Landrat selbst wurde erst im vergangenen Jahr mit 82,2 Prozent wiedergewählt, seine Region ist erzkonservativ. Zum linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow hat er ein gutes Verhältnis. Dem "Tagesspiegel" sagte Henning kurz vor der Landtagswahl, Ramelow stehe in seiner "recht unideologischen Herangehensweise" den früheren CDU-Ministerpräsidenten nicht nach. Er schätze an ihm sein "Bemühen um Korrektheit, Ehrlichkeit, Ausgleich und seine vergleichsweise unprätentiöse Art".

Hennings Offenheit gegenüber der Linken hängt auch damit zusammen, dass er grundsätzliche Kritikpunkte vieler CDU-Kollegen nicht teilt und stattdessen für mehr Pragmatismus plädiert. Die Diskussionen über den Umgang der Linken mit ihrer DDR-Vergangenheit bezeichnete er im Deutschlandfunk als "ziemlich akademische Themen".

Es sei "überhaupt nicht hinnehmbar, dass Linke und AfD in einem gleichen Atemzug als radikale Ränder bezeichnet werden", sagte Henning.

"Der Freistaat lähmt uns im Alltagsgeschäft"

Streit hatte auch er schon mit Politikern der Linken, etwa über eine Kreisgebietsreform. Für eine Koalition auf Landesebene könne er sich aber "vorstellen, dass man sehr pragmatisch auch Geschäftsfelder abschichtet und dann Wort hält in einem wertkonservativen Sinne: Ein Ja ist ein Ja, und ein Nein ist ein Nein."

Nachdem die CDU inzwischen jedoch eine Zusammenarbeit mit der Linken in Thüringen ausgeschlossen hat, ist der Kommunalpolitiker Henning besorgt: "Der Freistaat lähmt uns im Alltagsgeschäft."



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haarer.15 31.10.2019
1. Eine besonnene Stimme ... dieser Landrat
... woran es der CDU ansonsten durch die Bank mangelt. Bei bewusst herbeigeführten vorgezogenen Neuwahlen liebe Thüringen-CDU werdet ihr unter 10 % landen - und der Flurschaden wird beträchtlich sein. Macht euch darauf gefasst. Soviel Verweigerungshaltung und frustrierte Zurschaustellung wird unter Garantie kein Wähler mehr honorieren.
heinrich.busch 31.10.2019
2. Ich gebe Herrn Henning Recht
Ich kenne diesen Mann seit über 30 Jahren, direkt und indirekt. Er ist seit Jahrzehnten in Heiligenstadt geachtet und das geht quer durch die Bevölkerung. Wenn solche Wichtigtuer wie AKK, PZ und AM abgehoben aus Berlin Bremsen eunrichten, dann würde aus meiner Erfahrung die Hälfte der Eichsfelder CDU Wähler zur AfD wechseln. Schon bei dieser Landtagswahl kenne ich Eichsfelder die seit 1968 immer CDU, also auch zu DDR Zeiten, wählten und aktuell schon zur AfD gewechselt haben.
antelatis 31.10.2019
3.
Absurd, dass es vor 10 Jahren noch ein Tabubruch gewesen wäre und jetzt plötzlich nicht mehr. Als hätte sich bei den Linken seit dem so viel geändert. Das zeigt nur, wie sehr man die Linken von Anfang an ganz bewusst mit haltlosen Vorwürfen diskreditiert und schlecht gemacht hat, damit diese Partei bloß möglichst lange "unwählbar" bleibt und keine Gefahr darstellt.
raetselfreund 31.10.2019
4. Früher war das ein Tabu...
...weil früher ja auch nur Grüne und SPD eine Koalition mit der Linken hätten eingehen können, was die Union auf die Oppositionsbank verbannt hätte. Jetzt sieht das aber ganz anders aus ;-)
bötzow33 31.10.2019
5. Konsequenz ist gefragt 30 Jahre nach dem Mauerfall !
Wenn die CDU mit den Linken, der ehemaligen Mauerschützen-Partei spricht, um ggf. eine Regierungskoalition zu bilden, dann muss sie, um politisch glaubwürdig zu werden, auch mit der rechtskonservativen AfD sprechen, um Möglichkeiten für eine parlamentarische Zusammenarbeit auszuloten. Ansonsten droht auch ihr eine baldige Implosion wie sie derzeit bei der SPD zu beobachten ist.
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