Thüringen Stellvertretender Landtagsfraktionschef Heym knapp wiedergewählt

Nach der Thüringenwahl wollte der CDU-Fraktionsvize Michael Heym auch mit der AfD über ein Regierungsbündnis sprechen. Er bekam dafür viel Kritik. Nun ist er in seinem Amt bestätigt worden.

Michael Heym hat es trotz seiner Sympathie für die AfD wieder ins Amt geschafft: Im Landtag bleibt er einer von drei Stellvertretern für CDU-Landesfraktionschef Mike Mohring
DPA/Michael Reichel

Michael Heym hat es trotz seiner Sympathie für die AfD wieder ins Amt geschafft: Im Landtag bleibt er einer von drei Stellvertretern für CDU-Landesfraktionschef Mike Mohring


Michael Heym behält seinen Posten als stellvertretender CDU-Landtagsfraktionschef in Thüringen - trotz auch intern heftiger Kritik an seiner Position zur AfD. Er wurde am Mittwoch bei einer Sitzung der Landtagsfraktion in Erfurt als einer von drei Stellvertretern knapp wiedergewählt. Heym erhielt elf Stimmen oder 52 Prozent, sein Gegenkandidat Christoph Zippel zehn Stimmen.

Die neue CDU-Fraktion besteht aus 21 Abgeordneten. Neben Heym wurden zwei weitere Stellvertreter für Fraktionschef Mike Mohring gewählt sowie der Parlamentarische Geschäftsführer Maik Kowalleck.

In der Fraktion schwelt seit der Landtagswahl ein Streit über den Kurs ihres Parteivorsitzenden. Mohring selbst erhielt nur 66 Prozentbei der Wiederwahl zum Fraktionschef. Die knappe Wahl Heyms und das schlechte Abschneiden der anderen Kandidaten sind ein erneuter Dämpfer für Mohring, der die Kandidaten für die Posten vorgeschlagen hatte.

"Es herrscht ein tiefes Misstrauen gegen den Fraktionsvorsitzenden", sagt ein CDU-Abgeordneter nach der Sitzung dem SPIEGEL. Die Verhandlungssituation mit den anderen Parteien habe sich für Mohring verschlechtert, weil er nicht mehr alle Abgeordneten hinter sich habe.

Und auch in der kommenden Woche wird es erneut Konflikte in der Fraktion geben. Am Dienstag sickerte durch, dass Die Linke die bisherige Agrarministerin Birgit Keller als künftige Landtagspräsidentin vorschlägt. In der CDU ist noch nicht klar, wie sie sich zu dem Vorschlag positionieren soll. Mohring verschob am Mittwoch ein Gespräch dazu. Keller war zu DDR-Zeiten Mitglied der SED, was bei einigen in der CDU kritisch gesehen werden dürfte.

Heym hatte sein Landtagsmandat in Schmalkalden-Meinigen I bei der Wahl Ende Oktober knapp gegen einen AfD-Kandidaten verteidigt. Nach der Niederlage der CDU hatte er sich offen für Gespräche mit den Rechtspopulisten gezeigt und dafür viel Kritik bekommen: "Rechnerisch reicht es für ein Bündnis aus AfD, CDU und FDP. Ich finde, das sollte man nicht von vornherein ausschließen", hatte er gesagt, "man tut der Demokratie keinen Gefallen, wenn man ein Viertel der Wählerschaft verprellt."

Unterstützung erhielt Heym später von 17 Thüringer CDU-Funktionären, darunter auch der Landtagsabgeordnete Jörg Kellner. Eine Koalition mit Linken und AfD schließt er aus, dennoch: "Wir haben gesehen, was passiert, wenn man die AfD außen vor lässt. Es ist das Gegenteil von dem eingetreten, was wir wollten." Die rechte Partei habe sich verdoppelt.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hatte den Vorstoß als "irre" bezeichnet.

mfh/til/dpa



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