Thüringen Ex-Stasi-Spitzel will Linken-Geschäftsführer werden

Die Linken in Thüringen stehen vor einem schwierigen Parteitag: Mathias Günther kandidiert für ein Parteiamt - hat aber zu DDR-Zeiten mit der Staatssicherheit zusammengearbeitet.
Linken-Plakat in Thüringen: Am kommenden Parteitag steht die Partei vor einer schwierigen Personalentscheidung

Linken-Plakat in Thüringen: Am kommenden Parteitag steht die Partei vor einer schwierigen Personalentscheidung

Foto: Rudolf Gigler/ imago images

In seinem Bewerbungsschreiben gibt Mathias Günther eine "offizielle und inoffizielle Zusammenarbeit" mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) an: Beim Linken-Parteitag am kommenden Wochenende kandidiert er nun für den Posten des Landesgeschäftsführers der Partei in Thüringen. Die Personalie sorgt für Irritation: Sollte Die Linke solch ein Amt mit einem Ex-Stasi-Spitzel besetzen?

Günther gehe seit Jahren offen mit seiner Vergangenheit und seiner Stasi-Tätigkeit um und habe sich deshalb etwa ein Jahrzehnt lang nicht für ein öffentliches Amt beworben, sagte ein Sprecher der Linken auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung über die Personalie berichtet .

Der 57 Jahre alte Günther war nach eigenen Angaben bis 1989 Offizier bei den DDR-Grenztruppen. Im Rahmen seines Berufs habe er mit der Stasi Kontakt gehalten. Seit Anfang dieses Jahres ist Günther Geschäftsstellenleiter der Thüringer Linken. Seit 2015 ist er Kreisvorsitzender der Linken in der Stadt Hildburghausen im gleichnamigen Thüringer Landkreis, wie aus seinem Bewerbungsschreiben an den Parteitag hervorgeht.

Schwierige Regierungsbildung

Thüringens CDU-Generalsekretär Raymond Walk sagte der "Bild": "Wenn das die Aufarbeitung der SED-Vergangenheit sein soll, frage ich mich, wie ernst das gemeint war." Für ihn ist die Personalie eine Provokation.

Einen Gegenkandidaten für das Amt des Landesgeschäftsführers gebe es nicht, sagte der Parteisprecher. Auf dem Landesparteitag an diesem Samstag und Sonntag in Erfurt soll ein neuer Vorstand der Linken gewählt werden.

Der Parteitag wird sich auch mit der schwierigen Regierungsbildung beschäftigen. Die Linke hatte in Thüringen erstmals in Deutschland eine Landtagswahl gewonnen. Sie strebt die Fortsetzung von Rot-Rot-Grün als Minderheitsregierung an. Vertreter von Grünen und SPD zeigten sich nach Angaben der dpa irritiert über die Personalie Günther.

mho/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.