Vorläufiges Endergebnis in Thüringen Historischer Wahlerfolg für die Linke - Grüne und FDP knapp im Landtag

In Thüringen sind alle Wahlbezirke ausgezählt. Laut vorläufigem Endergebnis erreicht die Linke 31 Prozent. Die AfD hat ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt.

Freude bei der Linken in Thüringen: Die Partei von Ministerpräsident Bodo Ramelow (2.v.l.) holte ein Rekordergebnis
Sean Gallup/ Getty Images

Freude bei der Linken in Thüringen: Die Partei von Ministerpräsident Bodo Ramelow (2.v.l.) holte ein Rekordergebnis


3017 Wahlbezirke sind in Thüringen ausgezählt. Im Vergleich zu den ersten Hochrechnungen am Abend konnte die Linke von Ministerpräsident Bodo Ramelow ihr Ergebnis noch ein wenig ausbauen: Die Partei kam auf 31 Prozent - und damit auf das beste Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt. Bei der vergangenen Thüringen-Wahl im Jahr 2014 lag sie noch bei 28,2 Prozent.

  • Zweitstärkste Kraft wurde die AfD mit 23,4 Prozent (2014: 10,6 Prozent).
  • Dahinter folgte die CDU mit 21,8 Prozent (2014: 33,5 Prozent).
  • Weit abgeschlagen war die SPD mit einem historisch schlechten Ergebnis von 8,2 Prozent (2014: 12,4 Prozent).
  • Die Grünen schafften mit 5,2 Prozent (2014: 5,7 Prozent) knapp den Einzug in den Landtag.
  • Die FDP kam auf 5 Prozent (2014: 2,5 Prozent) und zog damit wieder in einen ostdeutschen Landtag ein.

Landtagswahl Thüringen 2019

Endgültiges Ergebnis

Zweitstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CDU
21,7
-11,8
Die Linke
31
+2,8
SPD
8,2
-4,2
AfD
23,4
+12,8
Grüne
5,2
-0,5
FDP
5
+2,5
Sonstige
5,5
-1,6
Sitzverteilung
Insgesamt: 90
Mehrheit: 46 Sitze
29
8
5
5
21
22
Quelle: Landeswahlleiter

Damit ist klar: Die bisherige rot-rot-grüne Koalition verlor ihre Mehrheit. Und die Suche nach einer Koalition dürfte äußerst schwierig werden. Rein rechnerisch sind drei Koalitions-Optionen möglich: Rot-Rot-Grün käme zusammen mit der FDP auf eine knappe Mehrheit von 47 Sitzen. Ebenfalls rechnerisch eine Mehrheit hätten Linke und CDU (50 Sitze) sowie Linke und AfD (51 Sitze). Alle Konstellationen sind jedoch politisch schwierig und waren vor der Wahl teils ausgeschlossen worden.

Der neue Landtag wird 90 Sitze haben. Die Linke kommt auf 29 Sitze, die CDU auf 21, die AfD auf 22 Sitze. Die SPD entsendet 8 Abgeordnete in den Landtag, Grüne und FDP liegen bei jeweils 5 Mandaten.

Mehr als 1,7 Millionen Thüringer waren zur Wahl aufgerufen. Die Beteiligung stieg deutlich auf 64,9 Prozent (2014: 52,7).

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Die Reaktionen zum Wahlergebnis aus Thüringen

Bodo Ramelow, der bisher einzige linke Ministerpräsident in Deutschland, sagte im ZDF: "Die Wählerinnen und Wähler haben Vertrauen zu meiner Kraft, auch die zukünftige Regierung zügig bilden zu können. Und ich habe natürlich die Absicht, mich sehr schnell im Parlament zur Wahl zu stellen." Danach werde es keine "wackeligen Verhältnisse" geben. Gefragt, ob die CDU in der Pflicht stehe, mit der Linken bei der Regierungsbildung zusammenzuarbeiten, antwortete Ramelow: "Alle Demokraten müssen in der Lage sein, miteinander zu sprechen."

Thüringens CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring sagte, es gebe heute Abend keine einfachen Antworten. "Zunächst heißt es, klug zu überlegen, was ist für unser Land wichtig, und wie können wir unsere Demokratie stabilisieren." Bislang hatte er ein Bündnis mit der Linken ausgeschlossen. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bekräftigte: "Unser Wort gilt nach den Wahlen genau wie wir es vor den Wahlen gesagt haben: Es wird keine Koalition der CDU mit der Linkspartei oder der AfD geben." Ziemiak sprach auch von einem "bitteren Tag" für die CDU.

FDP-Chef Christian Lindner sagte, für seine Partei sei eine Zusammenarbeit mit Linker und AfD ausgeschlossen, "weil beide Parteien die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in Deutschland verändern wollen". Der Generalsekretär der Thüringer FDP, Robert-Martin Montag, erklärte zu einer möglichen Koalition mit Rot-Rot-Grün: "Wer unsere Positionen kennt, der weiß, dass wir reden werden. Aber vom Stand jetzt, ist eine Zusammenarbeit mit der Linken schwer vorstellbar."

AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke sprach davon, dass die Thüringer ein "klares Zeichen" gesendet hätten: "So geht es nicht weiter." Die AfD sei auf dem Weg zur gesamtdeutschen Volkspartei. "Fakt ist, die Regierung Ramelow ist abgewählt, und das ist gut für Thüringen." Seine Partei wolle nach dem "grandiosen Erfolg" nun "staatspolitische Verantwortung tragen", sagte er im Sender Phoenix. "Jetzt wollen wir regieren." Ein Direktmandat bekam Höcke übrigens nicht: Er unterlag in seinem Wahlkreis Eichsfeld I dem CDU-Kandidaten Thadäus König.

Die kommissarische SPD-Chefin Malu Dreyer zeigte sich enttäuscht über das historisch schlechte Wahlergebnis ihrer Partei. Die SPD habe gekämpft, aber leider habe sie in der Polarisierung zwischen Ramelow und der AfD nicht profitieren können, sagte Dreyer.

Grünenchef Robert Habeck sagte, Thüringen stehe nun vor "kompliziertesten" Verhandlungen. "In einer Phase, wo sich die Demokratie neu sortiert, können wir Ausschließeritis eigentlich nicht gebrauchen." Alle demokratischen Parteien müssten miteinander gesprächsfähig sein.

kry/dpa/AFP

insgesamt 24 Beiträge
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franz.ose 28.10.2019
1. FDP 6 Stimmen drüber
Die FDP hat offenbar nur 6 Stimmen mehr als benötigt.
Freier.Buerger 28.10.2019
2. Jede Stimme zählt
Die FDP hatte nicht einfach 5%. Es waren 5,0005% genau 6 Stimmen über der 5 % Hürde. Jede Stimme zählt!
pek 28.10.2019
3. Warum zum Teufel ...
läßt man die AfD nicht mitregieren? Wie sonst bekommt man raus was in dieser Partei wirklich los ist?
Patrizier 28.10.2019
4. Erinnerung
Ich möchte die CDU und ihre Anhänger an deren Aussagen nach vergangenen Wahlen erinnern: Die Partei muss jetzt zeigen, dass sie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und die Linke daher unterstützen, wie sie es von der SPD verlangt hat. Außerdem muss immer die stärkste Fraktion den Regierungschef stellen! ;)
kelcht 28.10.2019
5.
Soll die AfD doch mit der Linken es ist nicht Aufgabe der Volksparteien sich genüslich vom populistischen wähler schredder zu lassen. Keine CDU Koalition mit Parteien mit extremen elementen ist richtig und konsequent. Sollen sich die die Außen notfalls von höcke befreien um Juniorpartner der linken zu werden. Das ist kein AfD und Ramelow Wunschkonzert.
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