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05. Oktober 2009, 15:56 Uhr

Thüringen

Matschie will sich von Morddrohungen nicht einschüchtern lassen

Christoph Matschie will auch nach einer Morddrohung nicht von seinem politischen Kurs abweichen, in Thüringen für ein schwarz-rotes Bündnis zu sorgen. Das Landeskriminalamt hat inzwischen die Ermittlungen aufgenommen, der SPD-Chef des Landes steht unter Personenschutz.

Erfurt - Christoph Matschie hat bisher äußerst zurückhaltend auf die Morddrohung gegen ihn reagiert. Nur mit einem knappen Satz äußerte er sich in der Öffentlichkeit: "Ich lasse mich nicht einschüchtern", sagte er vor der Sitzung des SPD-Präsidiums in Berlin.

Nach der Koalitionsentscheidung zugunsten der CDU war bei Matschie am Wochenende eine anonyme Morddrohung eingegangen. Laut der "Südthüringer Zeitung" handelte es sich um einen Brief, dem eine scharfe Patrone beigefügt war. Das Schreiben sei im Umfeld des Landtages in Erfurt gefunden worden.

Das Landeskriminalamt Thüringen hat inzwischen die Ermittlungen aufgenommen. Für Matschie wurde Personenschutz angefordert. "Der Brief ist am Sonntag eingegangen. Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte LKA-Specher Uwe Geisler. Man gehe derzeit aber nicht von einer ernsthaften Bedrohung aus. Nach dem Täter werde intensiv gesucht. Das Schreiben soll an die Postadresse der Landtagsfraktion adressiert worden sein. Darin wurde offenbar Bezug auf die Entscheidung der SPD-Führung genommen, Koalitionsgespräche mit der Thüringer CDU und nicht mit Linken und Grünen aufzunehmen.

Nach der Landtagswahl am 30. August wurde die SPD mit 18 Sitzen drittstärkste Kraft im neuen Thüringer Landtag. Als "Königsmacher" konnte sie wählen, ob sie ein Bündnis mit der CDU, die über 30 Sitze verfügt, oder mit Linken (27 Sitze) und Grünen (sechs Sitze) eingehen möchte. Der SPD-Landesvorstand hatte sich in der vergangenen Woche überraschend für eine Zusammenarbeit mit der CDU entschieden.Mit dieser Entscheidung hatte Matschie Teile der Basis schwer verärgert. Die Gegner haben für Samstag zu einer Basisversammlung nach Erfurt eingeladen. "Wir wollen damit die Stimmung an der Basis erkunden", sagte Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein am Montag. Er zählt zu den Befürwortern einer rot-rot-grünen Zusammenarbeit.

Gleichzeitig intensiviert die Parteiführung ihre Bemühungen, die Basis von einer Koalition mit der CDU zu überzeugen. Die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD sollen an diesem Mittwoch beginnen und bis Ende Oktober abgeschlossen sein.

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