Aufzug gegen Corona-Maßnahmen Polizei in Hildburghausen setzt Pfefferspray ein

Bei Protesten gegen Corona-Beschränkungen im Corona-Hotspot Hildburghausen hat die Polizei Pfefferspray eingesetzt. Trotz Ausgangsbeschränkungen hatten sich etwa 400 Menschen versammelt und Hygieneauflagen missachtet.
Demo in Hildburghausen: Laut Polizei hielten sich viele Teilnehmer nicht an Hygieneauflagen

Demo in Hildburghausen: Laut Polizei hielten sich viele Teilnehmer nicht an Hygieneauflagen

Foto: Steffen Ittig / dpa

Der Landkreis Hildburghausen in Thüringen ist der Corona-Hotspot in Deutschland. Laut Robert Koch-Institut gab es dort mehr als 600 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.

Ausgerechnet dort hat am Mittwochabend eine Protestkundgebung gegen die neuen Infektionsschutzregelungen stattgefunden, die von der Polizei aufgelöst wurde. Dabei setzten die Beamten Pfefferspray ein. Rund 400 Menschen hatten sich trotz Ausgangsbeschränkungen auf dem Marktplatz versammelt.

Nach Polizeiangaben gab es bei der Versammlung zahlreiche Verstöße gegen geltende Corona-Regeln: »So wurden Mindestabstände nicht gewahrt, Masken nicht getragen und die eigene Wohnung ohne triftigen Grund verlassen«, hieß es von den Einsatzkräften. Den etwa 30 Beamten sei es gelungen, die Protestierenden zu zerstreuen.

Pfefferspray wurde nach Polizeiangaben punktuell eingesetzt, um zu verhindern, dass die Protestierenden auf eine Bundesstraße im Ort ziehen. Mehrfache Versuche, die Teilnehmer zum Verlassen der Demonstration zu bewegen, seien fehlgeschlagen, teilte die Polizei in der Nacht zum Donnerstag mit. 30 Teilnehmer erhielten demnach eine Anzeige wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz. Verletzte und Festnahmen gab es den Angaben zufolge nicht. Die Versammlung habe gegen 19 Uhr begonnen, gegen 20.45 Uhr seien die Proteste beendet gewesen.

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Bürgermeister zeigt sich fassungslos

Die Teilnehmer sprachen nach Angaben von Bürgermeister Tilo Kummer (Linke) von einem »Spaziergang«. »Ich bin fassungslos«, schrieb Kummer am Abend auf Facebook. »Der Markt in Hildburghausen ist voller Menschen! Etliche tragen keine Masken! Was muss denn noch passieren, bis manche den Ernst der Lage begreifen?« Etliche Menschen im Kreis kämpften um ihr Leben. Ganze Kitas, Schulen, Rettungswachen, Feuerwehren hätten in den letzten zwei Wochen in Quarantäne gemusst. »Kann man da nicht mal zwei Wochen Abstand halten?«

Im Kreis Hildburghausen gilt seit Mittwoch ein regionaler Shutdown mit Ausgangsbeschränkungen sowie geschlossenen Schulen und Kindergärten. Die Proteste fanden während der Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) statt (mehr zu den Ergebnissen der Verhandlungen lesen Sie hier).

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) appellierte an die Menschen im Landkreis Hildburghausen, sich an die neuen Infektionsschutzregeln zu halten. Es gebe ein großes Bemühen, mit strengeren Maßnahmen »Leib und Leben von Menschen zu schützen«, sagte er am Mittwoch nach der Videokonferenz der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Er habe aber Bilder gesehen, die zeigten, dass sich mehrere Hundert Menschen auf dem Marktplatz versammelt hätten.

Bundesweit stärkstes Infektionsgeschehen

Diese Menschen, so Ramelow, hätten damit das Signal gegeben, dass sie das Infektionsgeschehen in ihrem Kreis nicht interessiere. »Sie sind zwar in dem Landkreis, in dem die höchste Infektionsrate in ganz Deutschland ist, aber sie signalisieren, dass sie die Maßnahmen zur Unterbindung der Infektionen wohl eher ablehnen«, sagte Ramelow.

In Hildburghausen gab es laut Zahlen des Robert Koch-Instituts – Stand Mitternacht – 602,9 Infektionsfälle auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen – das ist das bundesweit stärkste Infektionsgeschehen. Ab einem Wert von 50 gilt eine Region als Risikogebiet. Der Landkreis hat eine Einwohnerzahl von etwas über 63.000 Menschen.

Ramelow appellierte an die Menschen in Hildburghausen, solidarisch zu sein und »sich gegenseitig zu helfen und sich zu unterstützen«. Gerade in Südthüringen sei die Situation in den Intensivstationen der Krankenhäuser angespannt. »Wenn man dann auch noch mit einer größeren Form von Missachtung und Leugnung glaubt, darauf reagieren zu können, erweist man seinen Mitbürgern einen Bärendienst«, sagte Ramelow.

höh/dpa