Kommentar zu Thüringen Ramelows wichtigste Aufgabe

Bodo Ramelow will als neuer Ministerpräsident in Thüringen einen fairen Umgang mit seinen politischen Gegnern. Hoffentlich ist es keine Maskerade.
Kommentar zu Thüringen: Ramelows wichtigste Aufgabe

Kommentar zu Thüringen: Ramelows wichtigste Aufgabe

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Es gibt in der Politik zwei Arten von Siegern: Die, die übermütig mit lautem Triumphgeheul feiern. Sie stehen meist bald selbst als Verlierer da. Und es gibt jene, die nach dem Sieg Demut zeigen. Sie wissen um die Größe der Aufgabe und sie kennen sich aus mit der Vergänglichkeit des Ruhms.

Bodo Ramelow hat in Thüringen gesiegt. Im Erfolg zeigt er Bescheidenheit. Er bietet seinen politischen Gegnern einen fairen Umgang an, er entschuldigt sich bei den Opfern des DDR-Regimes. Das ist eine wichtige Geste. Hoffentlich ist es nicht nur Maskerade.

Ramelows Koalitionsprojekt hat Wunden aufgerissen, es gibt puren Hass, zwischen alten SED-Kadern und ihren Opfern, zwischen Linken und Rechten. Wenn die politische Kultur in Thüringen nicht weiter Schaden nehmen soll, muss Ramelow dauerhaft als Versöhner auftreten - und seine Gegner müssen das Angebot annehmen.

Ob die Versöhnung gelingt, ist fraglich: Ramelows Partei ist keine Ansammlung von reformfreudigen Superstars, sondern sie ist zum Teil eben auch ein rückwärtsgewandter, stockkonservativer Grantler-Klub. Es ist in Ordnung, wenn 25 Jahre nach dem Fall der Mauer ein Linker Ministerpräsident in einem Bundesland wird. Das ist ein Stück politische Normalisierung. Deutschland geht nicht unter und Thüringen auch nicht. Aber jene, die der Linken vorwerfen, ihre DDR-Vergangenheit nicht ernsthaft zu verarbeiten, haben auch einen Punkt.

Es ist schön, wenn Ramelow das versteht. Der Rest der Partei sollte es aber auch langsam kapieren.

Grund zum Übermut gibt es für Ramelow und seine Anhänger ohnehin nicht: Die Mehrheit im Landtag ist denkbar knapp. Das hat die Zitterwahl des Ministerpräsidenten gezeigt. Das mit viel Tamtam ausgerufene rot-rot-grüne Reformprojekt ist eine ziemlich wackelige Angelegenheit. Der gelernte Gewerkschafter wird nur dann Erfolg haben, wenn er es nicht nur bei großen Ankündigungen belässt. Er braucht bald Erfolge, und seine Politik muss möglichst viele Menschen ansprechen. Spalter gibt es schon genug.

Und auch nur so kann eine rot-rot-grüne Koalition für den Bund vorstellbar werden.

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